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Das alte Smyrna wird von dem weitgereiſten Geographen Strabo als die erſte Stadt Aſiens an Größe und Schönheit überſchwenglich ge— prieſen. Was er von der unvergleichlichen Lage der Stadt rühmt, gilt natürlich noch heute unverändert. Dagegen darf man die von ihm ge⸗ prieſenen Prachtbauten, Theater und Wandelbahnen, Gymnaſien und Tempel, die regelmäßigen Straßen mit dem Marmorpflaſter im heutigen Smyrna nicht ſuchen, das zum allergrößten Teil ein Labyrinth enger, winkliger und ſchmutziger Gaſſen darſtellt. Zwar das Frankenviertel weiſt faſt durchweg Häuſer von europäiſcher Bauart auf, namentlich die ſaubere, faſt elegante Kaiſtraße, in der das deutſche Hotel Huck, das deutſche Konſulat ſowie zahlreiche Gaſt- und Kaufhäuſer ſtehen. Häufig ſchlagen die Wellen über die Schienen der Pferdebahn bis zur Mitte der Straße und beſorgen eine koſtenloſe und gründliche Reinigung. Der Blick auf die weite Bucht hinaus iſt prachtvoll, und wenn wirklich Homers Geſänge hier entſtanden ſind, ſo begreifen wir des Dichters Vorliebe für das Meer: hier iſt es nicht abſchreckend und furchterregend, hier lockt es mit Sirenen⸗ ſtimmen.
Beim abendlichen Konzert im Garten des Sporting Club ſieht man ſo viel elegante Herren und Damen in modernſten Toiletten, daß man ſich nach Europa verſetzt glauben könnte. Sonſt überwiegt im Hafen⸗ viertel das Griechentum, und griechiſch ſind all die 8evodoxeta und zagsvsta (Gaſt- und Kaffeehäuſer) am Strande. Ganz anders wird der Eindruck, wenn man in das Innere der Stadt eindringt und nach einander das Armenier⸗, Juden⸗ und Türkenviertel durchwandert, wovon immer eines ſchmutziger, aber auch intereſſanter iſt als das andere. Es hat einen eigenen Reiz, ohne Plan und Führung in dem Gaſſengewirr umherzuirren. Die ohne rechten Grund berühmte Karawanenbrücke, zu der aufdringliche Judenknaben mich führen wollten, habe ich nach dem Stadtplan im Meyer unſchwer allein gefunden. Wer nicht gerade einen Blick in das ſtaubige Tal des waſſerarmen Meles werfen will, an deſſen Ufer Homers Hütte geſtanden haben ſoll, ſpare ſich den Weg. Denn ununterbrochen werden trotz der 2 Eiſenbahnen, die von Smyrna nach dem Innern führen, die Straßen von Karawanen durchzogen, die Feigen, Roſinen, Süßholz uſw. dem Hafen zuführen. Unter Vortritt eines Eſels ſchreiten die ſtattlichen, iſabellfarbigen Kamele, eins an das andere mit langer Leine gefeſſelt, ge⸗ duldig daher. Nichts erweckt vielleicht ſo ſehr das Gefühl, daß wir uns in einem andern Weltteil befinden, als der Anblick der ſeltſam geſtalteten Wiederkäuer in Ausübung ihres Berufs.


