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gezogen, und mit enger Einfahrt, die bequem durch eine Kette geſperrt werden konnte.
Gegen Abend kehrten wir an Bord unſres Dampfers zurück. Die meiſten Paſſagiere hatten natürlich die Zeit zu einem Beſuch Athens be⸗ nutzt, den wir uns für die Rückreiſe aufſparten. Wir brauchten es auch nicht zu bedauern, daß unſre Fahrt oſtwärts durch das Inſelmeeer größten⸗ teils in die Nacht fiel. Was ihre Schatten uns heute verhüllten, werden wir auf der Rückfahrt im vollen Sonnenglanz beſchauen können.
Der Morgen des 10. Auguſt findet uns in der Nähe der Inſel Chios, die ſehr viel grüner und beſſer angebaut erſcheint als alles, was wir bisher im Bereich der griechiſchen Zunge geſehen haben. Zum Greifen nahe liegt ſie vor uns. Die Hänge ſind terraſſiert, Windmühlen, Hütten, Dörfer und Städtchen werden ſichtbar, Hirtenfeuer qualmen. Endlich laufen wir in die wundervolle Bucht von Smyrna ein. Aſien zeigt ſich hier, wo wir ihm zuerſt nahen, von ſeiner vorteilhafteſten Seite. Das flache Vorland iſt augenſcheinlich trefflich angebaut, und die Berge dahinter, die in der günſtigen Beleuchtung des Spätnachmittags das Bild einer großartigen Alpenlandſchaft bieten, ſind bis hoch hinauf bewaldet. So mag im Altertum ein großer Teil Griechenlands ausge⸗ ſehen haben, ehe Unverſtand die alten Bäume fällte und gefräßige Ziegen das Aufkommen des jungen Holzes unmöglich machten. AÄußerſt ſtattlich präſentiert ſich Smyrna ſelbſt*) im Hintergrund des Golfs. Den Strand entlang zieht ſich in ſchier endloſer Front das„Frankenviertel“; dahinter kriecht das unzählige Häuſergewimmel der Orientalen weit am Bergeshang hinauf bis faſt zur Höhe des Berges Pagos, deſſen Plateau die gewaltigen Ruinen eines Kaſtells aus genueſiſcher Zeit trägt. Im Hintergrund ragen die hohen Gebirgswände des Sipylos, des Mimas und des joniſchen Olymp.
Wir haben genügend Zeit, das ſchöne Geſamtbild in uns aufzu⸗ nehmen, während das Schiff, deſſen Fockmaſt jetzt die Flagge mit dem Halbmond führt, langſam in den gut beſetzten Hafen einläuft. Iſt doch Smyrna,„das Auge des Orients“, der weitaus bedeutendſte Handelsplatz der Levante. Noch ehe das Schiff vertäut iſt, müſſen wir den üblichen Sturm der Bootsleute und Dragomans(Dolmetſcher) über uns ergehen laſſen. Wir ergeben uns dem erſten beſten; das Boot landet an der Dogana, wo wiederum eine Menge erwerbslüſterner brauner Burſchen uns umdrängt, und nach genauer Prüfung der Päſſe werden wir entlaſſen.
—*) Die Stadt zählt 2— 300 000 Einwohner, worunter über 100 000 Griechen, 60 000 Türken, 23000 Juden, 12000 Armenier.


