Aufsatz 
Ueber einige Rostpilze und die durch sie verursachten Pflanzenkrankheiten / von Karl Diehl
Entstehung
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Somit iſt der Zuſammenhang zwiſchen dem auf Getreide und Gräſern vorkommenden Grasroſte und dem an Berberis vulgaris auftretenden Aecidium vollſtändig nachgewieſen.

Dadurch werden aber auch die Mittel bezeichnet, welche den Grasroſt, wenn auch nicht verhüten, doch in ſeiner Wirkung möglichſt ſchwächen. Zunächſt iſt die an ſich wenig nützliche Berberitze ſoviel als möglich auszurotten. Sodann ſind die Teleutoſporen des Pilzes zu vernichten. Stroh, an welchem ſich Spuren von Roſt zeigen, muß daher verbrannt werden und darf nicht zur Streu dienen, damit der Roſt nicht wieder mit dem Dung auf das Feld gelangt. Auf Getreidefeldern, wo ſich der Roſt zeigt, ſind namentlich die Stoppeln aus dem Boden zu entfernen und zu verbrennen. Denn gerade an dieſen treten die Teleutoſporen reichlich auf.

Ein weiteres Mittel iſt die Reinigung der Feldraine von den auf ihnen wild wachſenden Gräſern, beſonders von Quecken, welche faſt überall den Roſt tragen und ſo einen Anſteckungsherd für die Getreide⸗ felder bilden. Auch durch Drainirung der Felder wird dem Roſte entgegengewirkt, indem die Feuchtigkeit des Bodens die Verbreitung der Krankheit begünſtigt.

Nach den bisherigen Erfahrungen haben beſtimmte Arten und Varietäten des Getreides viel weniger vom Roſte zu leiden, als andere. Man wird daher beim Anbau dieſe widerſtandsfähigen Arten zunächſt berückſichtigen. Solche ſind z. B. der polniſche Weizen(Triticum polonicum), der Spelt(Triticum Spelta), der engliſche Weizen(Triticum turgidum) und von deſſen Spielarten beſonders der Rieſenweizen von St. Helena, der rothe ſammetartige und der Tuneſer Weizen ¹).

2) Puccinia straminis Fuckel. Strohroſt.

Die Sommerſporen ſind kugelig, während die des Grasroſtes ellipſoidiſch ſind. Die Winterſporen ſind länglich, am Scheitel abgeflacht oder zugeſpitzt, ſehr kurz geſtielt und von der unverletzten oder kaum zerriſſenen Oberhaut des befallenen Pflanzentheils bedeckt. Der Strohroſt findet ſich mit ſeinen Sommer⸗ und Winterſporen an den Blättern der Getreidearten, ſowie verſchiedener Gräſer, wie Hordeum murinum, Bromus tectorum, Calamagrostis Epigeios, mit ſeinen Aecidien und Spermogonien an den Blättern ver⸗ ſchiedener Asperifolien, wie Anchusa, Symphitum, Pulmonaria, Echium und Lycopsis. Der Pilz gehört ebenfalls zu den heteröciſchen Arten, und ſeine Wirkungen auf die von ihm befallenen Gramineen ſind die⸗ ſelben wie beim Getreideroſte.

Nachdem durch de Bary die Heteröcie der letztgenannten Art feſtgeſtellt war, lag der Gedanke nahe, daß auch andere Uredineen bei gleichem Entwicklungsgange einen ähnlichen geſetzmäßigen Wechſel des Wirthes durchmachen. Zunächſt waren in dieſer Hinſicht die übrigen auf Gräſern vorkommenden Puccinia- Arten ins Auge zu faſſen, unter ihnen namentlich der Strohroſt, welcher dem Getreidebau ebenſoviel ſchadet, wie der Grasroſt.

Das Mycelium von Puccinia straminis bleibt während der kälteren Jahreszeit lebend in den überwinternden grünen Blättern der Gräſer, um im Frühlinge neue keimfähige Uredo zu erzeugen. Auch ſchon während des Winters, wenn man das betreffende Gras in ein Treibhaus oder in ein Zimmer bringt, erfolgt die Entwicklung eines Uredolagers. Die Teleutoſporen überwintern gleichfalls, und die im nächſten Frühjahre eintretende Keimung erfolgt in derſelben Weiſe, wie bei Puccinia graminis. Die aus den Sporidien ſich entwickelnden Keimſchläuche dringen aber nicht in die Blätter der Gramineen ein. Es war nach den bei Puccinia graminis gemachten Erfahrungen anzunehmen, daß es wohl dicotyle Pflanzen ſind, in welche die Keimſchläuche eindringen und ſich daſelbſt zu einem Aecidium bildenden Mycelium entwickeln. Hierbei mußten natürlich in erſter Linie ſolche Arten in Betracht kommen, auf welchen ſich häufig Aecidien, aber ohne Uredo⸗ und Teleutoſporen finden, und die zugleich in der Nähe der vom Strohroſte heimge⸗ ſuchten Getreidefelder wachſen. Derartige Pflanzen ſind Berberis vulgaris, Rhamnus frangula und Rh. cathartica, Urtica dioica, Taraxacum officinale, Ranunculus bulbosus und Anchusa officinalis ²).

¹) Sorauer, Handbuch der Pflanzenkrankheiten. ²) Monatsbericht der Berliner Akademie, 1866.