Aufsatz 
Ueber einige Rostpilze und die durch sie verursachten Pflanzenkrankheiten / von Karl Diehl
Entstehung
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Wie bei Puccinia graminis kommen die angeführten Sporenarten auch bei vielen andern Roſt⸗ pilzen vor. Das Auftreten verſchiedener Sporen bei einem und demſelben Pilze nennt man Pleomorphie der Befruchtungsorgane; die regelmäßige Aufeinanderfolge der verſchiedenen Fruchtformen eines Pilzes heißt Generationswechſel. Häufig iſt dieſer noch mit einem Wechſel der Nährpflanze verbunden. Mit Rückſicht hierauf werden Roſtpilze, welche alle Sporen auf derſelben Nährpflanze erzeugen, autöciſche genannt, im Gegenſatz zu den heteröciſchen, bei welchen die nacheinander auftretenden Sporen auf Pflanzen erzeugt werden, die in der Regel verſchiedenen Familien angehören. So iſt Uromyces Phaseolorum, der Bohnenroſt, eine autöciſche Pilzart, da alle Sporen auf Phaseolus zur Entwicklung kommen. Puccinia graminis iſt dagegen eine heteröciſche Art; denn Sommer⸗ und Winterſporen entwickeln ſich auf Gräſern, die Aecidien und Spermogonien auf dem Berberitzenſtrauche.

Bei manchen Uredineen fehlt regelmäßig die eine oder andere Sporenart.¹) Bei Uromyces Alchemillae und U. striatus kennt man bis jetzt nur Sommer⸗ und Winterſporen, bei Puccinia Pruni und P. Malvacearum nur die Winterſporen; bei Uredo Agrimoniae und U. Pyrolae nur die Sommer⸗ ſporen; bei Cacoma pinitorquum nur die Aecidienſporen und Spermatien.

Bei denjenigen Roſtpilzen, welche nur Teleutoſporen beſitzen, erfolgt die Keimung derſelben gleich nach der Reife, und es beginnt dann die Entwicklung auf's Neue. Wo ein Generationswechſel vorkommt, keimen die Teleutoſporen bekanntlich erſt im nächſten Frühjahre. Die nur mit Aecidienſporen verſehenen Roſtpilze haben die Eigenthümlichkeit, daß die ſofort nach der Reife keimfähigen Sporen ein Promycelium treiben, wie dies ſonſt nur bei den Teleutoſporen anderer Arten der Fall iſt. Die vom Promycelium abgeſchnürten Sporidien ſenden ihre Keimſchläuche in die Nährpflanze, wo ſich ein neues Mycelium ent⸗ wickelt, welches aber erſt nach einem Jahre wieder Fruchtbildung zeigt.

Die Uredoſporen ſtimmen bei allen Roſtpilzen im Weſentlichen überein, ebenſo die Aecidienſporen, während man au den Teleutoſporen beſtimmte generiſche Unterſchiede wahrnimmt. Daher dienen letztere dazu, den Charakter der einzelnen Uredineengattungen feſtzuſtellen. Die Teleutoſporen der Gattung Uro- myces(Fig. 8) ſind einzellig, von Puccinia zweizellig(Fig. 2), von Triphragmium dreizellig, Phragmidium, an Roſen und Brombeeren vorkommend, beſitzt Teleutoſporen, die aus 411 reihenweiſe übereinander⸗ ſtehenden Zellen zuſammengeſetzt ſind(Fig. 11 u. 9).

Nach den Erfahrungen bezüglich der Wirkungen der Roſtpilze auf ihre Nährpflanzen iſt man wohl berechtigt, die ſich hier zeigenden Erſcheinungen als Krankheiten der Pflanzen aufzufaſſen und als die einzige Urſache der Erkrankung die Vegetation der in Rede ſtehenden Pilze anzuſehen.

Bei vielen von Uredineen heimgeſuchten Pflanzen nimmt man eine langſame Abnahme des Chloro⸗ phyllgehaltes in den erkrankten Theilen wahr. Die befallenen Stellen werden bleich, und ſchließlich ſterben die Zellen unter Bräunung ihrer Membranen ab. So bei den Getreidearten und Gräſern, an welchen Puccinia graminis vorkommt. Hier erfolgt das Schwinden des Blattgrüns und das Abſterben der kranken Theile um ſo ſchneller, je dichter die Pflanze mit Roſthäufchen beſetzt iſt. Beim frühzeitigen Auftreten des Roſtes können auch die jungen Aehren in ihrer Weiterentwicklung gehemmt werden. Erſcheint er dagegen erſt nach der Blüthe, ſo iſt eine mangelhafte Körnerbildung die Folge.

Bei der im ſüdlichen Rußland zur Oelgewinnung angebauten Sonnenblume zeigen ſich die Wir⸗ kungen eines Roſtpilzes, Puccinia Helianthi, indem die Blätter bald verwelken, ſchwarz werden und ver⸗ trocknen. Auf der Runkelrübe tritt gleichfalls ein Roſtpilz, Uromyces Betae, auf, deſſen Vegetation ein frühzeitiges Abſterben der Blätter zur Folge hat. Die von Chrysomyxa Abietis befallenen Nadeln der Fichte werden ganz gelb und fallen vorzeitig ab.

Manche Roſtpilze bewirken an den kranken Theilen der Nährpflanze eine übermäßige Zufuhr von Nahrungsſtoffen, ein ſtärkeres Wachsthum der Zellen oder auch eine vermehrte Zellenbildung. Die Folge

¹) Vergl. Leunis: Synopſis der Pflanzenkunde. II. Auflage.