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decke verhüllt Land und Meer. Doch jetzt ſteigt die Sonne über den hübſch geformten Prinzeninſeln herauf; der Nebel fällt, und wie von einer Fata Morgana vorgeſpiegelt heben ſich die Kuppeln und Minarets von Stambul*) empor: ein unbeſchreiblich ſchöner Anblick, den alle übrigen Paſſagiere in ihren Kojen verſchlafen. Die langſame Fahrt läßt alles gemütlich beſchauen. Die beiden größten Moſcheen der Stadt, die berühmte Hagia Sophia und die Moſchee Sultan Achmets, beide unfern des Strandes, bieten ſich bequem unſern Blicken dar; nur iſt die eine durch den kaſernenartigen Bau des Juſtizminiſteriums teilweiſe ver⸗ deckt. Die uralte Stadtmauer, von ſtarken Türmen flankiert, läßt ſich weit landeinwärts verfolgen. Dicht am Meere liegt das„neue“ Serail, ein unſchöner alter Kaſten mit unregelmäßigen winzigen Fenſtern; ſein verwahrloſter Garten ſenkt ſich in Terraſſen bis zum„goldnen Horn“, dem Hafen, der ſich leicht gekrümmt 7 Km. tief ins Land erſtreckt. Jen⸗ ſeits desſelben, wo die Europäerſtädte Galata und Pera ſich maleriſch aufbauen, gehen wir vor Anker. Die wenigen Bücher werden ſorgfältig am Leibe verborgen, denn alles Gedruckte unterwerfen die argwöhniſchen Türken einer ſtrengen Cenſur d. h. ſie nehmen es gleich allem Rauchbaren einfach weg. Ich hatte mein Hauptgepäck im Piräus einem hilfsbereiten Deutſchen in Verwahrung gegeben, Herrn 2TAINXAYEP, der mir aus einer Verlegenheit half: eine Aufbewahrungsſtelle für Handgepäck kennt man nämlich dort nicht. Obwohl mein Täſchchen ſo nur die notwendigſte Wäſche enthielt, forderte der Zollbeamte ein paar Piaſter(à 18 Pf.) von mir, wofür, habe ich nie erfahren. Dafür klebte er ein mit Hieroglyphen bedrucktes Zettelchen auf den Riemen und ließ mich ziehen.
In dem bunten Gewühl der Hafenſtraßen zeigt ſich uns ſofort die Eigentümlichkeit, in der ich den Hauptreiz von Stambul erblicke. Monumentale Prachtbauten finden ſich in jeder europäiſchen Hauptſtadt ungleich zahlreicher, wenn auch wohl weniger eigenartig; an geſchichtlichen Erinnerungen, ſo bedeutſam ſie auch hier ſind, erſcheinen Athen und Rom ſehr viel reicher: das bunte Gemiſch der Nationalitäten, das farbenreiche Bild der verſchiedenſten Völkertypen und Trachten, das babyloniſche Gewirr aller Sprachen des Morgen⸗- und Abendlandes findet ſich nirgends ſo wie
*) Der gewöhnlichen Ableitung des Namens von eic Thy röu„ hat man neuerdings die von slambul(?) entgegengeſetzt. Sollte es nicht einfach aus Kovoravreyobrokic verderbt ſein? eic Thy öMe» wäre übrigens nicht einmal korrektes Griechiſch; es müßte doch
81 5, äoro heißen. Die Türken nennen die Stadt auch Deri Seadet, Pforte der Glückſeligkeit.


