8 Kein günſtigeres Urtheil läßt ſich über die Oden fällen, in denen Rouſſeau nach Horaz ſich
gebildet zu haben behauptet, wie dieſer ſich die griechiſchen Lyriker zum Muſter genommen hatte, indem er nicht einmal, wie der lateiniſche Dichter, den Mangel an Begeiſterung durch einen reinen und ernſten Geſchmack, durch die Sorgfalt und das Glück im Ausdruck erſetzt 14). Indeſſen drückt er doch ein Gefühl aus, das der Erwähnung verdient, und dies iſt ſeine Liebe für den Frieden, ſein Abſcheu vor dem Kriege, vor dem durch den Ehrgeiz der Eroberer vergoſſenen Blute. Dieſer Gedanke, den die Dichter, Redner und Philoſophen unſers Jahrhunderts ſo vielfältig be⸗ handelt haben, erhält namentlich in ſeiner Ode„à la fortune“ Ausdruck. Wenn der Dichter z. B. ſagt:.
Quoi! Rome et PItalie en cendre
Me feront honorer Sylla?
J'admirerai dans Alexandre
Ce que j'abhorre en Attila?
Jappellerai vertu guerriere
Une vaillance meurtrière
Qui dans mon sang trempe ses mains?
Et je pourrai forcer ma bouche
A louer un héros farouche,
Né pour le malheur des humains?
Quels traits me présentent vos fastes. Impitoyables conquérants?
Des voeux outrés, des projets vastes, Des rois vaincus par des tyrans,
Des murs, que la flamme ravage, Des vainqueurs fumant de carnage, Un peuple au fer abandonné,
Des meres pales et sanglantes, Arrachant leurs filles tremblantes Des bras d'un soldat effréné.
Juges insensés que nous sommes, Nous admirons de tels exploits! Est-ce donc le malheur des hommes Qui fait la vertu des grands rois? Leur gloire féconde en ruines,
Sans le meurtre et sans les rapines Ne saurait-elle subsister?
Images des Dieux sur la terre, Est-ce par des coups de tonnerre Que leur grandeur doit éclater?
ſo fühlt man aus dieſen Verſen den Unwillen des Denkers und Dichters gegen den Krieg, gegen
¹³) Selbſt in der ſtrengen Nachahmung ſeines Vorbildes bleibt er weit hinter demſelben zurück. Zum Vergleiche hier nur einige Beiſpiele. Horaz ſagt Buch III. Ode I.: Regum timendorum in proprios greges, Reges in ipsos imperium est Jovis.


