Aufsatz 
Öffentliche Mitteilung über die gegenwärtige Einrichtung der Elementar- und Mittelschulen der Stadt Wiesbaden
Entstehung
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Die gegenwärtige Organiſation des ſtädtiſchen Schulweſens.

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Mit dem Jahre 1858 trat eine neue vollſtändige Reorganiſation des ſtädtiſchen Schul⸗ weſens in das Leben, welche ſich nach einer nunmehr achtjährigen Erfahrung als durchaus zweck⸗ mäßig erprobt hat. Das Verdienſt derſelben gebührt dem dermaligen Schulreferenten Herrn Geheime Regierungsrath Dr. Firnhaber, der bereits im November 1857 über die Noth⸗ wendigkeit und Art und Weiſe der Umgeſtaltung der ſtädtiſchen Schulen einen Vortrag bei Herzoglicher Landesregierung erſtattete, welcher alsdann abſchriftlich der Schulcommiſſion und dem Gemeinderathe mitgetheilt wurde und in allen weſentlichen Punkten volle Zuſtimmung fand. Wir entnehmen dieſem Vortrage zunächſt die Motive, auf welche ſich der Antrag zur Reorga⸗ niſation ſtützt:

In Erwägung, daß die jetzt thatſächlich beſtehende Einrichtung der Abthei⸗ lung J. weder der auf hohe Miniſterialreſolution durch Unſer Reſcript vom 16. September 1843 verordneten, noch dem wahren Bildungsbedürfniß einer großen Zahl von Schülern in derſelben entſprechend genannt werden kann, daß ſeitdem die Ab⸗ theilung I. ihren Schülern den Unterricht in gleicher Ausdehnung vermittelt, wie die Abtheilung II., ſomit das für die letztere angeſetzte erhöhte Schulgeld von 4 fl. jeder Begründung entbehrt;

in der weiteren Erwägung, daß bei der conſequenten Durchführung der jetzt thatſächlich beſtehenden Organiſation der Elementarſchulen in Abtheilung I. und II. der Mangel an Schulräumen bei der ſich jährlich ſteigernden Frequenz der ſchul⸗ pflichtigen Kinder, die in den letzten 15 Jahren von 1503 auf 1968 geſtiegen iſt, ſich alſo faſt um ein Viertheil vermehrt hat, ſich bald noch fühlbarer machen wird, als bisher, wo ſchon ganz gegen die urſprüngliche Abſicht die für Lehrerwohnungen beſtimmten Räume haben umgewandelt werden müſſen, daß ferner die höhere Töch⸗ terſchule und die höhere Bürgerſchule die Erbauung, reſp. Erweiterung ihrer Schul⸗ locale verlangen;

in endlicher Erwägung, daß die nicht zu umgehende Aufbeſſerung der Lehrer⸗ gehalte es dringend erheiſcht, auf Erſparniſſe zu ſinnen, dieſe aber nur bei einer wohldurchdachten und durchgeführten Reorganiſation des hieſigen ſtädtiſchen Schul⸗ weſens ermöglicht werden, ſind die Zuſtände des hieſigen ſtädtiſchen Schulweſens, die Aufgabe und das Ziel desſelben, die Mittel, welche dazu führen können, bei möglichſter Schonung der Stadtkaſſe, das hieſige Schulweſen dem durch die Zeit verlangten Organismus entgegenzuführen, einer eingehenden Erwägung unterzogen worden.

Als Reſultat dieſer Erwägung ergaben ſich nach dem erwähnten Vortrage folgende Punkte:

1) Der Grundſatz, daß das Elementarſchulweſen das vorhandene Bildungsbedürfniß der Schulgemeinde ins Auge zu faſſen, nicht alſo in nivellirender Weiſe allen Kindern aller Eltern einen und denſelben Unterricht in gleicher Ausdehnung zu geben habe.