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Seit Einſührung des Sadebaumes, Juniperus Sabina, auf der Inſel Seeland trat daſelbſt der Birnroſt in immer größerer Ausdehnung auf. Die Blätter werden in der zweiten Hälfte des Juli gelb⸗ oder rothfleckig, auf der Oberſeite zeigen ſich einige intenſiver gefärbte Punkte. Dieſe ſind die Spermo⸗ gonien, aus welchen ſich ſpäter die Spermatien entleeren. Bald nachher bemerkt man eine Anſchwellung des Blattes und in demſelben eine ſehr bedeutende Stärkeablagerung, während das Blattgrün verſchwindet. Später zeigt ſich im Mycelium die Anlage der Fruchtbecher, die beim Vergrößern endlich die Epidermis des Blattes durchbrechen und als weiße oder blaßgelbe Kegel hervorragen.
Die Birnbäume werden weniger durch das Erkranken der Blätter geſchädigt, als durch das Ver⸗ derben der Früchte, wenn dieſe von Gitterroſte heimgeſucht werden. Es ſind daher im April die leicht an ihrer Farbe kenntlichen Teleutoſporenlager des Wachholders aufzuſuchen und zu vernichten.
2. G. clavariaeforme. Oerstedt. Apfelroſt.
Die Teleutoſporen brechen von Mitte April an aus der Rinde der Wachholderzweige(Juniperus communis) in hellgelben, mehr knorpeligen als gallertartigen Haufen. Im Mai entwickeln ſich die Sporidien, welche zu ihrer Keimung verſchiedene Pomaceen gebrauchen. Man findet die früher als Roestelia peni- cillata angeführten Aecidien auf dem Apfelbaum, der Mispel, dem Weißdorn, der Mehlbeere und der Zwergmispel. Jedoch kommen die Becherfrüchte ſeltener auf den Blättern der genannten Pomaceen vor, häufiger dagegen auf den Blüthenſtielen und Früchten.
3. G. conicum. Oerstedt. Cbereſchenroſt.
Die Teleutoſporen werden gleichfalls auf Juniperus communis entwickelt und zwar wie diejenigen der vorigen Art von Mitte April an. Nach Decandolle und Chevallier ſollen dieſelben auch auf Juni- perus Sabina vorkommen. Sie brechen als halbkugelige oder kegelförmig gewölbte goldgelbe bis gelbbraune Gallertklumpen aus der Rinde angeſchwollener Zweige oder aus der Epidermis der Blätter hervor. Die Sporidien keimen nur auf der Ebereſche(Sorbus aucuparia), der Elsbeere(S. torminalis) und der Felſen⸗
mispel(Amelanchier vulgaris). Die ſich entwickelnden Roſtbecherchen galten früher als Roestelia cornuta.
V. Aecidium Persoon(Peridermium Link).
Die Sporen ſchnüren ſich kettenförmig in einer blaſen⸗, becher⸗ oder ſchlauchförmigen Hülle(Peridie) ab. Sie ſind meiſt orangeroth und von Spermogonien begleitet.
1. Aecidium elatinum(Albertini und Schweinitz. ¹) (Peridermium elatinum Tulasne).
Dieſer Pilz kommt auf Pinus Abies Duroy ſtellenweiſe in Deutſchland von April bis Juni vor und beſonders in den ausgedehnten Tannenbeſtänden des Schwarzwaldes. Er iſt einmal die Urſache der Hexenbeſen, dann einer eigenthümlichen Entartung oder Erkrankung, welche von den Forſtleuten Krebs oder Rindenkrebs genannt wird.
Wie de Bary angibt, entwickelt ſich das Mycelium zuerſt in ſonſt normalen und geſunden Theilen des Stammes und der Aeſte. Man findet das Parenchym der Rinde von zahlreichen Pilzfäden durch⸗ wuchert und von hier laſſen ſie ſich leicht in die innerſte Lage der Baſtſchicht und in das Cambium, bis zum Umfange des Holzkörpers, ja ſelbſt bis in die Markſtrahlen verfolgen.
Die reich veräſtelten, manchmal Hförmig verbundenen Pilzfäden zeigen eine farbloſe, derbe Membran und einen ungefärbten Protoplasmainhalt. Bemerkenswerth iſt die Verbreitung ihrer Zweige. Während ein großer Theil ſich zwiſchen den Zellen des Rindengewebes verbreitet, durchbohren auch viele Aeſtchen die Häute der Parenchym⸗ und weichen Baſtzellen und treten in dieſe ein. Demnach gleichen dieſe kurzen, keulenförmigen Aeſtchen den bei Cystopus und Peronospora beobachteten Hauſtorien.
¹) Botaniſche Zeitung, 1867. R. Hartig, Wichtige Krankheiten der Waldbäume.


