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innerſten Eigenthnm zu machen; ſein Stil iſt mit Blumen durchwoben, die unter einem fremden Himmel ihren Glanz verloren haben.
Wenn Rouſſeau ſich wegen des Ausdrucks für moraliſche und religiöſe Ideen nach Judüa gewandt hat, ſo hat er dagegen, um ſeine Gegenſtände leichter und gefälliger darzuſtellen, in andern Dingen den Malern Griechenlands ſeine Farben zu entlehnen geſucht. Aber in den griechiſchen Werken, in denen der Literatur ſowohl, als auch der ſchönen Künſte, findet ſich eine Einfach⸗ heit, Anmuth und Feinheit, die vielleicht ſchwieriger zu erfaſſen iſt, als Pracht und Energie im Ausdruck; und man kann Griechenland die Sagen ſeiner Mythologie, die Gedanken ſeiner Schriftſteller, die Formen und die Haltung ſeiner Statuen, den Gegenſtand ſeiner Gemälde entlehnen; jedoch nur der, welcher wirklich im Beſitz der Anmuth iſt, wird ſie auch aus jenen Werken reproduciren können. Und das war bei Rouſſeau nicht der Fall. In ſeinen Cantaten hat er die Hauptſache der mythologiſchen Sagen zwar mit Genauigkeit und Ueberein⸗ ſtimmung wiedergegeben, allein unter ſeiner Feder ſind das Naive, Anmuthige und Einfache, wie wir es in den Darſtellungen der griechiſchen Dichter finden, verſchwunden ¹²); an die Stelle dieſer Eigenſchaften, die uns ſo ſehr entzücken, hat er gerade, was ihnen am meiſten entgegen gſſetzt iſt, die Fadheit moderner Galanterie geſetzt ¹3).
Dagegen haben es im Jahrhundert Rouſſeau's andere Dichter verſtanden, das Herrliche aus den helleniſchen Werken in den ihrigen wiederzugeben; ſie haben dadurch das Alterthum herauf⸗ beſchworen, und unter ihrem magiſchen Pinſel iſt es, von Jugend und Unſterblichkeit ſtrahlend, wieder⸗ erſchienen. So kommen auf die Stimme Fenelons die Dryaden wieder aus den hohlen Stämmen alter Eichen hervor, die Najaden beginnen wieder ihre luſtigen Spiele unter den Gebüſchen; Diana verläßt wieder ihre Inſel und durcheilt mit Bogen und Pfeilen die Wälder. Der chriſtliche An⸗ ſtand hat dabei die allzu üppige Darſtellung des Alterthums gemildert und ſo das Schöne noch verſchönert. Wenn man nun aber auch geſtehen muß, daß es Rouſſeau an dieſer antiken Anmuth und Einfachheit fehlt, ſo muß ihm doch hinwiederum die Eleganz und der melodiſche Rhythmus des Stiles zuerkannt werden, Eigenſchaften, die man beſonders in ſeinen Cantaten gelobt hat, und ſogar Jean Jacques Rouſſeau begeiſtert haben, deſſen Proſa ſo oft der Poeſie nahe kommt. Ob dieſelben aber etwas mehr ſind, als eine künſtliche Zuſammenſtellung von Worten, deren Eindruck, nachdem ſie einer Zeit zum Vergnügen gedient haben, wieder verſchwindet, iſt eine andere Frage, die man verneinen muß.—
¹²) La Harpe dagegen behauptet in ſeiner Literaturgeſchichte in Betreff dieſer Cantaten: C'est là qu'il parait avoir eu plus de souplesse et de flexibilité: il sait choisir ses sujets, les diversi- fier et les remplir. Ce sont des morceaux peu étendus, mais finis. ¹3) So ſagt Jupiter in der 19. Cantate zur Europa: Rendez le calme, Europe, à votre àme étonnée. Oui, le maitre des dieux vient s'offrir à vos fers: De vous seule aujourd'hui dépend la destinée Du dieu de qui dépend celle de l'univers. Partagez les feux et la gloirre D'un coeur charmé de vos beautés. Que le dieu que vous soumettez Applaudisse à votre victoire.


