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Bis zum Jahre 1867 war die Aecidienform des Runkelrübenroſtes noch nicht bekannt. Im Herbſte dieſes Jahres gelang es Kühn, das Aecidium Betae zu erzeugen. Nach Ausſaat der Sporidien bildeten ſich ſowohl am Blattſtiele, als auch auf beiden Blattflächen größere gelblich gefärbte, etwas erhöhte Stellen. Später traten auf denſelben Pünktchen hervor, die man als Spermogonien erkannte. Ihnen folgten ſchüſſelförmige Gebilde von ĩ½ bis ½ mm. Durchmeſſer, die Aecidien. Sie waren von einer weißlichen Peridie umgegen und enthielten zahlreiche orangefarbene Sporen, von rundlich oder eiförmigeckiger Geſtalt und mit gleichmäßig körnigem Inhalte angefüllt. Kühn beobachtete, wie durch Keimung der reifen Aecidien⸗ ſporen auf einem Rübenblatte wieder die Uredogeneration erzeugt wurde.
Uebrigens konnte man auch im Frühjahre 1868 das Aecidium Betae Kühn im Freien an Samen⸗ rüben wahrnehmen. Die normale Entwicklungszeit des Aecidiums fällt überhaupt in das Frühjahr.
Auch am Mycelium der Aecidien zeigen ſich Hauſtorien, genau von der Beſchaffenheit wie in den Uredolagern.
Wo der Runkelrübenroſt nur ſparſam auftritt, ſind die von ihm hervorgerufenen Nachtheile nicht groß. Anders geſtaltet ſich jedoch die Sache, wenn die Rübenblätter reichlich von Roſthäufchen beſetzt ſind. Dann werden dieſelben unter dem Einfluß des Pilzes frühzeitig gelb und ſterben ab, und natürlich hat die Beeinträchtigung der Blattthätigkeit auch einen verderblichen Einfluß auf die normale Ausbildung der Rübe ſelbſt.
Die mit vielen Roſthäufchen bedeckten Blätter ſind jedenfalls bei der Viehfütterung nicht zu ver⸗ wenden, dagegen unterliegt es keinem Bedenken, Blätter zu verfüttern, die wenig vom Roſte befallen ſind.
Erſt im Jahre 1856 nahm man den Runkelrübenroſt in bedeutender Ausdehnung wahr. Seitdem wird eine immer zunehmende Verbreitung der Krankheit beobachtet, und es ſcheint die Zunahme mit der Ausdehnung des Rübenbaues gleichen Schritt zu halten.
Um der Verbreitung und dem Ueberhandnehmen des Roſtes zu ſteuern, muß man das alte roſtige Stroh verbrennen. Dann ſind bei allen jungen Pflanzen die Blätter, an welchen Aecidienſporen vor⸗ kommen, ſogleich zu entfernen.
Die Gattung Uromyces enthält noch mehrere Arten, welche den Kulturpflanzen nachtheilig ſind. So treffen wir häufig Uromyces appendiculatus auf Vicia Faba, V. sativa und Pisum sativum. Auf Phaseolus nanus findet ſich U. Phaseolorum; auf Vicia cracca, Lathyrus pratensis ſowie auf Trifolium pratense und T. repens ſchmarotzt U. apiculatus. Endlich iſt noch der auf Medicago sativa und Tri- folium arvense vorkommende U. striatus zu erwähnen.
III. Puccinia Tulasne.
Die unter einander freien Winterſporen ſind länglich(oft mit einzelligen gemiſcht) und durch eine Querſcheidewand in eine obere und etwas kleinere untere Zelle getheilt. Sie bilden braune oder ſchwarze Staubhäufchen oder kruſtige Flecken, welche durch die Epidermis der Pflanzentheile hervorbrechen, manchmal auch lange von dieſer überzogen bleiben. Bei vielen Arten iſt ein vollſtändiger Generationswechſel nach⸗ gewieſen; bei einigen ſind keine Aecidien⸗, bei andern keine Uredoſporen bekannt.
1) Puccinia graminis Persoon. Gras⸗ oder Getreideroſt. ¹)
Die Teleutoſporen dieſes Pilzes ſind länglich, in der Mitte eingeſchnürt, am Scheitel verdickt und oft zugeſpitzt, gleich lang geſtielt und nicht von der Oberhaut des befallenen Pflanzentheils bedeckt(Fig. 2). Die ſchon erwähnten Wirkungen dieſes Schmarotzers auf ſeine Nährpflanzen ſind allerdings nicht in dem Grade ſchädlich, wie es bei den Brandpilzen der Fall iſt. Aber immerhin verdient der Getreideroſt die größte Aufmerkſamkeit von Seiten der Landwirthe; denn die in ungeheurer Menge auftretenden Uredo⸗
¹) Leunis: Synopſis der Pflanzenkunde. II. Auflage, bearbeitet von Dr. Frank.


