Aufsatz 
Gleichklang und Reim in antiker Poesie / von Otto Dingeldein
Entstehung
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Ueber die folgenden Dichter geht Grimm raſch hinweg. Er bemerkt nur, daß bei ihnen(Perſius, Lucan, Statius, Lactantius, Auſonius, Priscian u. a.) bis in's 6. Jahrhundert der Gebrauch des Reims eher ab⸗ als zugenommen habe. Den Grund dieſer Thatſache ſucht er irrtümlich in der geſunkenen Sprache und geringeren Kunſtfertigkeit. Es iſt der Cardinalfehler ſeiner Arbeit, daß er die Einflüſſe von Quantität und Accentuation ganz unberührt gelaſſen hat; das raſche Aufblühen der Reimdichtung im 7. und 8. Jahrhundert bleibt dadurch in ſeinem Weſen völlig unerklärt.

II.

Ueber Lucrez hinaus aufwärts hat Grimm den Reim nicht verfolgt; hätte er es gethan, ſo würde er gefunden haben, daß ſchon den älteſten römiſchen Dichtern, denen des 3. Jahrhunderts, der Reim durchaus nicht fremd iſt. Belegſtellen aus Plautus, Naevius und Ennius gibt bereits Schuch a. a. O. S. 28 f. Gerade Plautus, der, wie bekannt, alle Formen des Gleichklangs in ausgedehnteſtem Maße angewandt hat, liefert eine reiche Ausbeute von Fällen des Binnen⸗ und Endreims.*) Als Beiſpiel für erſteren möge dienen

Most. 916 me suasore atque impulsore id factum audacter dicito.

Gerade der troch. Pentameter iſt durch den gleichmäßigen Fluß der Dipodieen zum Träger des Binnen⸗ reims vorzüglich geeignet. Er iſt für Plautus beſonders behandelt von Uſener, Reim in altlateiniſcher Poeſie, in Fleckeiſ. Jahrbüchern XIX(1873) S. 174 ff. Endreim findet ſich z. B.

Men. 259 f. Voluptarii atque pöt atores mäx umi, Tum sücophantae et pälpatores plür umi. Amph. 1002 f. Deinde illi actutum süffer et suus servos poenas Sösia, Eum fécisse ille hodie ärgu et, quae ego fécero hig: quid id mea?

Weitere Beiſpiele ſind von Buchhold a. a. O. in reicher Fülle zuſammengeſtellt.

In nicht minder ſtarkem Maße hat Ennius ſich des Gleichklangs bedient, den ſeine Vorliebe dafür oft geradezu zu Geſchmackloſigkeiten verleitet. Hierher rechne ich z. B.:

Ann. 113**) O Tite, tute, Tati, tibi tanta, tyranne, tulisti. 107 Maerentes, flentes, lacrimantes, commiserantes. Trag. 337. stultust, qui cupita cúpiens cupientér cupit. Sat. 32 Näm qui lepidé postulat älterum frusträri Quöôm frustrast, früstra illum dicit frustra ésse. Näm qui se früstrari quém frustras sentit, Qui frustratũr frustrast, si ille non est früstra.

Für den Reim habe ich folgende Fälle zuſammengeſtellt:

a) leoniniſcher Reim:

Ann. 352 Aegro corde comis sparsis passis latu' palm i s. 358 Contendunt Graecos, Graios memorare solent sos. 360 Nec cum capta cap i nec cum combusta cremar i. 370 Jsque Hellespont o pontem contendit in alt o. 377 Verrunt extempl o placidum mare marmore flav o. 387 Contudit: indign o bello confecit acerb o. 393 Arcus ubi aspicit ur, mortalibus quae perhibet ur. 413 Navorum imper ium servare est induperant u m. 423 Concurrunt vel ut i vent i cum spiritus aust r i.

*) Vergl. Teuffel, Römiſche Litteraturgeſchichte§. 11,3. **) Die Zählung nach Vahlen, Ennianae poesis rell. Lips. 1854.