Aufsatz 
Die Lehre von der Rechtfertigung aus dem Glauben : vom ethischen Gesichtspunkte aus dargestellt / von August Dieckmann
Entstehung
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VIII, 5) den Schlüſſel zum Verſtändnis ſeiner Irrgänge und ſeines Unvermögens, zu Gott hindurch⸗ zudringen, nachdem er lange vergeblich auf dem Wege verſtandesmäßiger Erkenntnis Gott und ſein Heil geſucht hatte:Velle meum tenebat inimicus, et inde mihi catena mfecerat et constrinxerat me. Quippe ex voluntate perversa facta est libido; et dum servitur libidini, facta est consuetudo; et dum consuetudini non resistitur, facta est necessitas... Voluntas autem nova, quae mihi esse coeperat, ut te gratis colerem fruique te vellem, Deus, sola certa iucunditas, nondum erat idonea ad superandam priorem vetustate roboratam. Iſt der Wille rein und aufs Gute gerichtet, ſo iſt die Dispoſition des Menſchen zum Glauben gegeben(Matth. 5, 8). Der Glaube iſt Sache ſittlichen Könnens und ſittlicher Uebung. Er kann daher auch definiert werden als das Eingehen des menſchlichen Willens auf den göttlichen, als die Unterwerfung unſeres Willens unter Gottes Willen.Dein Wille geſchehe!(Matth. 6, 20) heißt die Loſung des Glaubens. Alle Willensregungen aber wurzeln in dem Herzen, im N. T. iſt daher die aεda der Ausgangspunkt des Glaubens. So heißt es Röm. 10, 10: τ‿ ς sstat els StXαιοοσ ν⁷. Vgl. Pascal: Dieu a voulu, que les vérités divines entrent du coeur dans l'esprit et non pas de l'esprit dans le coeur. Der Glaube iſt die Probe auf unſere Herzensreinheit; Unglaube und Sünde ſind nach dem N. T. Correlatbegriffe. Röm. 14, 23:Was nicht aus dem Glauben geht, das iſt Sünde(rã⁴y 5⁸ 5 00% να mπts Áaetia Sorlvy). Der Glaube iſt zunächſt und weſentlich Geſinnung. Als innere, ſpontane That der Hinbewegung des Willens zu Gott und des Aufgehenlaſſens alles Eigenwillens in den göttlichen Willen ſchließt er jedoch naturgemäß alle äußeren guten Thaten in ſich, er enthält die lebenskräftigen Keime zu allen guten Werken. Wo Glaube iſt, da iſt auchGehorſam des Glaubens(ö αmQ,h᷑ ůT orsche, Röm. 1, 5). Ich ſehe darin allerdings mehr als eine bloßeAnnahme der Heilsbotſchaft, wie Weiß, Bibl. Theil des N. T.§ 82, d jenen Begriff deutet. Nichts iſt innerlicher als der Glaube, aber nichts treibt ſo ſehr wie er zum äußeren Thun. Luther ſagt:Glaube iſt ein göttlich Werk in uns, das uns wandelt und neu gebieret aus Gott und tötet den alten Adam, macht aus uns ganz andere Menſchen... O, es iſt ein ledendiges, geſchäftiges, mächtiges Ding um den Glauben, daß unmöglich iſt, daß es nicht ohne Unterlaß Gutes wirken ſollte. Er fragt auch nicht, ob gute Werke zu thun ſind, ſondern ehe man fragt, hat er ſie gethan und iſt immer im Thun. Daher iſt ein Gegenſatz von Glauben und wahrhaft guten Werken von vornherein ansgeſchloſſen, ebenſo ein Gegenſatz von Glaube und Geſetz im Sinne des Sittengeſetzes; Röm. 3, 31:Heben wir denn das Geſetz auf durch den Glauben? Das ſei ferne! Sondern wir richten das Geſetz auf(véy loravosy). Nur wenn das Geſetz in falſcher, phariſäiſcher Außerlichkeit verſtanden wird, ſchließen ſich Glaube und Geſetz aus, und nur wenn die guten Werke bloße opera operata ſind, iſt die Polemik gegen ſie vom Glaubens⸗ ſtandpunkte aus am Platze. Der Glaube bewährt ſich nach den verſchiedenen Lebenslagen bald als mutiges Vertrauen auf Gott(Jeſ. 28, 16:Wer glaubet, der fliehet nicht, vgl. Hebr. 10, 39), bald als Feſtigkeit und Geduld(Hab. II, 3 und 4, gegenüber dem trotzigen, ungeduldigen Eigenwillen), bald als Ergebung, bald als Demut, als Gehorſam u. ſ. w. Vor allem aber bewährt ſich der Glaube in der Liebe. Paulus, der Mann des Glaubens, hat ſich in 1 Cor. 13 zugleich als den Herold der Liebe erwieſen; von ihm ſtammt das Wort vom Glauben, der in der Liebe thätig iſt(Gal. 5, 6: niorts d Irann Sweg onsyn). Wie könnte es auch anders ſein, wenn