Aufsatz 
Öffentliche Mitteilung über die gegenwärtige Einrichtung der Elementar- und Mittelschulen der Stadt Wiesbaden
Entstehung
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Im Jahre 1806 wurde die lateiniſche Schule mit der Privattöchterſchule, welche einige Jahre zuvor der Rector Schellenberg und die Lehrer G. Ph. Hildebrand und J. Kunz gegründet hatten, vereinigt und unter dem Namen Friedrichsſchule von Sr. Durchlaucht dem Herzog Auguſt Friedrich zu einer höheren Lehranſtalt erhoben. Das Lehrerperſonal beſtand von da an aus 1 Rector, 1 Conrector, 1 franzöſiſchen Sprachlehrer, 1 Schreib⸗, 1 Ge⸗ ſang⸗ und 1 Zeichenlehrer.

Im Jahre 1817 wurde die lateiniſche Abtheilung der Friedrichsſchule zu einem Pädagogium und dieſes 1844 zu einem Gymnaſium erweitert. 4

(Ueber die Geſchichte und Organiſation dieſer Anſtalt geben die Programme von 1817 an die nöthige Auskunft.)

Die Umgeſtaltung der lateiniſchen Schule und die wachſende Schülerzahl machte es noth⸗ wendig, daß im Jahre 1806 auf das Schulgebäude an der Hauptkirche noch 1 Stockwerk auf⸗ geſetzt wurde, welches die Unterrichtsräume für die Knaben der Friedrichsſchule und eine Wohnung für den Conrector enthielt; die Töchterſchule und die übrigen Claſſen der Stadtſchule wurden im unteren Stockwerke untergebracht.

Bald reichten jedoch auch dieſe erweiterten Schullocalitäten für das Bedürfniß nicht mehr aus. Deßhalb entſchloß ſich die Stadt im Jahre 1816/17, ein neues geräumiges Schulhaus an dem Marktplatze zu erbauen, welches am 5. November 1817 feierlich eingeweiht und am folgenden Tage von ſämmtlichen Schülern der Stadt bezogen wurde Der obere Stock wurde dem Pädagogium zugewieſen, mit Ausnahme des Schulſaales, welcher zur gemeinſchaftlichen Be⸗ nutzung verblieb. Der untere Stock enthielt die Elementarſchule in 6 nach den Geſchlechtern getrennten Klaſſen unter 6 Lehrern.

Das in der Geſchichte des Naſſ. Schulweſens epochemachende Cdict über die Schulorgani⸗ ſation vom Jahre 1817 berührte die ſtädtiſchen Schulen nur inſofern, als der Lehrplan gemäß den Beſtimmungen dieſes Edicts umgeſtaltet reſp. erweitert, ein ausgedehnterer Induſtrieunter⸗ richt für die Mädchen eingeführt, und für Lehrlinge und Geſellen eine Sonntagszeichenſchule gegründet wurde.

Die Zahl der an der Elementarſchule angeſtellten Lehrer ſteigerte ſich mit der wachſenden Schülerzahl im Verlaufe der Zeit bis zum Jahre 1843 von 6 auf 14. Die Beſoldungen wurden auf feſte Bezüge in Geld regulirt, die ſich zwiſchen 180 500 fl. bewegten. Die Na⸗ turalien kamen leider in Wegfall.

Im October des Jahres 1831 wurde das Pädagogium in das neue zu dieſem Zwecke errichtete Gebäude an dem Louiſenplatze verlegt und der dadurch gewonnene Raum den bisher auswärts eingemietheten Elementarſchulklaſſen, welche man in dem unteren Stocke nicht mehr hatte unterbringen können, zugewieſen.*)

Im Auguſt 1835 wurde einem ſehr dringend gewordenen Bedürfniſſe durch Gründung einer ſ. g. Kleinkinderſchule abgeholfen und ein ſtädtiſcher Elementarlehrer beauftragt, täglich 1 Stunde Unterricht in derſelben zu ertheilen.

Eine tiefeingreifende Umgeſtaltung erhielt das Schulweſen der Stadt Wiesbaden im Sep⸗

*) Die übrigen Localitäten wurden ſpäter der Realſchule eingeräumt.