Rufgaben, Methode und Jedürfuiſſe
unſeres
Unterrichts in der Chemie.
Von Reallehrer Dr. Diehl.
Die Abhandlungen, welche in den letzten Jahren den Jahresberichten unſerer Anſtalt beigelegt wurden, hatten ſämmtlich den Zweck, das Publikum, deſſen Intereſſen unſere Schule dient, mit den Zwecken und dem Wirken unſerer Schule eingehender bekannt zu machen, als dies durch die Veröffentlichung bloßer Schulnachrichten geſchehen kann. In dieſem Sinne ſprechen auch dieſe Blätter zu denen, welche unſerer Schule nahe ſtehen und für dieſelbe zu wirken Beruf und Geſchick, Neigung und guten Willen haben. Das Ziel klar zu ſtellen, welches ſich unſer Unterricht in der Chemie geſteckt, und den Weg zu zeichnen, den wir einſchlagen, iſt der Zweck dieſer Arbeit. Dabei ſollen jedoch auch die Mängel, die uns drückend ſind, mit Offenheit beſprochen werden.
Die Chemie iſt ohne Zweifel derjenige Unterrichtsgegenſtand, der in unſeren Realſchulen am ver⸗ ſchiedenartigſten behandelt wird. So haben, um nur die zunächſt in die Augen fallenden Unterſchiede anzuführen, einige Schulen gut eingerichtete Laboratorien, während in anderen nur die nöthigſten Verſuche im Schulzimmer angeſtellt werden können. In einer Realſchule wird die anorganiſche Chemie in kurzer Zeit nur knapp durchgegangen; in einer anderen machen die Schüler noch weite Ausflüge in das Bereich des organiſchen Theils. Muß nun tootz dieſer verſchiedenen Behandlungsweiſe zugeſtanden werden, daß man im Allgemeinen beſtrebt iſt, der Chemie— nach Zeit und Mitteln— die Stellung in unſern Schulen einzuräumen, die ſie verdient: ſie mit gleicher Wichtigkeit zu behandeln, wie ihre Schweſterwiſſenſchaft, die Phyſik, ſo kann doch nicht geläugnet werden, daß der chemiſche Unterricht bis jetzt ſeine Aufgabe nur unvollkommen löst. Dieſe Thatſache muß ſich Jedem aufdrängen, der den Unterricht in der Chemie mit dem in anderen Fächern vergleicht.
Ganz abgeſehen von den humaniſtiſchen Disciplinen, die ſeit ſo langer Zeit vortrefflich organiſirt


