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Julius Andiccus in Mainz, Julius Salto in Caſſel, die Nervierin Julia Cirata in Weißenau) und Namenformen, männlich und weiblich, vergrößernd und verkleinernd, romaniſch und germaniſch, ſondern auch in den Inliſchen Geſetzen, in dem Iulianiſchen Kalender mit dem Monat Julius, am meiſten in der Geographie, wie Bethsaida Ju- lias, Portus Julius, Alpes Juliae, vallis Julia, Forum Julii(Friaul und Frejus), Juliobona, Juliomagus, Juliacum(Jülich), vicus Julius, Julimontium, ja ſelbſt hinüberſpielend bis nach Julin, der weltberühmten Wendenſtadt, die in den Fluthen der Oſtſee verſenkt liegt. Caesar endlich, ſo unſicher auch ſeine ſprachliche Genealogie und Ahnentafel ſein möge, iſt dennoch der Inhaber der höchſten weltlichen Würde auf Erden, iſt Kaiſer und Czar geworden und wird ſtatt Caesarea und Caesar augusta(Sa⸗ ragoſſa) demnächſt vielleicht noch einmal Konſtantinopel, ruſſich Czargrad, d. i. Cza⸗ renburg, Kaiſerſtadt) zu ſeiner Reſidenz erwählen. Weniger glücklich als Cäſar iſt Au⸗ guſtus geworden, welcher zwar anfänglich den Vorrang vor Cäſar behauptete, aber als semper Augustus zum allezeit Mehrer des Reiches erhoben, Burgund, Helvetien, Elſaß, Lothringen, Belgien, Holland, Friesland, Schleswig, Preußen, Curland und Livland vom Reiche hat abkommen laſſen, und auch ſein griechiſcher Stellvertreter Sebaſtos und Sebaſtianus, deſſen Reſidenz Sebaſtopolis neuerdings ſo große Berühmt⸗ heit erlangt hat, iſt als Anſiedler in Deutſchland zu dem Bürger Baſt und dem Bauern Baſtian geworden. Nirgends aber iſt die Naivität der ſprachlichen Ironie ſtärker hervorgetreten, als darin, daß der jnnge Mann, der die Reihe der römiſchen Kaiſer beſchließt, Romulus Auguſtus heißen muſſte und dadurch dem Volkswitz der Griechen und Römer Gelegenheit bot, ihn in Momyllos llallende Ausſprache von Romulus im Munde der Kinder) Auguſtulus zu verkehren.
Wandlung der Eigennamen nach Form und Sinn.
Aus dem Bisherigen erklärt ſich, woher es kommt, daß nirgends in der Sprache mehr, als bei den Eigennamen Vergeſſenheit des urſprünglichen Sinnes und der ſprach⸗ lichen Bedeutung, nirgends mehr Entſtellung, Verwechſelung, Verfehlung, Uebertragung, Ueberſetzung, Mißverſtändniß aller erſinnlichen Art und in den eigenthümlichſten Com— plicationen ſtattgefunden hat. Und das Alles hat in beſchleunigter Progreſſion zuge⸗ nommen, ſeitdem aus der abſterbenden Latinität die romaniſchen Sprachen hervorgingen, welche durch die Völkerwanderungen von der deutſchen Sprache befruchtet wurden, worauf endlich die letztere, vieljährigen lateiniſchen und romaniſchen Reactionen preisgegeben, erſt gegen Ende des Mittelalters in der Hauptſache ihre heutige Geſtaltung erhielt. Schon die älteſten Wörter und Namen der deutſchen Sprache ſind uns nicht in ihrer Urgeſtalt, ſondern in mehr oder weniger latiniſirten Formen erhalten. Im Mittelalter ſind ſodann die deutſchen Namen mit den deutſchen Völkern nach allen Weltgegenden ausgewandert und haben im Munde fremder Nonfdnen die mannichfaltigſten Umgeſtaltungen erfahren. Die beiden Brüder Reinhard(Raginhart: ratione pollens, Aristobulus) und Reinhold(Raginald: ratione valens) ſind im Auslande durch ihre Klugheit in's Verderben geſtürzt worden; der eine, mit den Franken in Gallien eingewandert, iſt zum Fuchs(fr. rénard) geworden und als Reineke wieder heimgekehrt, der andere iſt in Italien zum Räuberhauptmann Rinaldo Rinaldini geworden. Ein beſſeres Schickſal haben zwei ſchlichte Burſche ehabt, Michel und Rörich, beide durch die Völker⸗ wanderung nach Spanien verſchlagen, ſind dort baroniſirt worden und ſtolziren nun umher als Don Miguel und Don Rodrigo, der letztere iſt ſelbſt als Rurik Stifter des ruſſiſchen Reiches geworden. Am auffallendſten treten die Abenteuer der deutſchen Eigennamen in den Zügen der Normannen und Kreuzfahrer hervor. Rudbert Witz⸗ hart(Hrodebert: gloria illustris, Witzhart ingenio pollens) wird in Unteritalien


