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den Lehrer wird wenigſtens kein Vorwurf treffen, wenn der Adſpirant aus an⸗ dern Gründen nicht aufgenommen werden ſollte; der Lehrer hat alsdann in dieſem Punkte ſeine Schuldigkeit gethan.
Uebrigens glaube ich bei dieſem Gegenſtande noch auf einen wichtigen Punkt anfmerkſam machen zu muͤſſen. Jeder Lehrer weiß, daß der Grundſatz:„Schreibe, wie du ſprichſt“, vielfach durch den ſchriftſtelleriſchen Gebrauch modificirt wor⸗ den iſt. Es iſt nicht nöthig, durch Beiſpeile bieſe Behauptung zu begründen; ſie begruͤndet ſich jedem aufmerkſamen Leſer von ſelbſt. Auch iſt bekannt, daß dieſe ſchriftſtelleriſchen Abweichungen, die durch Verjährung ſich ihr Recht geſichert haben, bis jetzt noch nicht in beſtimmte Regeln gefaßt werden konnten, weil ſie⸗ ſich eben nicht ſyſtematiſch zuſammenfaſſen, und in einen wiſſenſchaftlichen Orga⸗ nismus eingliedern laſſen. Was iſt daher zur Erzielung des Richtigſchreibens bei den Adſpiranten zu thun? Eine vollſtändige Aufſtellung orthographiſcher Regeln iſt nicht möglich; es bleibt daher nur übrig, durch vieles Leſen ſich, wie mit der Anwenbung feſtſtehender, orthographiſcher Regeln, ſo mit den gebräuchlich gewor⸗ denen Abweichungen bekannt zu machen.— Die Uebung macht auch in dieſem Gebiete den Meiſter. Durch aufmerkſames Leſen und Achten auf die Orthographie des Leſeſtoffs prägt ſich die Rechtſchreibung, ſo zu ſagen, unwillkürlich ein, und gibt ſich beim Schreiben kund. Möchten die Adſolonten⸗Büdnen hierauf beſon⸗ ders ihre Aufmerkſamkeit richten!
Der Adſpirant ſoll ferner nach dem angegebenen Edicte einen einfa⸗ chen, fehlerfreien Aufſatz entwerfen können. Zur nähern Erörterung dieſer Beſtimmung muͤſſen wir ihr die rechte Stelle im Gebiete der Unterrichts⸗
gegenſtände anweiſen. Dieſe findet ſie in dem Gebiete des Sprachunterrichte.
Die Sprache iſt der Ausdruck des Gedankens in Worte; durch ſie theilen ſich die Vorſtellungen des Einen dem Andern klar und deutlich mit. Zweierlei tritt daher weſentlich bei ihr hervor: einmal der mitzutheilende Gedanke; ſodann das mittheilende Wort. Darnach beſtimmt ſich dann auch der Unterricht in der Sprache, deſſen Aufgabe es iſt, die Gedanken, welche durch die Sprache ausgedrückt wer⸗ den ſollen, zu becichtigen, zu ordnen, zu dem zu machen, was ſie ihrem Begriffe nach eigentlich ſein ſollen, und weiter dahin zu leiten, daß dieſer Gedanke, der


