Aufsatz 
Abhandlung über die Vorbildung der Aspiranten für das Schullehrer-Seminar
Entstehung
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Uebung aneigne; daß fruͤhe ein frommer, gottesfürchtiger Sinn in ihm geweckt und es dadurch tüchtig werde, ein geſittetes und für die Geſellſchaft nützliches Le⸗ ben zu führen: das iſt das Einfache, aber Wichtige und Große, was die Volks⸗ ſchule bezweckt. Sie lehrt nichts Unnöthiges und Entbehrliches, nichts fürs bloße Wiſſen und Sprechen; aber alles Erſte, was zu erkennen nöthig iſt, um die all⸗ gemeinen Menſchenzwecke zu erfüllen; was für jeden Menſchen des fernern Durch⸗ denkens und Behaltens ſtets werth iſt, das lehrt ſie genügend und vollſtändig. Leiſtet ſie dieſes wirklich, ſo iſt ſie ihrem Plane nach zweckmäßig und ihren Wir⸗ kungen nach gut. Die Volksſchule beabſichtigt alſo Wichtiges, und das Opfer, welches der Staat durch die Volksſchule der Volksbildung, der echten Geiſtes⸗ und Herzensbildung der Geſammtheit bringt, iſt deßhalb vollkommen gerechtfertigt, weil Volksbildung die Erlöſung von allen Grundübeln des Familien⸗ und öffentlichen Lebens, zugleich aber auch der einzige und ſichere Weg zum Beſſerwerden, zum wahren Heil der Menſchheit iſt. Auf dieſem Wege der leiblichen und geiſtigen Noth des Volkes Einhalt zu thun; ihm zu helfen, daß es veredelt und beglückt werde; dieß muß das Streben Aller ſein, die es mit dem Volke wohl meinen und für eine höhere Entwicklung des Menſchengeſchlechs begeiſtert ſind.

Iſt aber Volksbildung der einzige und ſichere Weg zum Beſſerwerden; ſo iſt das Amt des Volksſchullehrers, weil er das belebende Princip, die Seele der Volksſchule iſt, ein höchſt wichtiges und bedeutſames, und deſſen Bildung die Bedingung der Volksbildung. Wer daher Volksbildung will, muß Lehrerbildung wollen; denn dieſe geht jener vorher, oder beide gehen Hand in Hand. Mit der Lehrerbildung ſteigt und fällt die Volksbildung, und wer für deren Bildung ſorgt, erwirbt ſich große Verdienſte um das Wohl des Vaterlands. Iſt der Lehrer ein gebildeter, tüchtiger Mann, der den Zweck der Schule nicht nur im Auge hat, ſondern denſelben auch mit Treue und Eifer zu erfüllen ſtrebt; iſt er ein einfacher, frommer Mann, fleißig, treu, gewiſſenhaft in ſeinem Berufe: ſo iſt ſein Einfluß auf den geiſtigen und ſitilichen Zuſtand des Volks groß und unverkennbar. Aber nicht erſt im Amte ſelbſt darf der Lehrer ſich bilden und das kennen lernen wollen, was zur wuͤrdigen Führung ſeines Amts gehört; nein, er muß eine gewiſſe Reife ſchon mit ins Amt bringen, wenn er es wuͤrdig führen