lebens ſucht, wird ſie in weit ſtärkerer Eigenthümlichkeit in dem äußerſten Norden und Süden von Deutſchland ſinden, und wenn ſie am Mittelrhein noch nicht ganz verblichen ſind, ſo mag zu ihrer Erhaltuug die große politiſche Zerſplitterung beigetragen haben, die bis zu Anfang des jetzigen Jahrhunderts hier beſtand, und in den kleinſten Bezirken eine gewiſſe Abgeſchloſſenheit und Excluſivität gegen den Nachbar jenſeit der Gränze erzeugte. Iſt aber nun die Rede von Erklärung der hier vorkommenden Namen, ſo ergibt ſich um ſo mehr die Nothwendigkeit, vor Allem darüber auf das Reine zu kommen, welchen Sprachen dieſelben nach ihrer urſprünglichen Form und Faſſung angehören, und hier iſt es zunächſt, wo die gelehrte Forſchung hinzutreten muß, um die erſte Sichtung und Sonderung vorzunehmen. Sie muß aber eben ſowohl eine linguiſtiſche als eine hiſtoriſche ſein, wenn es ihr gelingen ſoll, das ihr gebotene Problem zu löſen, wie ja überhaupt in der innigſten Verbindung und Wechſelwirkung der Sprach⸗ und Geſchichts⸗ forſchung und in der gelungenen Aufklärung der einen durch die andere die Haupterrungen⸗ ſchaft beſteht, welche der neue Fortſchritt derſelben erlangt hat. Umfang und Beſtimmung dieſer Schrift nöthigen jedoch die Mittheilung möglichſt auf bloße Reſultate zu beſchränken, von denen manche auch als Broſamen von dem großen Mahle gefallen ſind, welches Männer wie Benfey, Diez, Ewald, Förſtemann, Grimm, Knobel, Kuhn, Mone, Pott, Vilmar, Weigand, Zeuß u. ſ. w. der gelehrten Welt bereitet haben.
Scheidung der Eigennamen nach Sprachſtämmen.
Soll die Forſchung das Gewordene erklären, ſo muß ſie es als ein Werdendes betrachten und das letztere, ſo weit ſie vermag, bis zu ſeinem Urſprung verfolgen. Dieſer liegt für unſere Culturſprachen in zwei orientaliſchen Völkergruppen, die wir mit den Worten indogermaniſch und ſemitiſch bezeichnen. Zwiſchen allen indogermaniſchen Sprachen, alſo namentlich den indiſchen, perſiſchen, der armeniſchen und phrygiſchen, der griechiſchen und lateiniſchen, den romaniſchen, celtiſchen, germaniſchen und ſlaviſchen Sprachen beſteht Urverwandtſchaft, ſofern in ihnen in einer unbekannten Urzeit, wo die Scheidung der Völker noch nicht vollendet war, aus denſelben Wortwurzeln ähnliche Stämme, Zweige und Producte erwachſen ſind.
Nach vollendeter Scheidung der Völker nimmt die Divergenz der Sprachentwickelung zu, und was noch weiter als ein gemeinſam Neues hinzukommt, geſchieht durch bloße Entlehnung. Der Unterſchied zwiſchen urverwandten und Lehnwörtern iſt in der deutſchen Sprache durchgreifend, und ihre Unterſcheidung wird theils durch das Geſetz der Laut⸗ verſchiebung, theils durch die Natur und Geſchichte des von dem Worte bezeichneten Gegenſtandes ermöoglicht, wiewohl allerdings auch viele Fälle als ſchwankend und zweifel⸗ haft übrig bleiben. Fragen wir nun, ob die deutſche Sprache Lehnwörter aus den verwandten Sprachen des Orients aufzuweiſen habe, ſo können wir, ſo weit unſere Kenntniß reicht, nur eine verneinende Antwort darauf ertheilen, und dies iſt von Wichtig⸗ keit, denn es beweiſt, daß die Scheidung des deutſchen Volkes erſt allmählich auf dem Grund und Boden von Europa erfolgt iſt, wo offenbar die Celten und Germanen in einem eben ſo nahen Verwandtſchaftsverhältniß ſtehen, wie die Armenier und Phrygier, die Griechen und Römer. Wie die Scheidung der Völker überhaupt zu Stande gekom⸗ men ſei, darüber belehren uns ſpätere geſchichtliche Vorgänge, denn in die Zeit der beglaubigten Geſchichte fällt die Scheidnng der romaniſchen Völker, unter denen das jüngſte, das der Portugieſen ſeine Trennung von den Spaniern bloß der politiſchen Trennung verdankt, wie unter ähnlichen Verhältniſſen die Abzweigung der Holländer und ihrer Sprache von der deutſchen zur vollendeten Thatſache geworden iſt.
. Ganz anders iſt das Verhältniß der deutſchen zu den ſemitiſchen Sprachen. Laſſen ſich auch nicht alle Spuren urſprünglicher Gemeinſchaft zwiſchen den indogermaniſchen


