Aufsatz 
Ueber einige Rostpilze und die durch sie verursachten Pflanzenkrankheiten / von Karl Diehl
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

de Bary ſäete nun gleichzeitig die Sporidien des Strohroſtes auf die Blätter der genannten Pflanzen. Nur auf Anchusa officinalis beobachtete man nach 48 Stunden, daß zahlreiche Keimſchläuche in's Innere der Oberhautzellen eingedrungen waren. 8 Tage nachher zeigten ſich auf den beſäeten Stellen helle weißliche Flecken, im Parenchym bemerkte man ein reich verzweigtes Mycelium. Am 13. Tage waren ſchon entwickelte Spermogonien vorhanden.

Ein ähnliches Ergebniß lieferte die von de Bary vorgenommene Ausſaat auf Blätter des Acker⸗ krummhalſes, Lycopsis arvensis. Die hier erzeugten Aecidien und Spermogonien hatten alle Eigenſchaften des ſchon früher bekannten Aecidium Asperifolii. Brachte man die glatten, orange rothen, mit 4 Keim⸗ poren verſehenen Aecidienſporen auf Roggenblätter, ſo trieben ſie Keimſchläuche, und bereits nach 68 Tagen ſah man die Entwicklung der Uredolager.

Die mitgetheilten Unterſuchungen beweiſen, daß Puccinia straminis ein heteröciſcher Paraſit iſt, und der Entwicklungsgang demjenigen von Puccinia graminis entſpricht. Nur zeigt ſich ein weſentlicher Unterſchied bezüglich des Auftretens der Aecidien beider Schmarotzer. Das Aecidium des Grasroſtes kommt nur auf einer Pflanzenart, Berberis vulgaris, zur Entwicklung, dasjenige des Strohroſtes kann jedoch auf verſchiedenen Arten, ja ſelbſt Gattungen der Asperifolien auftreten. Nach de Bary zeigt es ſich auch auf Nonea violacea; nach Rabenhorſt auf Echium vulgare.

Es ſind ſomit dieſe und die oben angeführten Asperifolien ſchädliche Unkräuter, da ſie dem für den Getreidebau nachtheiligen Strohroſte zum Ausgangspunkte dienen.

3) Puccinia coronata Corda. Kronenroſt(Fig. 10).

Die Winterſporen ſind keulenförmig, faſt ſtiellos, am Scheitel abgeflacht und mit dunkleren horn⸗ förmigen Fortſätzen verſehen. Sie bilden längliche, von der endlich zerriſſenen Epidermis nur loſe bedeckte ſchwärzliche Häufchen. Ihr Inhalt, ſowie derjenige des Promyceliums und der Sporidien iſt blaß gelb⸗ roth. Die kugeligen Sommerſporen(früher als Uredo Rubigovera D C. bezeichnet) bilden ebenfalls Roſt am Getreide, jedoch häufig nur an Hafer. Außerdem findet ſich der Kronenroſt an Holcus lanatus, Ca- lamagrostis Epigeios, Alopecurus pratensis, Festuca elatior, Lolium perenne und Bromus mollis.

Die Sporidien kommen jedoch auf den Blättern der genannten Pflanzen nicht zur Entwicklung, ſondern nach den von de Bary angeſtellten Verſuchen dringen ſie in die Epidermis von Rhamnus Fran- gula und Rh. cathartica ein und erzeugen dort Aecidien und Spermogonien.

Puccinia coronata iſt alſo wie die oben beſchriebenen Arten heteröciſch. Der Entwicklungsgang der drei Puccinien iſt für ſich betrachtet ganz der gleiche Aber bezüglich der Zeit, in welcher die Frucht⸗ formen auftreten, herrſcht zwiſchen den drei Arten eine große Verſchiedenheit, welche für den Getreidebau äußerſt wichtig iſt.

Am ſtrengſten iſt der Getreideroſt an beſtimmte Jahreszeiten gebunden. Sein Aecidium tritt im Frühjahre auf. Sobald die Blüthe des Berberitzenſtrauches vorüber iſt, findet man an demſelben keine Aecidien mehr. Die Uredo⸗ und Teleutoſporenlager entwickeln und vermehren ſich während des Sommers. Dies hört im Herbſte auf. Das Mycelium im Graſe überdauert den Winter nicht lebend. Daher beginnt im nächſten Frühjahre die Entwicklung allein mit Keimung der Teleutoſporen; denn auch das in Berberis vulgaris vorkommende Mycelium iſt nicht ausdauernd.

Beim Kronenroſte entwickeln ſich die Aecidien gleichfalls im Frühjahre. Ob die Mycelien in den Gräſern und in Rhamnus den Winter überdauern, iſt noch nicht feſtgeſtellt.

Im Gegenſatz zu dem Gras⸗ und Kronenroſte iſt der Strohroſt an keine Jahreszeit ſtreng gebunden. Nur die Teleutoſporen keimen nach der Ueberwinterung. Das grasbewohnende Mycelium bleibt den Winter über lebend in den überwinternden grünen Blättern und bildet im Frühlinge keimfähige Uredolager. Von Aecidien zeigen ſich von Frühling bis Herbſt alle Entwicklungsſtufen. Dies erklärt ſich dadurch, daß die Teleutoſporenlager auch zur Zeit der Reife von der kaum zerriſſenen Epidermis bedeckt ſind. Bei Ver⸗