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rerberuf die nöthigen körperlichen, geiſtigen und gemüthlichen Eigenſchaſten beſitzt, und mit gutem Gewiſſen zur Aufnahme ins Seminar zu empfehlen ſei. Sollte aber geiſtige Anlage, ſollte die rechte Geſinnung fehlen; ſollte ſchwache körperliche Conſtitution, beſonders eine ſchwache Bruſt vorhanden ſein, ſo iſt ein hinreichender Grund gegeben, von der Wahl des Lehrerberufs abzurathen und dieſes zu thun, iſt heilige Pflicht. 76 nachtn
. Das Seminar kann zuletzt ſeinem Zwecke nur dann genügen, wenn die durch ihre Eigenſchaften zum Schulamte Berufenen nun auch auf die rechte Weiſe vorbereitet werden und in deren Vorbildung eine planmäßige Einheit gebracht wird, damit ſich die Vorbildung an die zu erwerbende Ausbildung enge anſchließe.
Das landesherrliche Cdiet vom 24. März 1817 beſtimmt Paragraph 11:„daß der Adſpirant fuür die Aufnahme ins Seminar das 16te Jahr überſchritten und das 18te Jahr noch nicht vollendet haben ſolle.“ Mithin umfaßt der Zeitraum zwiſchen der Entlaſſung aus der Volksſchule und dem Eintritte ins Seminar min⸗ deſtens zwei Jahre, welche für die Vorbereitung beſtimmt find. Es entſteht nun zunächſt die Frage: Wo ſoll der Adſpirant vorgebildet werden? Zur Vorbereitung ſind in einigen Staaten Deutſchlands größere und kleinere Präparanden⸗Anſtalten ins Leben getreten, in welchen die Adſpiranten unter der Leitung eines tuͤchtigen Lehrers und unter der Mitwirkung des Geiſtlichen ihre Weiterbildung finden; in andern ſind ſie dagegen zum Beſuchen der Volksſchule und zur Theilnahme am Unterricht bis zum Eintritte ins Seminar gehalten und verpflichtet. Von keinem dieſer Wege kann wohl mit Beſtimmtheit behauptet werden, daß er allein oder auch nur am ſicherſten zum Ziele fuhre. An jeden ſchließen ſich mehr oder weniger Nachtheile an. Was nament⸗ lich die beſondern Präparanden⸗Anſtalten betrifft, ſo möchte ſchon der Umſtand gegen ſie ſprechen, daß ſie die Koſten bedeutend vermehren und dadurch manchen unbemittelten, aber talentvollen Jüngling zum Entſagen ſeines Vorhabens nöthigen. Iſt dagegen die Volksſchule, was ſie ſein ſoll, wird in ihr ein feſter, ſicherer Grund und Boden gelegt und angebaut, auf dem die Weiterbildung ruht; ſo findet in ihr der Bildung ſuchende Adſpirant unter der Leitung eines braven, gemüthlichen Lehrers dazu eine ganz geeignete Gelegenheit. Und bedurfte dieſe Behauptung noch


