Aufsatz 
Ueber einige Rostpilze und die durch sie verursachten Pflanzenkrankheiten / von Karl Diehl
Entstehung
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Das Mycelium perennirt ſowohl im Stamme, wie in den Zweigen und kann ein Alter von 50 bis 60 Jahren erreichen. Die oben erwähnten Mißbildungen zeigen ſich nur in denjenigen Theilen, wo das Mycelium verbreitet iſt.

Der Krebs iſt nichts anderes, als eine ſtarke Anſchwellung irgend einer Stelle des Stammes, indem derſelbe hier die 2 fache Dicke erreicht. Meiſt gehen dieſe Auſchwellungen rings um den Stamm,, daher erſcheint der Geſammtumriß kurz tonnenförmig. Die Verdickung erſtreckt ſich auch auf die Rinde, welche tiefriſſig geborſten iſt und früher oder ſpäter losbröckelt. Hierdurch iſt das Holz den Einwirkungen der Luft ausgeſetzt, es wird an dieſen Stellen morſch und faul und bricht leicht. Man darf wohl behaupten, daß des Windbruches in Weißtannenwäldern die vom Krebs heimgeſuchten Stämme trifft.

Fortpflanzungsorgane ſind an dem Mycelium, welches in den angeſchwollenen Stellen verbreitet iſt, nirgends zu finden.

An jüngeren Stämmen bemerkt man zuweilen eine Krebsgeſchwulſt, aus welcher ein ſogenannter Hexenbeſen hervorwächſt. Das iſt ein verunſtalteter Zweig, in deſſen Rinde das Mycelium perennirt.

Entwickeln ſich nämlich an einer Geſchwulſt junge Triebe, ſo wächſt das Mycelium in dieſe hinein und in Folge davon erhalten dieſelben die eigenthümliche Geſtalt und Structur der Hexenbeſen. Ein ſolcher Beſen ſitzt auf der Tanne wie ein aufrechter Buſch von fremdartigem Anſehen, iſt im Winter kahl, im Sommer an den Spitzen hellgrün. Tritt aus einer Geſchwulſt nur ein Beſen hervor, ſo hat dieſer ganz das Anſehen eines kleinen Tannenbaumes; entſpringen mehrere Beſen aus einer Geſchwulſt, ſo erſcheint der Beſen als ein wirrer Strauch.

Die Nadeln der Beſen unterſcheiden ſich von denjenigen der normalen Aeſte durch ihre beträcht⸗ liche Kürze, geringere Breite, ſowie ihre krautartige fleiſchige Beſchaffenheit und ihre helle gelblichgrüne Färbung. Im Spätherbſte fallen ſie ab, aber die Büſchel verjüngen ſich immer wieder in derſelben Weiſe, weil auch hier das Mycelium, wie in den Geſchwülſten, ausdauernd iſt. Daſſelbe durchwuchert die Beſen, überdauert lebenskräftig den Winter und tritt aus der Rinde in die hellgrünen hinfälligen Nadeln. In ihrem Parenchym entwickelt es die Fortpflanzungsorgane. Zuweilen erſcheinen ſchon vor der vollſtändigen Entfaltung der Nadeln die Spermogonien; ſpäter die Aecidien, die auf der unteren Blattfläche zu beiden Seiten des Mittelnerven eine regelmäßige Reihe bilden. Die in ihnen enthaltenen Sporen ſind meiſt oval oder länglich und beſitzen ein farbloſes Epiſporium, deſſen Oberfläche dicht warzig punktirt iſt. Im Innern der Sporen nimmt man zahlreiche orangerothe Fetttröpfchen wahr.

Mit der Reife ſind die Sporen keimfähig und treiben auf einem feuchten Nährboden einen ſchlanken Keimſchlauch, der ſich bald durch reiche Veräſtelungen auszeichnet. Ein Eindringen dieſer Schläuche in Spaltöffnungen der Nadeln oder Zweige wurde bis jetzt nicht beobachtet.

Alle Aecidien, deren Sporen, wie diejenigen von Aecidium elatinum, Keimſchläuche treiben, ge⸗ hören zum Formenkreiſe eines autöciſchen oder heteröciſchen Pilzes. Die Keimſchläuche treten in Spalt⸗ öffnungen geeigneter Nährpflanzen, um hier zuuächſt Uredolager, dann Teleutoſporenlager oder letztere allein zu bilden.

Da nun auf der Weißtanne keine der erwähnten Sporenlager vorkommen, ſo muß man vorläufig annehmen, daß der in Rede ſtehende Pilz die Aecidiengeneration einer heteröciſchen Art iſt. Auf welcher Nährpflanze die Entwicklung des Pilzes fortgeſetzt wird, iſt bis jetzt noch nicht feſtgeſtellt.

2) Aecidium Pini Persoon. (Peridermium Pini Lévcillé.)

Dieſe Art tritt in zwei Formen auf:) Aec. Pini acicolum, auf den Nadeln der Kiefern vor⸗ kommend. 9) Aec. Pini corticulum, geſellig auf der Rinde größerer oder kleinerer Kiefernzweige auftretend.

Die rindenbewohnende Form iſt beſonders an jüngeren Zweigen ſehr ſchädlich, indem durch die zahlreich hervorbrechenden großen Peridien die Rinde verletzt wird.