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III.
Die römiſche Poeſie kann auf Selbſtändigkeit und Originalität im ganzen wenig Anſpruch machen; Form wie Stoff ſind ſchon in der älteſten Litteraturperiode in hohem Maße von den Griechen beeinflußt geweſen. Schon dieſe Erwägung muß uns veranlaſſen, den Anfängen des Reims auch in der Poeſie dieſes Volkes nach⸗ zugehen. Und in der That haben die Griechen alle Arten des Gleichklangs lange vor den Zeiten des Plautus und Ennius gekannt und genutzt.
Damit ſoll nicht geſagt ſein, daß die Römer in dieſem Punkte lediglich in der Nachahmung griechiſcher Muſter befangen geweſen ſeien. Vielmehr ſind gerade die genannten Dichter in der Anwendung des Gleich⸗ klangs— wie dies z. B. für Plautus auch Wölfflin(ſ. o.) anerkennt— ihre eigenen Wege gegangen.—
Die älteſten Erzeugniſſe der griechiſchen Poeſie, die Homeriſchen Gedichte, ſind in dieſer Rich⸗ tung bereits mehrfach unterſucht; ſo von R. Holzapfel in der oben erwähnten Abhandlung„Ueber der Gleich⸗ klang bei Homer.“ Von den Klanggemälden ausgehend, zu denen die griechiſche Sprache befähigt iſt wie kaum eine andere, zeigt H., wie Homer das Toſen des Meeres, das Rollen des Steines 598), das Zerreißen der Segel(1 71), den ſchweren Fall der Geharniſchten im Kampf ſo wirkungsvoll zur Darſtellung bringt, wie es ſonſt nur die Muſik vermag. Er beſpricht ſodann den„Wurzelreim“, das Wortſpiel, die Allitteration, Aſſonanz, ſchließlich den Endreim. Die Beiſpiele ſind faſt ausſchließlich der Odyſſee entlehnt, aber ſie ſind vollſtändig genug, um einer Ergänzung hier nicht zu bedürfen. Vielmehr werden umgekehrt manche Fälle zu ſtreichen ſein, die der Verfaſſer irrtümlich in den Bereich des beabſichtigten Gleichklangs zieht. Dies gilt insbeſondere von dem Endreim, den er in ziemlich ausgedehntem Maße angenommen hat. Für den End⸗ reim wage ich bei Homer kaum ein ſicheres Beiſpiel anzunehmen. Auch der leoniniſche iſt ſelten, und einer der bekannteſten Fälle B 484 Eonsrs»Oy uo*, Modaat, OXdum dcar' EXooat verliert ſchon um deswillen ſeine Beweiskraft, weil die ganze Stelle kritiſch ſehr verdächtig iſt. An Binnenreimen und Aſſonanzen dagegen fehlt es nicht. Für den Gleichklang im 5. und 6. Fuß(àvòy rs d26„ re, S9Geiy rs 060% Ts, dadby rs 2.*α ts, 5οꝓ οεεοι ‿h μοτιοες⁵ u. ä.) führt Holzapfel aus der Odyſſee allein über 90 Beiſpiele an. Dergleichen mag der Dichter nicht gefliſſentlich geſucht haben, und mit Unrecht will Im. Bekker(Homer. Blätter XVI, S. 185 ff.) eine Vorliebe Homers für den„Gleichklang in jeder Geſtalt“ konſtatieren; allein wo er ſich findet, da muß ihn das griechiſche Ohr ebenſo gut empfunden haben wie das unſere. Es wird ſich gegen dieſe Be⸗ hauptung nichts ernſtlich einwenden laſſen, ſo heftig auch Lehrs(De Aiistarchi studiis Hom. II, S. 384) dagegen eifert.!
An Homer ſchließen unmittelbar an die Elegiker, von denen im folgenden Abſchnitt(IV) ausführlicher die Rede ſein wird.
Archilochos hat den Mittelreim nicht ſelten im trochäiſchen Pentameter.) 60,1. Od&ρνέ Hεπꝓι 3rOa 5» 00 08 dtanenkIHEv Ov, 000 S00SO7O121 †aο 0y 000 êrsTuS» 9. 62. Epein, u* dnör' Eyhos adoicstat orpar 6c; 65,1. O5 rix aloto«x per' àor y zal sic ενοσο dν v. 67,2. Töy*Aανα us d?a det OTg Avrapsißsodat ka*0Tc. 71. Nov ò? AsGοœνοõðMv äpy t, ALG6ριανσα'επκσνακs:, A2G†Hμ ov õta asIra, AsGcHi⁵οο S'axνοs ar. Eine verhältnißmäßig ſehr geringe Ausbeute geben die meliſchen Lyriker, doch ſeien wenigſtens einige Fälle erwähnt: Sappho fr. 84, zwei Ithyphallici mit zweiſilbigem Reim: Asöpo dnöts, Motoat, TPdοασν μωοαr.
*) Die Zählung nach Bergk, Poetae Lyr. Graec. 4(1882).


