Aufsatz 
Ueber einige Rostpilze und die durch sie verursachten Pflanzenkrankheiten / von Karl Diehl
Entstehung
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pfriemenförmige Ausſtülpung, auf deren Spitze eine ei⸗ oder nierenförmige kleine Spore(Spore zweiter Ordnung oder Sporidie genannt) abgeſchnürt wird. Nach Bildung der Sporidien ſtirbt das Promycelium ab. Die Sporidien ſelbſt löſen ſich ſehr leicht von ihren Stielchen und treiben bei der Keimung einen feinen Keimſchlauch. Die Entwickelung zu einem Mycelium iſt jedoch davon abhängig, ob die Sporidien die geeignete Unterlage finden. Auf den Blättern und Halmen der verſchiedenen Gräſer winden ſich die Keimſchläuche hin und her und ſterben zuletzt raſch ab, während die Pflanze ſelbſt unverſehrt bleibt. Die von de Bary ¹) in den Jahren 1865 und 1866 angeſtellten Verſuche ergaben, daß die Keimung der Sporidien des Getreideroſtes nur dann erfolgt, wenn dieſelben auf die Blätter des Berberitzenſtrauches, Berberis vulgaris, gelangen. 24 bis 48 Stunden nach der Ausſaat der Sporidien kann man durch das Mikroskop wahrnehmen, wie ſowohl auf der oberen wie unteren Blattfläche eine Menge Keimſchläuche die Wand der Epidermiszellen durchbohrt und in das Innere der Zellen eindringt. Nach weiteren 24 Stunden ſieht man die Verzweigungen der eingedrungenen Schläuche, ſowie die Bildung eines Myceliums, welches das Parenchyn der Nährpflanze durchwuchert, wobei die Blattzellen an gewiſſen Stellen ſtark vergrößert und vermehrt werden. Das Blatt bildet eine polſterartige Verdickung, und ſchon nach 810 Tagen brechen aus der Oberhaut des Wirthes neue Fructificationsorgane hervor, welche man Aecidien und Sper⸗ mogonien nennt(Fig. 4).

Letztere, welche zuerſt und zwar meiſt auf der oberen Blattfläche erſcheinen, ſtellen hohle, krug⸗ förmige, aus feinen Pilzfäden gebildete Behälter dar, mit glatter Wand und einer von pfriemenförmigen Paraphyſen eingefaßten Mündung. In ihrem Innern enthalten ſie eine Schicht kleiner Stielchen, von welchen zahlreiche ſehr kleine einzellige Sporen, von länglich ſtäbchenförmiger Geſtalt, Spermatien genannt, abgeſchnürt werden. Die von Gallerte umhüllten Spermatien füllen die enge Höhlung vollſtändig aus und treten, wenn die Gallerte durch Feuchtigkeit aufquillt, zu Gallerttropfen oder langen Ranken zu⸗ ſammengeballt, in Unzahl aus der Mündung hervor. Die Bedeutung der Spermogonien und Spermatien für die Entwicklung des Pilzes iſt bis jetzt noch völlig zweifelhaft.

In der Nähe der Spermogonien, meiſt jedoch auf der unteren Blattfläche, zeigen ſich die ſchon erwähnten Aecidien(Fig. 4), in welchen der Pilz den Höhepunkt ſeiner Entwicklung erreicht. Lange Zeit wurde auch dieſe Functificationsform als eine ſelbſtſtändige Pilzgattung aufgefaßt, die man Aecidium oder Becherroſt nannte. Gegenwärtig dient der Name Aecidium zur Bezeichnung einer beſtimmten Fruchtform im Entwicklungskreiſe der Puccinia.

Die Aecidien entſtammen demſelben Mycelium, wie die Spermogonien. Sie liegen anfangs unter der Epidermis des Blattes und ſtellen einen knolligen, parenchymähnlichen Körper dar, welcher von einer Hülle feiner Pilzfäden umgeben iſt. Sobald ſie entwickelt ſind, durchbrechen ſie die Blattoberhaut und bilden oben offene Becher. Die Wandung derſelben(Peridie) beſteht aus einer Schicht ſechseckiger Zellen, welche reihenweiſe geordnet ſind und an der Baſis von baſidienartigen Hyphenzweigen erzeugt werden. Im Grunde der Becher nimmt man die Fruchtlager wahr, deren Hyphen ihre Spitzen nach Außen kehren und beſtändig neue Sporen abſchnüren(Fig. 6 u. 12). Dieſe, anfangs durch gegenſeitigen Druck polyedriſch, runden ſich ſpäter ab und treten, nach Zerreißung der Peridie, aus der Oeffnung des Bechers als ein goldgelbes Pulver. Die Peridie ſelbſt erſcheint als eine peripheriſche Schicht ſteriler Sporen, welche ver⸗ bunden bleiben und wie die aus dem Becher heraustretenden Sporen rothe Körnchen enthalten.

Die reifen Aecidienſporen kommen auf den Blättern des Berberitzenſtrauches nicht zur Keimung. Erſt wenn ſie auf die Oberfläche eines Blattes oder Spengels eines Graſes gelangen, entwickelt ſich ein Keimſchlauch, welcher wie derjenige der Uredoſporen durch die Spaltöffnungen in die Nährpflanze eindringt, um im Parenchyen derſelben ein Mycelium zu erzeugen. Auf dieſem bildet ſich dann wieder die Anfangs⸗ generation, nämlich ein Uredolager.

¹) Monatsberichte der Königl. Akademie der Wiſſenſchaften zu Berlin. 1865 und 1866.