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tember 1843. Auf Antrag des damaligen Schulreferenten, Hrn. Regierungsrath Dr. Seebode, der 1841 mit der Leitung der Naſſ. Schulangelegenheiten betraut worden war, wurde von Herzoglicher Landesregierung verfügt, daß die Elementarſchulen in Wiesbaden in 3 Abtheilungen zerfallen und an denſelben 4 Oberlehrer, 1 an der 1., 2 an der 2., 1 an der 3. Abtheilung angeſtellt werden ſollten.*)
Die 1. Abtheilung behielt den bisherigen Lehrplan der Elementarſchule unverändert bei. Das Schulgeld betrug 1 fl.
Die 2. Abtheilung ſollte außer in den Elementarfächern einen ausgedehnteren Unter⸗ richt in Naturkunde, Erdbeſchreibung und Geſchichte erhalten; ferner wurde für die Knaben Zeichnen und Geometrie, für die Mädchen Zeichnen, facultativ franzöſiſche Sprache als Lehr⸗ gegenſtände eingeführt. Das jährliche Schulgeld wurde auf 4 fl. feſtgeſetzt, ausſchließlich eines weiteren Beitrags von 4 fl. für den franzöſiſchen Sprachunterricht.
Die 3. Abtheilung ſollte eine Vorbereitungsſchule für das Pädagogium und die Realſchule ſein und blos Schüler vom 6. bis 10. Lebensjahre umfaſſen. Außer den Elementarfächern ſollte in ihr auch noch Franzöſiſch und Zeichnen gelehrt werden. Schulgeld 20 fl.
Nach der erfolgten neuen Eintheilung umfaßte die
1. Abtheilung: 5 Knaben⸗ und 6 Mädchenklaſſen mit 996 Schülern,
2. Abtheilung: 2 Knaben⸗ und 2 Mädchenklaſſen und 1 gemiſchte Klaſſe mit circa 400 Schülern, 4
3. Abtheilung: 3 Knabenklaſſen mit ungefähr 60 Schülern.
Um dieſen Schulen die nothwendigen Räumlichkeiten zu verſchaffen, wurde am 27. Juli 1843 der Grundſtein zu einem zweiten Schulgebäude(auf dem Berge, jetzt Lehrſtraße) gelegt, dasſelbe am 28. October 1844 eingeweiht und der 1. Abtheilung zugewieſen.
Die 2. Abtheilung verblieb in dem unteren Stockwerke der Schule auf dem Markt⸗ platze. Die 3. Abtheilung fand ihre Unterkunft zunächſt in dem Schirmer'ſchen Hinterhauſe (Bahnhofſtraße), dann in dem Münzgebäude am Louiſenplatze, mußte von da in ein der Do⸗ mäne gehöriges Haus am Manttblate(jetzt weites Pfarrhaus) und endlich in das Acciſeamt⸗ haus wandern.
Im Jahre 1856 wurde das ſtädtiſche Schulweſen einer abermaligen Reorganiſation unter⸗ worfen.„Da ſich die bisherige Einrichtung der Aufſichtsbehörde als nicht mehr ausreichend er⸗ wieſen hatte,“ ſo wurde beſtimmt, daß für jede der drei Abtheilungen der Elementarſchule, ſowie für die höhere Bürgerſchule und die höhere Töchterſchule ein beſonderer Schulvorſtand errichtet werden ſolle. Derſelbe ſollte beſtehen:
a. aus einem Geiſtlichen, b. dem Bürgermeiſter oder einem dazu deputirten Stellvertreter, c. dem oder den Oberlehrern der betreffenden Schule als ſtändigen Mitgliedern, und d. aus drei durch die ſtändigen Mitglieder aus dem Gemeinderathe, Feldgerichte oder der betreffenden Schulgemeinde erwählten und vom Schulinſpector beſtätigten Fa⸗ milienvätern. 3
*) Gleichzeitig wurde die Realſchule um zwei Klaſſen vermehrt und ſomit auf fünf Klaſſen erweitert.


