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Xerxes ſtolze Flotte unterlag. Fahrgäſte und Mannſchaften haben ſich auf dem Vorderdeck zuſammengedrängt; alle Blicke ſind auf die Stelle gerichtet, wo das Wahrzeichen und der Stolz Athens, ſeine Akropolis, ſichtbar werden muß. Aber es iſt nicht leicht ſie zu identifizieren, da ihr mattes Weiß ſich nur ſchwach von den hohen Gebirgswänden abhebt, die in weitem Kranz die attiſche Ebene umgürten, und ſie überdies durch den nahen, weit ſtattlicheren Lykabettos gedrückt und ſelbſt durch den etwas niedrigeren Muſenhügel mit dem Philopappos⸗Denkmal beeinträchtigt wird. An landſchaftlicher Schönheit iſt der Anblick nicht entfernt ſo großartig, wie er ſich bei der Einfahrt in die Häfen von Neapel, Smyrna oder Konſtantinopel bietet, und doch iſt die Spannung auch bei dem gleich— gültigſten Fahrgaſt hier weſentlich größer. Dem Zauber, den der Name Athens ausübt, vermag ſich keiner zu entziehen. Doch jetzt verſchwinden ſeine Ruinen hinter der Häuſermaſſe des Piräus, und der berühmte Hafen, in dem noch heute die größten Kriegsſchiffe ſo ſicher liegen wie einſt die Trieren des Themiſtokles, nimmt uns auf.
Nun erleben wir das Schauſpiel, das ſich in jedem orientaliſchen Hafen wiederholt. Wie ſich das Schiff dem Lande nähert, wird es von zahlreichen Barken umſchwärmt, deren Inſaſſen nur auf den Moment lauern, ſich auf ihre Beute zu ſtürzen. Die Kabinen hat der Steward vorher ſorgfältig verſchloſſen. Kaum hat der Hafenarzt das Schiff frei— gegeben, ſo ſtürmen die„Piraten des Piräus“ das Fallreep hinauf, ja ſie klettern an Tauen empor und überſchwemmen das Deck. Es iſt, als ob mit der Landung die Mannſchaft, die mit Löſchung und Bergung der Fracht vollauf zu tun hat, alle Macht über das Schiff aus den Händen gegeben hätte. Mit allen möglichen Angeboten werden die Reiſenden be⸗ ſtürmt. Der bietet Bilder an, der Poſtkarten, der Limonade; viele empfehlen Barken zum Ausſchiffen, andre werben Gäſte für dies oder jenes Hotel, und jeder ſucht ſich eines Reiſenden oder wenigſtens ſeines Gepäckes zu verſichern.
Die heutige Hafenſtadt Ileipatsöc(ſpr. Piräéfs) iſt mit wahrhaft amerikaniſcher Schnelligkeit emporgewachſen. Vor 80 Jahren ſtand dort eine armſelige Hütte am Ufer; 1842 zählte der Ort 2600 Einwohner, heute rund 80 000. Zunächſt dem Strande finden wir in engen, ſchmutzigen Gaſſen die in Hafenſtädten üblichen Kramläden und Kaffeehäuſer niederen Rangs. Die vor ihnen ſitzenden Gäſte machen, den Fez auf dem Haupt und am Nargileh ſaugend, ſchon einen recht fremdländiſchen Eindruck. Dagegen tragen die neueren Stadtteile einen modern europäiſchen Charakter.


