Aufsatz 
Eine Ferienreise nach dem Goldnen Horn
Entstehung
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Inzwiſchen iſt es völlig dunkel geworden. Inmitten der ungezählten Lichter, die längs der weiten Bucht, auf allen Hügeln und Bergen ſich entzünden, lenkt der flammende Schein einer lokalen Illumination und eines Feuerwerks die Blicke auf ſich, das aus Anlaß eines kirchlichen Feſtes nahe dem Strande abgebrannt wird. Der Tender bringt die letzten Gäſte herüber, und Punkt zehn Uhr treten wir die Weiterreiſe an.

Der nächſte Morgen findet uns in der Nähe von Stromboli (XrHor1n]), der Inſel des Äolus, die von dem gleichnamigen Vulkan (942 m) in Geſtalt eines Kegels von mathematiſcher Regelmäßigkeit ganz ausgefüllt erſcheint. Einige Stunden ſpäter laufen wir in die Straße von Meſſina ein, die eine der ſchönſten Partieen der ganzen Fahrt bedeutet. Die nördliche Einfahrt(Punta del Faro) iſt mit 3,15 km Breite etwa gleich der Elbe bei Blankeneſe zugleich die engſte Stelle des Sundes und wird von Schanzen auf beiden Ufern beſtrichen. Im Altertum galt die Meeresſtraße als gefährlich(Thukyd. IV 24). Eine Strömung, wie ſie bei Gibraltar und in den Dardanellen ununterbrochen und zwar in demſelben Sinne, nämlich ins Mittelmeer hinein ſtattfindet man erklärt die Tatſache mit der ſtarken Verdunſtung in letzterem, eine ſolche Strömung hat die Straße von Meſſina nicht. Dagegen verurſachen die Gezeiten, ſo unauffällig ſie ſonſt im Mittelmeere ſind, bei manchen Winden ſtarke, kleineren Schiffen angeblich heute noch gefährliche Strudel. Für gewöhnlich fahren ſelbſt Ruderboote unbedenklich über die Charybdis, die ihre Stätte nahe dem Leuchtturm von Meſſina hat. Noch willkürlicher iſt die Sage mit der ſchräg gegenüber an der kalabriſchen Küſte befind⸗ lichen Sceylla umgeſprungen, ſchwärzlichen Klippen, an denen das Meer brandet; das darüber liegende Städtchen hat den Namen des Ungeheuers für alle Zeiten bewahrt.

Freundlich breiten ſich weithin am Geſtade die hellfarbenen Häuſer von Meſſina aus, der blühenden Handelsſtadt, die mehr als 1000 Schiffe in ihrem vorzüglichen Hafen aufnehmen kann. Sehen können wir ihn freilich nicht, da er durch eine weit vorſpringende Landzunge verdeckt wird. Ein deutſches Schiff kommt uns entgegen, mit dem wir Flaggen⸗ grüße wechſeln: DieTherapia unſerer eigenen Linie; und gleich darauf heißt es wieder ſalutieren: DerAdmiral von der Oſtafrika⸗ linie, den wir geſtern in Neapel liegen ſahen, überholt uns hier, und wir gönnen ihm neidlos den Vorſprung; hat er doch auch einen ſehr viel weiteren Weg vor ſich. Drei deutſche Dampfer gleichzeitig hier im fernen Süden! Allen Reſpekt vor unſern Reedereien, die ſo fern von ihren