Aufsatz 
Abhandlung über die Vorbildung der Aspiranten für das Schullehrer-Seminar
Entstehung
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die Schuld, wenn Subjecte der Art ſpäter in ihrem Amte nicht mit Segen wirken, den Forderungen, die man an ſie machen muß, nicht entſprechen. Wo kein inne⸗ rer Beruf für das Schulamt iſt, da ruft ihn ſelten das Seminar hervor. Daher ſollte dieſe Angelegenheit das Werk der aufmerkſamſten Beobachtung und eines darauf gegründeten Urtheils uͤber die geiſtige Beſchaffenheit junger Leute von Sei⸗ ten der Eltern und Lehrer ſein, und mit der Neigung der das Schulamt Wählen⸗ den durchaus übereinſtimmen. Das Seminar wird ferner der aufgeſtellten Beſtimmung nur dann nachkom⸗ nen können, wenn diejenigen, die ſich für das Schulamt beſtimmen, dazu körper⸗ lich geeigenſchaſtet ſind. Zum Lehrer kann nur derjenige berufen ſein, welcher einen geſunden, ſtarken, von entſtellenden Gebrechen freien Körper, ein geſundes Auge und Ohr, gut ausgebildete Sprachwerkzeuge und eine geſunde Bruſt hat. Ohne einen geſunden, ſtarken Körper unterliegt der junge Menſch nicht ſelten ſchon den Mühen und Anſtrengungen, welche mit der Vorbereitung für den Beruf un⸗ vermeidlich ſind, und ſchleppt er ſich auch durch das Seminar, ſo iſt er doch zur kräftigen Fuͤhrung einer Schule unfähig und büßt die verfehlte Wahl bald mit dem Tode. Es iſt nicht möglich, bei ſchwächlichem Körper, beſonders bei ſchwa⸗ cher Bruſt, Tag für Tag bei unvermeidlichem Schulſtanbe ſtundenlang zu ſprechen, bald ermahnend, bald warnend, unter mancherlei Gemuthsaffectionen eine, zahlreiche Schnle anhaltend zu beleben und nach Verhältniß ihrer Bildungsſtufe zu beſchäf⸗ tigen. Eine ſolche Anſtrengung erfordert gewiß einen körperlich kräftigen Mann mit einer geſunden Bruſt. Daher iſt es nicht wohlgethan, wenn Eltern ihre körper⸗ lich ſchwachen Söhne, wie dieſes nicht ſelten der Fall iſt, zum Schulfache beſtim⸗ men, weil ſie die irrige Meinung haben, als fordere dieſes Fach keine ſonderliche, körperliche Kraft. Außer einer geſunden Bruſt ſind gut ausgebildete Sprachwerk⸗ zeuge ein nothwendiges Erforderniß, weil das Amt dem Lehrer ein reines, lautes, dem Ohre wohlthuendes Sprechen zur Pflicht macht. Wie kann von den Schuͤlern eine reine, richtige Ausſprache verlangt werden, wenn ihnen der Lehrer hierin nicht Muſter iſt? Zwar könnte die Einwendung gemacht werden, daß das Semi⸗ nar dieſen Fehler zu beſeitigen habe; die Erfahrung lehrt aber, daß ein von Ju⸗ gend auf eingewurzelter Fehler nicht leicht verbannt wird, zumal, wenn ein wirk⸗