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die mit dem Blute der Völker gefärbten Schlachtfelder. Man kann wohl ſtolz ſein auf die Triumpfe des Vaterlandes; aber während man mit Bewunderung die Trophäen der heimkehrenden Krieger betrachtet, wird unſer Herz mit Wehmuth erfüllt beim Anblick der Blutſpuren, die den Glanz des größten Siegers verdunkeln, wenn man ſich nach den Urſachen und Folgen mancher Kriege fragt.
Betrachten wir nun, nachdem wir die Art und Weiſe unterſucht haben, wie Rouſſeau das Alterthum nachgeahmt hat, den Dichter noch in dem Ausdruck und der Schilderung von Ereig⸗ niſſen ſeiner Zeit.
Zur Zeit, als Rouſſeau wegen der Anklage, ehrenrührige Verſe verfaßt zu haben, als Ver⸗ bannter im Auslande lebte, erfüllte die Seele des Dichters ein Gegenſtand, welcher der Beachtung und Sympathie Aller würdig war. Morea und Venedig waren bedroht, eine Beute der Türken zu werden. Beſonders bildete Venedig mit ſeinen Inſeln und Beſitzungen, die ſich vom adria⸗ tiſchen Meere bis nach Cypern ausdehnten, gegen den Einfall der Türken eine Vertheidigungslinie, die für das ganze weſtliche Europa von größter Wichtigkeit war. Aber jeden Tag durchbrachen die Türken einen Theil dieſer Schutzmauer. Dies waren die Umſtände, unter denen Rouſſeau eine Ode an die chriſtlichen Fürſten richtete, um ſie zu veranlaſſen, ihre eignen Streitigkeiten zu vergeſſen und Venedig zur Hilfe zu eilen. Was finden wir aber in ihr? Im Anfang eine lange geſchichtliche Abſchweifung über die Eroberungen der Türken, ſowie über die Kreuzzüge; dann eine ſchwulſtige Ermahnung an die Fürſten, hier und da auch ſchöne poetiſche Figuren, jedoch mehr nach den Regeln der Rhetorik, als aus der Lebhaftigkeit der Empfindung entſtanden; im Ganzen aber nichts Aufregendes, nichts Begeiſterndes, nichts, was als ein Aufruf hätte Wiederhall finden können. Welch einen anderen Klang und Wiederhall haben dagegen die Lieder der neueren Dichter Deutſchlands gefunden, die gegen die Bedrückung der Fremdherrſchaft gerichtet waren! Allerdings waren zur Zeit Rouſſeau's die Ideen für Freiheit und Nationalität nicht ſo verbreitet, wie heute, und die Vorſtellung von der lyriſchen Poeſie war eine falſche; aber grade das iſt die Sache des Genies, daß es den Weg bahnt, den die künftigen Geſchlechter begehen ſollen. War aber der Auf⸗ ruf Rouſſeau's zu den Waffen ſchon ein kalter, ſo war die Beſchreibung des Kampfes, der Sieges⸗ geſang noch ſchwächer. Zu der Zeit, als ſich Rouſſeau in Wien aufhielt, hatten an den Ufern der Donau, bei Belgrad, wichtige Ereigniſſe ſtattgefunden; 40,000 Oeſtreicher hatten 200,000 Türken geſchlagen. Dieſer Sieg war der Triumpf der Civiliſation über den Barbarismus, des
Rouſſeau dafür in Buch II. Ode I.: Les rois sont les maitres du monde; Les Dieux sont les maitres des rois. Horaz Epode II.: Beatus ille, qui procul negotiis, Ut prisca gens mortalium, Paterna rura bobus exercet suis, etc. Rouſſeau Buch II. Ode III.: Trop heureux qui, du champ par ses pères laissé Peut parcourir au loin les limites antiques, Sans redouter les cris de l'orphelin chassé Du sein de ses Dieux domestiques!


