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Tiefe Nacht lag auf dem Waſſer, als mich ein bärtiger, wild aus⸗ ſehender Türke nach dem Schiff ruderte, doch prallten ſeine Verſuche, unterwegs eine Erhöhung des ausbedungenen Fährlohnes zu erpreſſen, trotz der etwas unheimlichen Situation an mir ab. Unter dem betäubenden Geraſſel des Dampfkrahns, der bis Mitternacht mit Einladen beſchäftigt war, ſchlief ich ein, war aber früh um 5 ſchon wieder auf Deck. Die Beſorgnis Troja zu verſäumen, hatte mich aus den Federn getrieben, doch hörte ich, daß wir die Sigeia freta nicht vor Mittag erreichen würden. Schon liegt Lesbos hinter uns. Zur Rechten begleiten uns die Berge des Feſtlands, unter denen der berühmte Ida in Dunſt gehüllt, aber deutlich wahrnehmbar hervortritt. Sie werden niedriger, je mehr wir nordwärts ſteuern. Auch Tenedos iſt weit weniger gebirgig als die ſeither geſichteten Eilande des Archipelagus, wenn auch lange nicht ſo troſtlos flach wie unſre frieſiſchen Inſeln. Mehrere Windmühlen, ein freundliches Städtchen und ein kleines Fort laſſen ſich unterſcheiden. Es iſt auch heute noch eine statio male fida carinis: auf einem Riff in ihrer Nähe ſaß unſre Galata bei einer früheren Fahrt einige Tage feſt. Einen Blick werfen wir auf Lemnos, Imbros und die beide weit überragende Samothrake, dann wird unſere Aufmerkſamkeit durch Wichtigeres gefeſſelt.„Ich ſollte heute ein Land ſehen und begrüßen, das mir in der Blütenzeit des Lebens ein Luſtgarten geweſen war, darinnen meine Seele ſich Hütten wie zum beſtändigen Wohnen aufgeſchlagen, meine Phantaſie täglich ergangen hatte: ich ſollte die Küſte von Ilion ſehen“ (G. H. v. Schubert). Zum Glück geht unſere Fahrt dicht am freundlich grünen aſiatiſchen Ufer. Hinter der einſt(1853. 1877) vielgenannten Beſika⸗Bai gewinnen wir den erſten Blick auf die Landſchaft Troas und die bis zu 30 m hohen Hügelgräber(türk. tepeh), die ſchon zu Homers Zeit die Höhenzüge längs der Küſte zahlreich krönten und für das ganze Landſchaftsbild charakteriſtiſch ſind. Manche ſind mangelhaft durchforſcht, andere noch gar nicht, weil die türkiſche Regierung mit Rückſicht auf die nahen Küſtenforts ihre Genehmigung verſagt. Der Volksmund hat will⸗ kürlich einige der ſtattlichſten als Grab des Aias, des Achilles, des Patroklus bezeichnet. Die beiden letztgenannten liegen dicht an der Schanze auf dem Cap Sigeion; die Windmühlen davor gehören zum Dorf Jeniſchehr (Xeuſtadt). Die äußerſte Nordweſtſpitze trägt ein zweites Fort, Kum Kale(SSandſchloß) genannt. Wir laufen in die Dardanellenſtraße ein, und der volle Blick in die Gefilde von Troja tut ſich uns auf. Deutlich zeigen ſich, nur ein Stündchen von der Küſte entfernt, die gelblichen Schutt⸗


