Aufsatz 
Eine Ferienreise nach dem Goldnen Horn
Entstehung
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hier, wo die Fäden dreier Weltteile zuſammenlaufen. Türken und Araber, Ruſſen und Griechen, Juden und Zigeuner, Perſer und Ägypter, Kurden und Tſcherkeſſen, Inder und Neger, dazwiſchen Europäer*) aller Nationalitäten drängen und ſtoßen ſich in lärmendem, aber friedlichem Verkehr.

Von dem engen, winkligen Galata führt außer einigen ſteilen Straßen und Treppen auch eine Tunnelbahn nach dem höher gelegenen Pera**), dem Wohnort der wohlhabenderen Europäer und Sitz aller beſſeren Hotels. Die Hauptverkehrsader, die Grande rue de Pera, iſt in ihren unteren Teilen ſchmal und holprig wie die meiſten andern Straßen; in ihrem weiteren Verlauf wird ſie breiter, die Häuſer ſtattlicher, zuweilen palaſtartig.

Abends iſt die elegantefränkiſche Welt im Piccolo campo zu finden, einem gut unterhaltenen Concertgarten. Hier traf ich zahlreiche Mitglieder der Miller'ſchen Reiſegeſellſchaft, darunter auch Bekannte aus Heſſen. Sie waren, 380 Köpfe ſtark, auf der MarſeillerEtoile am ſelben Tage wie wir von Genua abgefahren und hatten bereits Delphi, Athen und Olympia, freilich nur im Fluge beſucht, einige auch Troja; nur einige, da die unruhig werdende See das weitere Ausbooten unmöglich machte. Jedenfalls haben ſie für wenig Geld in kurzer Zeit viel geſehen, wenn ſie auch durch einige der intereſſanteſten Städte(Athen) förmlich durchgehetzt wurden. Zu manchen Sehenswürdigkeiten hatte ihnen ein deutſcher Offizier in türkiſchen Dienſten die Wege geebnet, Herr Auler Paſcha, mit dem ich einige höchſt genußreiche Abende in angeregter Unterhaltung verlebte. Sein Haus auf dem höchſten Punkt von Pera, dem Taxim, gewährt einen unvergleichlich ſchönen Blick über die ganze Stadt, den. Hafen und den Bosporus bis zu dem ſchneeigen Gipfel des myſiſchen Olymp. Ich habe es dort verſtehen lernen, daß er ſeinen Kontrakt mit der türkiſchen Regierung neuerdings um 3 Jahre ver⸗ längert hat.

Mit der Sprache kommt man, ſolange man ſich nur in der Franken⸗ ſtadt bewegt, nicht leicht in Verlegenheit. In Rom und Neapel ſprechen ſehr viele Geſchäftsleute und Beamte franzöſiſch, in Athen die meiſten, in Smyrna und Konſtantinopel alle Welt. Je weiter man eben nach Oſten

*) Etwa 60 000, ohne die(über 200 000) Griechen, die im Orient niemand zu den Europäern zählt und die auch von Europa wie

von einem fremden Weltteil ſprechen. Die Oſterreicher bilden die zahlreichſte, aber auch wenigſt bemittelte Kolonie.

**) Von x.v, jenſeits(des goldnen Horns) von Stambul aus ge⸗ gerechnet.