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Jahre noch die Schule beſuchte, und wenn nun bei dieſer Wahrnehmung ein Schluß auf deſſen Unfähigkeit zum Lehrerberufe, oder auf einen ſeinen Wirkungskreis nicht ausfüllenden Lehrer gemacht wird: ſo iſt dieſer Schluß gewiß durch die Forderun⸗ gen gerechtfertigt, die man nothwendig an einen Lehrer machen muß, deſſen Beruf die Bildung des Volks zum Zwecke hat, deren weſentlicher Vorausſetzungen eine die auf der Fähigkeit des Leſens beruhende Fähigkeit des richtigen Schreibens iſt. Leider ſind aber dieſe traurigen Crfahrungen ſchon oft gemacht worden. Zu jeder Concursprüfung haben ſich junge Leute eingefunden, die weder eine leſerliche Hand, noch Dictirtes orthographiſch ſchreiben konnten und demnach der in der Schulordnung zur Aufnahme in's Seminar ausgeſprochenen Anforderung nicht entſprachen. Daß ſolche Leute zuruͤckgewieſen werden mußten, war unangenehm für die Eltern und die Leute ſelbſt; aber nothwendig und geſetzlich, wenn auch nicht ehrend für die Adſpiranten⸗Lehrer, welche ſolche ſandten. 1 Es kann hier nicht Zweck ſein, eine Anweiſung zu geben, wie man eine le⸗ ſerliche Hand ſchreiben lehre, noch die Regeln der Orthographie außzuſtellen. Die⸗ ſes iſt die Aufgabe beſonderer Lehrbücher; vielmehr iſt es mein Zweck, auf den Paragraphen der Schulordnung hinzuweiſen, welcher die zur Aufnahme des Ad⸗ ſpiranten erforderlichen Fertigkeiten und Kenntniſſe angibt, und zugleich zu gewiſ⸗ ſenhafter Erfüllung der Obliegenheiten aufzufordern, welche der Lehrer mit der Vorbildung übernimmt. Wer ſich dieſer Vorbildung unterzieht, muß die Mittel und Wege kennen, die zum Ziele fuͤhren, muß daher auch in Bezug auf die Recht⸗ ſchreibung wiſſen, wie er ſie zu lehren, wie er ſie bei dem Schuͤler zu erzielen habe. Daher darf es ihm nicht unbekannt ſein, daß zur Erreichung dieſes Ziels zunächſt eine ſorgfältige Correctur der ſchriftlichen Arbeiten fuͤhrt, mit der Weiſung, das Corrigirte richtig abzuſchreiben. Wird zudem jeder Fehler, der in Nachläſſig⸗ keit ſeinen Grund hat, ſcharf gerügt; wird, wo es thunlich iſt, auf den etymolo⸗ giſchen Theil der Grammatik verwieſen, um darauf die Orthographie zu baſiren; werden die Regeln der Orthographie von Zeit zu Zeit mündlich wiederholt und in paſſenden, zuſammenhängenden Dictaten, einer Erzählung u. ſ. w. in Anwendung gebracht; wird auf Richtigſprechen, der Grundlage des Richtigſchreibens, ernſtlich gehalten: dann wird ſich orthographiſches Schreiben wohl ergeben, und


