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ſuchen, die man damit anſtellte, keimten ſie nicht eher, als bis dieſe Bedeckung entfernt war. Es blieb ihnen die Keimfähigkeit während des ganzen Sommers. Wenn nun an den vorjährigen todten Gras⸗ halmen die Epidermis, welche reife Teleutoſporen bedeckte, langſam verwitterte, hier früher, dort ſpäter, wurden zu verſchiedenen Zeiten Teleutoſporen freigelegt und erlangten damit die Möglichkeit zur Keimung.
4) Puccinia Helianthi Schweinitz. Sonnenblumenroſt. ¹)
Die Teleutoſporen ſtimmen in ihrem Bau vollkommen mit denjenigen der übrigen Puccinienarten überein. Der fadenförmige Stiel iſt ziemlich lang, farblos und trägt die zweizellige, in der Mitte etwas eingeſchnürte Spore, welche elliptiſch⸗länglich, häufig etwas kolbenförmig iſt. Jede Sporenzelle hat ein dickeres Epiſporium, aus zwei Schichten beſtehend, von denen die innere gewöhnlich dunkler gefärbt iſt, ſowie ein farbloſes dünnes Endoſporium. Die beiden Zellen können nur durch Einwirkung ſtarker Schwefel⸗ ſäure von einander getrennt werden, wobei die äußere Schicht des Epiſporiums ihre Farbe verliert.
Die Teleutoſporen ſitzen ſehr feſt an ihren Stielen und bleiben beim Abfallen von der Nähr⸗ pflanze mit ihnen vereinigt. Im Herbſte iſt die Vegetation der Puccinia Helianthi mit der Entwicklung der Teleutoſporen beendigt, welche wie die gleichnamigen Sporen anderer Uredineen einer Ruhezeit bedürfen. An Blättern und Stengeln der Sonnenblume bleiben die Sporen während des Winters unter dem Schnee, und erſt mit dem Frühlingsanfang bemerkt man ihre Keimung. Es bildet ſich ein farbloſes oder mit ſchwach röthlich gefärbtem Protoplasma verſehenes Promycelium. Die von dieſem erzeugten Sporidien können wieder auf der nämlichen Nährpflanze keimen, es entwickeln ſich Spermogonien und Aecidien. Die Sporen der letzteren ſind abgerundet oder polyedriſch, ſelten oval. Die farbloſe Zellenhaut iſt faſt überall mit kleinen Spitzchen beſetzt. Das Protoplasma iſt lebhaft orangeroth und ſchließt gewöhnlich mehrere Vacuolen ein. Das bei der Keimung der Aecidienſporen entwickelte Mycelium erzeugt endlich Uredoſporen von rundlicher Geſtalt. Das Epiſporium iſt zimmtbraun, mit kleinen Zacken bedeckt; das dünne farbloſe Endoſporium iſt vollkommen glatt. Auf der Zellenhaut ſieht man 2, ſelten 3 Keimporen, während bei anderen Arten 4 vorhanden ſind.
Wie Woronin nachwies, rührt die ſeit 1866 ſtark auftretende Krankheit der Sonnenblume von Puccinia Helianthi her.
Im ſüdlichen Rußland werden verſchiedene Arten der Sonnenblume angebaut. Die Samen dienen entweder zur Oelgewinnung, oder werden als Nahrungsmittel verwendet. In den Jahren 1867 und 1868 wurden die Klagen über Mißernten immer häufiger, und man war genöthigt, den Ertrag ganzer Felder wegzuwerfen. Stellenweiſe mußte der Anbau ganz aufgegeben werden.
Anfangs ſuchte man die Urſache der Krankheit in einer übermäßigen Erſchöpfung des Bodens. Michaelow ſchrieb die Epidemie dem Auftreten eines Pilzes zu und ſchlug als Gegenmittel das Einbeizen der Samen mit Lauge oder Kalkwaſſer vor.
Eine gründliche Unterſuchung der in Rede ſtehenden Krankheit unternahm Woronin. Nach ſeinen Angaben zeigen ſich Anfangs Juli auf den Blättern braune Roſtflecken, zuerſt in geringer Menge, bald aber in großer Zahl und dann auf beiden Blattflächen. Auch die Stengel und die Blätter der Blumen⸗ hülle bleiben nicht verſchont. Bei frühzeitiger Anſteckung kommt der Blüthenſtand nicht zu ſeiner voll⸗ kommenen Entwickluug. Die dicht von Roſtflecken bedeckten Blätter werden bald bleich, welken, werden dann ſchwarz und vertrocknen allmählig ganz.
Am Ende des Sommers haben große Sonnenblumenpflanzungen, bei ſtarkem Auftreten des Roſtes, das Anſehen, als hätten ſie von großem Froſt oder von Hitze gelitten.
1873 gelang es Woronin, die Teleutoſporen der Puccinia Discoidearum(auf Tanacetum und Artemisia vorkommend) auf die Sonnenblume zu übertragen. Die Blätter bedeckten ſich mit Spermo⸗
¹1) Botaniſche Zeitung 1872. Sorauer, Handbuch der Pflanzenkrankheiten.


