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Gott das Objekt des Glaubens iſt, Gott, der doch die Liebe iſt! 1. Joh. 4, 16:„Gott iſt die Liebe, und wer in der Liebe bleibet, der bleibet in Gott und Gott in ihm.“ Der Glaube an Gott und die Liebe zu Gott ſind unzertrennlich verbunden. Die Liebe zu Gott aber iſt die Quelle der Nächſtenliebe. So iſt denn mit dem Glauben die ganze Fülle der Erweiſungen der Nächſtenliebe im Keime gegeben und verbürgt. Es iſt daher nur folgerichtig, daß, wie die Liebe als des Geſetzes Erfüllung bezeichnet wird(Röm. 13, 10: ⁄οñ vénon rann, vgl. V. 8 und Gal. 5, 14), ſo auch der Glaube in der hl. Schrift als der Weg zur Gerechtigkeit d. h. wahren Sittlichkeit, ja potentiell als die von uns geforderte Gerechtigkeit ſelbſt erſcheint. So ſchon im alten Teſtament; Jer. 5, 3: „Herr, deine Augen ſehen nach dem Glauben“(o.) und 5, 1:„Suchet, ob ihr jemand findet, der recht thue und nach dem Glauben frage, ſo will ich ihr(Jeruſalem) gnädig ſein(5 = ſo will ich ihr vergeben).“ Mögen manche ſolcher Stellen des A. T. nur ſehr verhüllt das Weſen des Glaubens im neuteſtamentlichen Sinne hervortreten laſſen, ſo erſcheint die neuteſtamentliche Lehre von der Erlangung der Gerechtigkeit und folgerecht der Rechtfertigung aufs deutlichſte vorgebildet in Gen. 15, 6: „Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit“: (N H Nw rda e).
Auf dieſe Stelle beruft ſich Paulus Röm. 4, 3(Enloteuos 5 AHadν dec, al XlOD i ei Searoo“y), um zu zeigen, daß das Chriſtentum in ſeiner Lehre von der„Recht⸗ fertigung aus dem Glauben“ nur die conſequente Fortbildung und Entfaltung der recht verſtandenen, wahrhaft israelitiſchen(vgl. Röm. 2, 28 und 29) Religion iſt. Im Glauben Abraham's war die richtige, normale Stellung ſeines Herzens und Lebens zu Gott principiell gegeben, in ſeinem Glauben lag für Gottes alldurchdringendes Auge die ganze reiche Fülle ſittlicher Lebensfrüchte bereits im Keime fertig vor, um ſeines Glaubens willen konnte daher Gott dem Abraham die Gerechtigkeit zuerkennen; denn„Gott ſiehet das Herz an“(1 Sam. 16, 7). Aus dem Beiſpiel des Glaubenhelden Abraham entwickelt nun Paulus Röm. 4, 5 den allgemeinen Grundſatz, daß der Glaube uns als diXOSbyn von Gott zugerechnet wird. Es handelt ſich für den Apoſtel um nichts Geringeres, als um die Gewinnung des rechten, allein giltigen ſittlichen Princips, wenn er ſagt: do 5 KLn gao5vp, riorebvrt 5E.. No†ieerar 1 roris 2o els SMalοσο νν.“ Der Sinn iſt: Nicht das äußere Thun entſcheidet bei Gott zu unſeren Gunſten, ſondern allein die fromme Geſinnung. Der richtig verſtandene Paulus rechtfertigt die Erklärung nicht, welche Weiß (Bibl. Theol. des N. T.§ 82, c) dem pauliniſchen Glaubensbegriffe mit den Worten giebt:„Der Glaube ſchließt auch jede im Geſetz geforderte Geſinnung(sic) aus... Er iſt der Gegenſatz aller menſchlichen Leiſtung, er iſt ein Verzichtleiſten auf alles eigne Thun und Erwerben(sic), ein Sichver⸗ laſſen auf etwas anderes, ein Vertrauen.“ Als die richtige Herzensbeſchaffenheit umfaßt der Glaube alle edlen Motive, die allein einer Handlung ſittlichen Wert geben, und als lebendige, von Gott in Be⸗ wegung geſetzte ſittliche Triebkraft enthält der Glaube potentiell alle guten Thaten in ſeinem Schoße. Darum vermag Gottes Gnadenurteil, im Einklang mit ſeiner Gerechtigkeit, den Glauben als Aqui⸗ valent der thatſächlich allerdings noch immer unvollkommenen Leiſtungen anzuſehen und zu erklären. Der Gedanke an einen Rechtsanſpruch, an die Berufung des Glaubenden auf irgend welche äußere oder innere Leiſtung und ein dem entſprechendes Verdienſt iſt durch die oben entwickelte religijſe Natur des Glaubens als des Correlats zur Gnade ausgeſchloſſen. Die mit dem Glauben


