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innerliche Beſitz, ſich nun auch äußerlich darlege durch das Wort, daß der Aus⸗ druck des Gedankens den auszudrückenden Gedanken klar und deutlich wiedergebe und ſo das Verſtändniß bei denen bewirke, zu welchen man ſpricht. In dieſer angegebenen Aufgabe des Sprachunterrichts iſt auch das Ziel deſſelben mit ent⸗ halten, das kurz darin zuſammengefaßt werden kann, daß man einen richtigen Gedanken ſeinem Weſen nach angemeſſen ausſpreche. Daraus folgt auch die Wichtigkeit des Sprachunterrichts. Er iſt ganz dazu geeignet, alle Geiſtes⸗ kräfte des Menſchen in Thätigkeit zu ſetzen, weßhalb er auch naturlich ein uner⸗ läßlicher Unterrichtsgegenſtand fuͤr den Adſpiranten iſt. Was hiernach den Weg anbelangt, der zum Ziele des Sprachunterrichts führt, ſo leuchtet ein, daß auf
ihn ein großer Theil der Zeit verwendet werden muß, da er ſo wichtig iſt und da
das zum Gebrauche der Sprache nothwendige Kundigſein derſelben viele nur durch tägliche Uebung zu erwerbende Fertigkeit erfordert. Obgleich nun der geſammte Unterricht ein Lehren der Sprache, ein ſtetes Ueben derſelben iſt, ſo ſind doch eigene Lehrſtunden erforderlich, um den Adſpiranten in derſelben zu befähigen. Es iſt bei dieſem beſondern Sprachunterrichte nicht Hauptſache, daß der Adſpirant Etwas auffaſſe und nachſage; ſondern daß er dabei ſelbſtthätig in ſich Sprach⸗ keuntniß erzeuge und im Beſitze derſelben ſeine ganze Individualität durch ſie of⸗ fenbaren kann. Daher muß der Sprachunterricht auch nothwendig eine Verſtan⸗ desuͤbung ſein. Iſt er dieſes nicht, ſo verſteht der Lehrer nicht, Sprachunterricht zu ertheilen. Daß fleißige Uebung im Leſen, Durchdenken, Verſtehen, Analyſiren
und freies, muͤndliches und ſchriftliches Wiedergeben des Geleſenen viel mehr ge⸗
währen und nützen, als die duͤrre, ertödtende Einbläuung abgeriſſener, grammali⸗ ſcher Formen und Schemate, iſt natuͤrlich. Beſonders verdient unter dieſen Uebun⸗
gen das Analyſiren eine Hauptſtelle. Bei dieſem Geſchäfte zerlegt der Adſpirant
zuerſt das Satzgefüge in ſeine Einzelſätze, gibt an, was für ein Satz der Ein⸗ zelſatz nach ſeiner Wurde, ſeiner Verbindung, ſeinem Umfange, ſeiner Form und Stellung nach ſei, verwandelt die Nebenſätze in die Satztheile des Hauptſatzes, aus denen ſie ſich entwickelt haben, geht alsdann zum Einzelſatz über, gibt zunächſt jeden Beſtandtheil deſſelben nach ſeiner grammatiſchen Bedeutung an, ob er Saß⸗ gegenſtand, Satzausſage, Ergänzung oder Beſtimmung ſei und macht den Schluß,


