Aufsatz 
Zur Ethik des Stoikers Zenon von Kition / von Georg Joseph Diehl
Entstehung
Einzelbild herunterladen

7

sein, dass er dieselben nicht geradezu umging wie Ariston, sondern bei der Entwicklung und Feststellung seiner ethischen Bestimmungen, insofern sich unmittelbare Berührungspunkte mit den allgemeinen Naturgesetzen ergaben, in das Bereich seiner Untersuchungen zog. Wir werden demnach nicht fehlgehen, wenn wir annehmen, dass er die wissenschaftliche Grundlage, die er seinem Systeme gegeben, vom ethischen Gesichtspunkte aus bestimmte. Endlich können wir auch aus den bei den Stoikern stereotypen Vergleichungen der Philosophie von denen eine oder die andere bereits dem Stifter der Schule angehört haben mag mit den Bestandtheilen des mensch- lichen Körpers, dessen Beingerippe zwar die Logik, dessen Fleisch und Blut aber die Physik und dessen Seele endlich die Ethik ist, oder das Gleichniss vom fruchtbaren Garten, wo die Logik der Zaun, die Physik die Fruchtbäume und die Ethik die Frucht ist, oder der Vergleich mit dem Ei, dessen Schale die Logik, dessen Weisses die Physik und dessen Gelbes die Ethik repräsentirt, einen berechtigten Schluss auf die bei den Stoikern übliche Reihenfolge der philosophischen Disciplinen ziehen und in der Vergleichung der Ethik mit der Seele oder dem Eidotter oder der Frucht eine Bevorzugung derselben vor den übrigen Disciplinen constatiren. ¹)

Schon Zenon scheint als Fundamentalgesetz seiner Physik den Satz aufgestellt zu haben, dass die thätige Kraft nie ohne ein körperliches Substrat wirke oder, wie sich die Stoiker ausdrücken, nur das Körperliche wirklich sei. ²) Als wesentliche Eigenschaften der Körper scheint Zenon theils das Vermögen zu wirken und leiden, theils die Bewegung, die Ausdehnung nach drei Dimensionen und die Theilbarkeit betrachtet zu haben. ¹) Aus der ins Unendliche fortgehenden Theilbarkeit (ναννηννοο ονιν) lasse sich nach der Ansicht des Chrysippus nicht schliessen, dass das Theilbare auch aus einer unendlichen Menge von Theilen wirklich bestehe. ¹) Nur ein ausserlweltliches unendliches Leeres(xerν) erkannte der Kitier an und behauptete, der Raum in der Welt werde von den Körpern völlig ausgefüllt. Das Leere aber, erklären die Stoiker, sei dasjenige, was von einem Dinge erfüllt werden kann, aber nicht erfüllt wird.⁰5) Auf diese Voraussetzungen hin bestrebten sie sich einerseits Künste und Wissenschaften, Ursachen, Affekte, Leidenschaften, selbst Tugenden und Laster, sowie Zeitbestimmungen, den Schall u. s. w. auf das Körperliche zurückzuführen und alle Thätigkeitsäusserungen in einer einzigen Grundkraft zu concentriren; andererseits suchten sie zu beweisen, dass, da Alles aus der Einen Urmaterie, die Kraft und Stoff zugleich sei, entstehe, auch die menschlichen Seelen Theile jener Urmaterie, mithin materiell und körperlich seien, unterschieden sie jedoch wieder von den vernunftlosen Seelen, die sie für Partikel des bewegenden Welthauches(mνενια) hielten, erklärten aber die menschlichen Seelen von gleicher Wesenheit, jedoch für endlich und als endliche Einzelwesen für vergänglich.) Dieser absolut materialistischen Ansicht entsprechend haben denn auch Einige die Seele für Hauch, Andere für luftartigen warmen Hauch, noch Andere für Feuer, Andere endlich für eine mit Wahrnehmung begabte Ausdünstung des Körpers oder zunächst des Blutes gehalten.) Was aber die Weltseele für die Welt, das ist

¹) Diog. 40. Sext. adv. Math. VII, 22 sd. 18. Diog. 142. Cic. acad. II, 37, 119; de nat. deor. II. 46, 118.

²) Stob. ecl. I, 336. Cic. acad. I. 11, 39.

³) Diog. 135.

) Sext. adv. Math. X, 142. Diog. 150.

*) Diog. 140. Sext. hypotyp. III, 17. Stob. ecl. I, 382. Achill. Tat. isag. ad Arat. phaen. p. 947, I. c. p. 939.

) Diog. 139; 56; 54. Plut. adv. Stoic. p. 1085; p. 1054; de plac. phil. IV, 20. Cic. de nat. deor. II, 6, 7; Anton. IX, 8; XII, 30. Nur die durch Worte auszudrückenden Vorstellungen(As«r), den Ort, den leeren Raum und die Zeit nannten sie unkörperlich. Diog. 140. Sext. Emp. adv. Math. I, 28; VIII, 218 ff.

*) Diog. 156..... Zijror d 6 Kirrisde(†mνσα) πντμαα ννεκομ⁵οωνεεννασ τν ᷣ̈νᷣx, zorre