Aufsatz 
Abhandlung über die Vorbildung der Aspiranten für das Schullehrer-Seminar
Entstehung
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will; er muß des Weges ſchon kundig ſein, den die Schuͤler an ſeiner Hand gehen ſollen, wenn es ihm gelingen ſoll, das ihm geſteckte Ziel zu erreichen. Und dem Lehrer dieſe Reife zu geben, ihm den Weg zu zeigen, das iſt die eigentliche und wichtige Aufgabe des Schullehrer⸗Seminars.

Das Seminar ſoll ſeiner weſentlichen Beſtimmung zufolge dem angehenden Lehrer theoretiſch und praktiſch Anleitung geben, wie der Unterrichtsſtoff mittelſt einer nach richtigen didaktiſchen Grundſätzen geregelten Methode auf eine wahrhaft bildende Weiſe zu behandeln, wie eine Schule zu leiten und der Beruf eines Lehrers und Erziehers der Jugend in ſeinem ganzen Umfange würdig zu erfüllen ſei.

Das Seminar kann und wird dieſer Beſtimmung nachkommen, wenn zunächſt diejenigen jungen Leute, welche das Schulamt wählen, auch entſchiedene Neigung und innern Beruf dazu haben.

Die Wahl des Berufs iſt ein im Leben des Menſchen höchſt wichtiges Er⸗ eigniß, nicht allein für ihn ſelbſt, ſondern auch für die menſchliche Geſellſchaft und in letzter Beziehung um ſo wichtiger, je höhere Intereſſen von einer tüchtigen Berufsfuührung abhangen. Daher tragen auch gewiſſenhafte Eltern Bedenken, ihren Söhnen irgend einen Beruf einzureden; fie laſſen dieſelben in der Regel ſelbſt wählen. Viele junge Leute kennen aber ſich ſelbſt, ihre Kraft, ihre Ausdauer nicht genau; ſie ſind namentlich nicht im Stande, das Schulamt nach den mit ſeiner Uebernahme verbundenen Arbeiten und Beſchwerden gehörig zu würdigen; laſſen ſich häufig von einer ihnen in die Augen fallenden Außenſeite beſtechen; waͤhlen ehne ernſten Blick einen Beruf, zu welchem ihnen die nöthigen Eigen⸗ ſchaften fehlen; bereiten ſich auf denſelben ohne Segen vor und wirken in demſel⸗ ben ohne Segen. Andere werden von ihren Eltern in das Schulamt gedrängt, weil dieſe glauben, daß zu dieſem Amte jeder einigermaſſen Unterrichtete tauge, oder weil ſie an der körperlichen Kraft des Sohnes für einen andern Beruf ver⸗ zweifeln, oder weil ſie kein paſſenderes Geſchäft fuͤr ihn auffinden können. Wer⸗ den durch dieſe und andere Beweggründe junge Leute in das Schulamt gedrängt, zu welchem ſie keinen Beruf haben; ſo trägt die Anſtalt für angehende Lehrer nicht