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lichen rhythmiſchen Figuren ausführen, leichte Melodien vom Blatte, ſowie die bekannteſten Choräle auswendig ſingen könne.
Das Cdict verlangt ferner vom Adſpiranten, daß derſelbe in der In⸗ ſtrumentalmuſik, beſonders im Klavierſpielen, einige Fertigkeit erlangt habe.
Bei den geſteigerten Forderungen, welche in unſerer Zeit rückſichtlich der muſi⸗ kaliſchen Bildung an die Lehrer gemacht werden, kann das Seminar ſeine An⸗ ſprüche an die Adſpiranten nicht tief ſtellen. Selbſt bei ausgezeichneten Naturan⸗ lagen will die Muſik lange getrieben ſein, wenn die Fortſchritte darin von Be⸗ deutung ſein ſollen. Je größer demnach die Fertigkeit und Geſchicklichkeit iſt, welche ſich der Adſpirant im Klavier⸗ und Orgelſpielen erworben hat, je willkom⸗ mener iſt er der Anſtalt. Schon im 12ten Lebensjahre ſollte das Spielen beginnen, und das begonnene Werk mit Ernſt und Beharrlichkeit fortgeſetzt werden. Die Er⸗ fahrung lehrt aber, daß mancher junge Menſch erſt der Aufnahme gewiß ſein will, bevor er ſich entſchließt, mit dem Spielen den Anfang zu machen. Es iſt jedoch klar, daß ihm dieſe Vorſicht Nachtheil bringt; denn entweder wird er nun wegen mangelnder muſikaliſcher Vorbildung abgewieſen, oder, wird er dennoch aufge⸗ nommen, ſo bringt er es ungeachtet der Nachhulfe durch Privatſtunden nicht weit und verſchließt ſich dadurch für die Folge manche erwünſchte Ausſicht. Daher fange der junge Menſch, dem es Ernſt iſt, Lehrer zu werden, das Spielen bei Zeiten an und beſtimme täglich wenigſtens eine Stunde für dieſe Uebung. Er eile über das Schwierige nicht oberflächlich weg; hier gilt der Spruch:„Eile mit Weile!“ Jedes einzuübende Stück muß zur Vermehrung der Fertigkeit beitragen. Da auf der Wahl der zu ſpielenden Stücke viel beruht, ſo lege der Lehrer keine Tanze noch Tändeleien aus Opern vor, laſſe der Neigung nicht freien Lauf, die ſich bei der Jugend lieber auf das Luſtige und Wohlklingende, als auf das Ernſte und Würdige hinlenkt. Er halte mehr auf einen gefühlvollen, dem Weſen und der Eigenthümlichkeit des Tonſtückes angemeſſenen Vortrag, als auf die Fertigkeit der Finger und bringe gleich anfangs dem Schüler Geſchmack für gehaltvolle und würdige Muſikwerke bei. Takt, Notentreffen, Fingerſetzen und guter Vortrag, das ſind die Punkte, auf welche bei der Pruͤfung geſehen wird. Ein falſches Taktge⸗
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