Aufsatz 
Ueber einige Rostpilze und die durch sie verursachten Pflanzenkrankheiten / von Karl Diehl
Entstehung
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ſporen(Fig. 1) können nach der Reife ſogleich wieder keimen und in 68 Tagen ein Mycelium erzeugen, auf welchem ſich abermals Uredolager bilden, ſo daß ſich die Roſtkrankheit ſehr raſch verbreitet.

Die Keimung und Entwicklung der Sommerſporen wird beſonders durch die Feuchtigkeit des Bodens und der Luft ermöglicht und befördert. Wir finden daher ein viel ſtärkeres Auftreten des Ge⸗ treideroſtes in feuchten Jahren und auf naſſem Boden, dann in feuchten, dumpfen, keinem Luftwechſel aus⸗ geſetzten Lagen. Es iſt unter ſolchen Umſtänden der Krankheit kein Einhalt zu thun, und ſie ergreift gewöhnlich das ganze Feld. Der hierdurch veranlaßte Schaden iſt daher oft ſehr bedeutend. 1862 wurde der Ernteertrag in Dänemark durch den Roſt in ſehr merklicher Weiſe geſchmälert, ſo daß man den Aus⸗ fall auf einige Millionen Thaler ſchätzte!). Auch im Saalethale trat 1865 der Getreideroſt ſehr ſtark auf und hatte einen namhaften Minderertrag der Ernte zur Folge.

Durch die ſchon lange gehegte Anſicht vieler Landwirthe, die Nachbarſchaft des Berberitzenſtrauches erzeuge den Getreideroſt, wurde de Bary im Jahre 1865 veranlaßt, künſtliche Impfverſuche anzuſtellen, um den genetiſchen Zuſammenhang zwiſchen dem auf Berberis vulgaris vorkommenden Pilze und dem Grasroſte nachzuweiſen ²).

Zu dieſem Behufe ſäete er die Sporidien(Fig. 3) von Puccinia graminis auf Blätter des Ber⸗ beritzenſtrauches. Nach 2448 Stunden nahm er ſchon wahr, wie die Sporidien in Maſſe gekeimt hatten und wie zahlreiche Keimſchläuche die Wand der Epidermiszellen durchbohrten und in das Innere der Zellen eindrangen. Nach 9 Tagen erſchienen viele gelbe Flecken, in welchen man ſchon mit bloßem Auge Sper⸗ mogonien zu erkennen vermochte. Dieſelben waren denjenigen des gewöhnlichen Aecidium Berberidis voll⸗ kommen gleich. Vom neunten bis zwölften Tage waren ſie in großer Zahl vorhanden und zwar auf beiden Blattflächen. Einige Tage ſpäter traten auf der Blattunterfläche die cylindriſchen Aecidien(Fig. 4) hervor. Auch deren Bau war ganz der Gleiche, wie man ihn bei dem im Freien wachſenden Aecidium wahrnahm. Die gereiften Aecidienſporen keimten wie diejenigen anderer Aecidien.

Sie wurden in friſchem Zuſtande auf Roggenblätter ausgeſäet. Nach 24 Stunden ſah man eine reichliche Keimung der Sporen. Einen Tag ſpäter bemerkte man, daß bereits viele Keimſchläuche in die Spaltöffnungen eingetreten waren, während die hintern Theile der Schläuche leer und im Abſterben be⸗ griffen waren. Nach weiteren 4 Tagen zeigten ſich gelbe Flecken und 2 Tage darauf brachen die roth⸗ gelben Uredofruchtlager hervor, mit denſelben Eigenſchaften, wie man ſie längſt bei Puccinia graminis beobachtet hatte.

Daß die Aecidienſporen in den Gräſern wieder zu einem Uredo⸗ und Teleutoſporen tragenden Mycelium heranwachſen, zeigte ſich ſchon bei früheren Verſuchen. 1818 machte v. Bönninghauſen die Beobachtung, daß Weizen, Roggen und Gerſte, welche in der Nähe eines Berberitzenſtrauches ſtanden, ſowie die dort befindlichen Quecken, vom Roſte befallen wurden. Die Krankheit trat einige Zeit nach der Reife des Aecidium's ein. Am meiſten war der Roſt an den Stellen entwickelt, nach welchen die Sporen durch den Wind geſührt werden konnten.

Im nächſten Frühjahre ſammelte man Aecidienſporen und brachte ſie auf einige Pflanzen geſunder Roggenfelder. Nach 56 Tagen zeigte ſich hier der Roſt.

1863 ſäete man im botaniſchen Garten der landwirthſchaftlichen Akademie zu Proskau Winter⸗ roggen rings um Berberitzenbüſche. Im folgenden Jahre zeigten dieſe ſämmtlich Aecidien, deren Reife Mitte Mai begann, und ſchon am 26. Mai war der Roggen vom Roſte befallen. Auch auf wild wachſenden Gräſern, beſonders auf der Quecke, trat der Roſt ſehr reichlich auf. Die Roggenfelder in der Um⸗ gebung des Gartens, welche ſich in größerer Entfernung von den Berberitzenbüſchen befanden, blieben vom Roſte verſchont.

¹) Oerſtedt, Syſtem der Pilze. ²) Monatsberichte der Berliner Akademie, 1865.