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einem Teile der Menſchen ſich zuwendend, dem andern aber ſich verſchließend? Beides aber iſt unzuläſſig. Wir haben oben jede Willkür aus dem Weſen der Gnade ausgeſchloſſen. So erhebt ſich denn von neuem das Rechtfertigungsproblem und concentriert ſich in der Frage: Wie kann Gott in dem ſündigen Menſchen der Urheber der Gerechtigkeit ſein und doch dabei die dem Menſchen gemäß ſeinem Verhalten vergeltende Gerechtigkeit Gottes in ungeſtörter Geltung bleiben?
Die richtige Löſung dieſer Frage gibt uns Paulus an die Hand, indem er Röm. I, 17 hinter „Sttοοσνν do dεοο v Aε αι μάeηααs at“ folgen läßt„Ex egree eis egrtv, und indem er III, 22 zur Erläuterung von III, 21 ſagt: 5rXaοονσν 5 dο tA ioreee XSIOTOO, eig ndyrac dal ent dyas ode mrsvras. Die Löſung des Rechtfertigungsproblems, die durch den erſten Hauptbegriff, den Paulus einführt, die 51 1 00 o, nur erſchwert zu ſein ſchien, vollzieht ſich durch den zweiten Hauptbegriff, den Begriff des Glaubens. Auch jetzt noch laſſen wir, dem Apoſtel Schritt für Schritt in ſeiner Gedankenentwicklung nachgehend, die Perſon Chriſti, ihr Leben und Werk bei Seite und ſuchen im Glauben als ſolchem das Mittel, um die Antinomie zwiſchen Gottes Gnade und Gerechtigkeit zu heben. Und im Glauben bietet ſich die friedliche Löſung dar. Denn der Glaube iſt der Einigungspunkt für das göttliche und das ſittlich menſchliche Wirken. Im Gläubigen iſt es ebenſowohl Gott, der die Sittlichkeit, drννοοσ¶, wirkt, als der Menſch, der ſie ausübt. Im Glauben wird der Menſch Gottes Werkzeug, ohne an ſeiner Selbſtändigkeit Einbuße zu erleiden; im Gegenteil, im Glauben wird der Menſch unter Gottes Einfluß wahrhaft frei und ſelbſtthätig, denn „Deo servire summa libertas est“(Auguſtin).
Es iſt auffallend, wie wenig oder doch wie wenig befriedigend gerade der Begriff der Dogmatik erörtert und bibliſch ermittelt zu werden pflegt, der doch in jeder Glaubenslehre an der Spitze ſtehen müßte: der Begriff des Glaubens ſelbſt. Was iſt Glaube? Die Feſtſtellung dieſes Begriffes hat eine unberechenbare Tragweite. Gelänge es, in dieſem grundlegenden Begriffe eine Uebereinſtimmung zwiſchen den chriſtlichen Bekenntniſſen zu erzielen, ſo wäre die Wiedervereinigung der chriſtlichen Kirchen um einen erheblichen Schritt ihrer Ausführung näher gerückt.
Iſt es aber, möchte man fragen, überhaupt möglich, in eine kurze Definition zuſammenzudrängen, was die Fülle des Chriſtentums ausmacht? Faſt ſcheint es, als könne die Definition des Glaubens gar nicht weit genug gefaßt werden. Aber wiederum bedarf dieſer Begriff einer ſtrengen und alles ihm Fremdartige ausſchließenden Fixierung, damit wir uns nicht in unfruchtbaren und irreleitenden allgemeinen Redensarten verlieren. Der Glaube hat ſeine religiöſe und ſeine ſittliche Seite. Beide Seiten ſind aufs engſte verbunden. Wo die religiöſe Seite verkannt wird, ſchrumpft auch die ethiſche zuſammen. Und wo, wie meiſtens geſchieht, die ethiſche Natur des Glaubens überſehen, ja ſogar gefliſſentlich unterdrückt wird, kommt auch das religiöſe Moment nicht zu ſeinem Rechte. Die religiöſe Seite des Glaubens beruht darin, daß Gott ſowohl der Gegenſtand als der letzte Urheber des Glaubens iſt. Glaube iſt weſentlich Vertrauen auf Gott. Luther ſagt:„Der Glaube iſt ein ſolcher Mut im Herzen, da man ſich zu Gott alles Guten verſieht.“ Gott iſt der Stützpunkt, auf den ſich der Menſch ſtützt, von dem er annimmt, daß er und er allein feſtliege und für alles außer ihm Liegende beſtimmend und bedingend ſei. Auch in dieſer Hinſicht bewährt ſich das alte Teſtament als die Baſis des neuen Teſtamentes. Das o des A. T. bedeutet: etwas für feſt halten, ſich darauf


