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herrliches Panorama, das hinter dem von Neapel an Schönheit kaum zurückſteht. 14 Doch allmählich ſchwindet der ſchöne Anblick. Blaſſer und niedriger werden die Berge, an denen das Auge ſchließlich keine Ortſchaft, kein Haus mehr unterſcheiden kann, bis ſich zuletzt das Land in dämmernder Ferne verliert. Nun ſehen wir— dieſer Fall tritt auf der ganzen Fahrt bis zum ſchwarzen Meer nur noch dreimal ein— längere Zeit nichts als Himmel und Waſſer. Aber auch wenn dem Auge der Zielpunkt in der Ferne fehlt, welcher Genuß iſt es ſchon, an die Brüſtung gelehnt hinab⸗ zublicken auf das wundervolle Meer! Man hört ſo oft von dem tief blauen Himmel Italiens ſchwärmen, der doch um keine Nuance anders gefärbt iſt als bei uns; das Meer dagegen weiſt, von den meiſten Häfen abge⸗ ſehen, während der ganzen Fahrt ein ſo tiefes, ſattes Blau auf, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Endlich bricht die Nacht herein, aber das klare Licht des Vollmondes erleuchtet weithin die glitzernde Meeresfläche und läßt die Umriſſe der benachbarten Inſeln deutlich erkennen. So ziehen nach einander Gorgona, Capraja und Elba an uns vorüber. Doch endlich fordert die Natur ihre Rechte, und mit den lehlen Gäſten ſuchen wir unſre Kabine auf.
Am andern Morgen finden wir die Situation ſcheinbar wenig ver⸗ ändert. Wir befinden uns etwa auf der Höhe von Rom. Nach ein paar Stunden haben wir uns ſtark dem Feſtland genähert, das mit ſeinem niedrigen Uferland und dem dahinter liegenden Gebirgsrücken der Apenninen deutlich erkennbar iſt. Uns zunächſt gegenüber erſcheint Anzio mit zahlreichen Seglern im Hafen, das Antium der Alten, Neros Geburtsort, das einſt(338 v. Chr.) ſeine Kriegsſchiffe den Römern überliefern mußte, die mit den Schnäbeln ihre Rednerbühne ſchmückten. Dann tiitt die ausgebuchtete Küſte wieder mehr zurück. Vor uns erhebt ſich ein kühn anſteigender Berg, der die flache Umgebung ſtolz überragt. Was kann das anders ſein als der Veſuv? Dafür wird er dann auch allgemein gehalten und gebührend bewundert, bis ſich herausſtellt, daß der vermeint⸗ liche Veſuv— der Monte Circeo(540 m) iſt, die Heimat der Circe⸗Sage(Müllenhoff, deutſche Altertumskunde S. 55). Von Neapel trennt uns noch der weite Golf von Gaëta. Endlich iſt auch er durch⸗ fahren. Wiederum taucht vor uns ein mächtiger Bergkegel auf, noch majeſtätiſcher als der erſte. Das muß aber nun doch der Veſuv ſein? Kollege Bezzel⸗Nürnberg, ein beneidenswert vielgereiſter Mann, ſtellt ſogar die Veränderung ſeiner Geſtalt feſt, die er durch die große Kataſtrophe im


