Aufsatz 
Eine Ferienreise nach dem Goldnen Horn
Entstehung
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Umſegelung unmöglich machten. Auch den Odyſſeus läßt Homer hier aus ſeinem Kurs verſchlagen werden. Heute gleitet der Dampfer leicht und ſicher an der ſteilen Küſte vorbei. An dem kahlen Felſen klebt eine arm ſelige Hütte, in der ein Einſiedler hauſen ſoll. Nicht weit davon die Wohnung des Feuerwärters; ſonſt vorerſt keine Spur einer menſchlichen Anſiedlung. Das bleibt auch ſo, nachdem wir den Kurs geändert und nordwärts die lakoniſche Küſte entlang ſteuern. Griechenland zeigt hier, wo wir es zuerſt berühren, ſchon gleich den Charakter, den es faſt überall bewahrt: es iſt faſt ganz erfüllt von gewaltigen, alpenartigen Gebirgs⸗ maſſen, die doppelt impoſant erſcheinen, da ſie unmittelbar aus dem Meer aufſteigen. Die ſatten Farbentöne, die reiche Gliederung laſſen für das Auge die Bewaldung nicht vermiſſen. Dann zeigten ſich auch, in eine Bergmulde eng zuſammengedrängt, die ſſonnenbeſtrahlten Häuſer einer Ortſchaft, der in großen Abſtänden noch andere folgen. Man fragt ſich unwillkürlich, wie die Bewohner ihr Leben friſten, da der Boden kaum anbaufähig ſcheint. Es wird begreiflich, wenn man weiß, daß allent⸗ halben im Orient Hunderttauſende von Griechen als Bankiers, Kaufleute, Wirte, Kellner, Stiefelputzer und, wenn der Ausdruck erlaubt iſt, als Dienſtmädchen ihr Brot finden, da man weibliche Dienſtboten in der Türkei nicht kennt.

Wir entfernen uns wieder mehr vom Feſtland. Links taucht Hydra auf, die Heimatinſel des heldenmütigen Miaulis. Den (albaneſiſchen) Bewohnern iſt ihr Patriotismus ſchlecht bekommen. Zu Beginn des griechiſchen Freiheitskampfs(1821) zählte die Inſel auf ihren 55 qkm gegen 50 000 Einwohner; heute ſind ſie auf 7000 zuſammen⸗ geſchmolzen: ihr Blut und ihren Wohlſtand haben die Hydrioten, die aus eignen Mitteln 100 Schiffe mit 2000 Kanonen ausrüſteten, zum Opfer gebracht. Es folgt Poros, das alte Kalauria, in deſſen Poſeidon⸗ tempel Demoſthenes durch Gift endete. Die Inſel Agina, der wir uns jetzt nähern, zeigt an ihren Berghängen etwas mehr Grün, doch iſt auch ſie nur mit Gebüſch und Geſtrüpp bekleidet. Von einer Anhöhe herab grüßt uns die Ruine des Aphäa⸗Tempels. Im übrigen ſehen die meiſten griechiſchen Inſeln einander ſo ähnlich wie ein Ei dem anderen. Bei der ſtarken Gliederung der Küſte iſt es hier wie bei Kleinaſien oft unmöglich, im Vorüberfahren das Feſtland von den vorgelagerten Inſeln zu unterſcheiden, da die Felsmaſſen beider ſich kuliſſenartig in einander ſchieben. Raſch geht es durch den Saroniſchen Golf der attiſchen Küſte zu, deren langgezogene Linie vor uns auftaucht, während links Salamis ſichtbar wird, Pſyttaleia und der Sund, in dem einſt des