Aufsatz 
Zur Ethik des Stoikers Zenon von Kition / von Georg Joseph Diehl
Entstehung
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10.

Vorstellung(adlαιν und ρAανταασα, der Triebe(60u-i) und der Zustimmung(eννναα☚ηιαασιέιασις) in sich. Und sowie durch die Stärke und Schwäche der Grundkraft die Willensstärke und Willens- schwäche im Allgemeinen bedingt wird, so wird wieder in allen einzelnen Akten der Wille durch wenn auch uns verborgene Ursachen bestimmt, d. h. wohl, dass der Mensch um so freier handele, je bedeutender das Maas seiner persönlich sittlichen Kraft sei. ¹)

Entsprechend dem soeben entwickelten Verhältniss zwischen Seele und Körper dürfte Zenon sich auch das Verhältniss der Welt mit der Gottheit gedacht haben, deren Lehre er in seine Physik verschlungen zu haben scheint, während andere Stoiker sie auch getrennt für sich, wenigstens in späteren Zeiten abhandelten.*) Ihre Beweise für die Existenz Gottes nahmen sie theils von der Uebereinstimmung des Glaubens her, theils waren sie physikotheologischer, ethischer und kosmologischer Art. ³) Während nun Zenon, der nicht die Elemente(τπzε), sondern die Prinzipien des Seienden(ονα) suchte und daher zwischen Wesenheit(oνασια) und Stoff(d1⁷) unterschied,) einerseits lehrt, dass der Urgrund der Dinge zwei aufs innigste in sich verbundene und doch verschiedene Prinzipien, ein leidendes(rαονο) die qualitätslose Materie, und ein thätiges (16) die Intelligenz oder Gottheit) enthalte, fliessen sie wieder andererseits durch Zenons Behauptung, dass das Weltganze und der Himmelsraum das Wesen Gottes ausmache, ineinander. Da sonach zwischen Gottheit und Welt kein wesentlicher Unterschied besteht, Kraft und Materie aber in ihrer untrennbaren Verbindung das einzig Wirkliche sind, und alles Wirkende ein materielles Substrat haben muss, so muss auch die Gottheit, der Zeugungsquell des Alls, ein Körper sein.) Durch die Annahme der Realität alles Geistigen oder der Identität von Materie und Gott verflüchtigt sich der Anfangs aufgestellte Dualismus des zenonischen Systems in den Materialismus, um bei consequenter Durchführung im Pantheismus zu enden. Hieraus lässt es sich nun auch erkären, wie die Stoiker je nach den verschiedenen Manifestationen der Gottheit oder der verschiedenen Auffassung der Physiognomie der Naturtotalität dieselbe bald als künstlerisches Feuer bezeichneten, welches die lebendigen Kräfte und Gründe der Dinge in sich enthalte und auf eine durch Noth- wendigkeit bestimmte Weise weltbildend vorwärts schreite, bald, indem sie dieses Urfeuer, auch Urhauch oder Aether genannt, als eine die ganze Natur durchdringende lebendige und vernünftige Kraft beschrieben, sie zugleich als Wille, Verhängniss, Vorherbestimmung, Vorsehung, Natur, unendliche Vernunft, Naturgesetz der Welt betrachteten.*) Wir haben es hier also nur mit nominell verschiedenen Bezeichnungen eines und desselben Urwesens, der Gottheit, zu thun, die als Feuer, Aether, Luft, Hauch Alles ohne Ausnahme durchdringt und beseelt,*) wodurch Tertullian zur treffenden Bemerkung veranlasst wurde, Zenon lasse seinen Gott durch die materia mundialis hindurch gehen, wie Honig durch die Waben.)

¹) Stob. II, p. 110. Cic. de fato c. 13. 14. 18. Gellius VI, 2.

²) Sext. Emp. adv. Math. VII. 88; III ff.; Cic. n. deor. II, 2 ff.

²) Cic. l. c. Sext. Emp. VII, 75 u. 133.

*) Diog. VII, 134. 136. 150. Stob. I, 322.

²) Diog. 134. Lact. inst. VII, 3.

) Diog. 148. Leller a. a. O. p. 122, 124 f.; Hippolytes ref. haer. I, 21: Chrysippus und Zenon nahmen an, aονꝶẽ ϑεον τόυνντ πτπασνρ νqάων, σ‿ρ⁵σα bvτα l ec‿ναοαντισαασον.

*) Stob. ecl. phys. I, p. 130; 538. Sext. adv. Math. IX, 123, 134 ff.; Cic. n. deor. I, 14, 36; II, 22, 58 u. a. St. Lips. phys. Stoic. I, 6.

³) Hippolytes refut. haer. I, 21. Zeller a. a. O. p. 126.

*) Tertull. ad nationes II, 4. Zeller a. a. O. III, 1 p. 126.