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ſtellung des forenſiſchen Sinnes von 5rxaté iſt das Problem noch lange nicht gelöſt. Es fragt ſich: Woraufhin ſpricht Gott den Sünder von Sünde und Schuld frei? Auf welcher Baſis erhebt ſich ſein gerechtſprechendes Urteil? Das Urteil, durch das Gott jemanden für gerecht erklärt, kann freilich nach dem oben Entwickelten nur ein Gnadenurteil ſein, und in erhöhtem Maße gilt dies, wenn ein Menſch als Sünder in Betracht kommt. Eben hier nun aber hat es ſich zu bewähren, daß die Gnade Gottes niemals im Konflikt mit ſeiner Gerechtigkeit gedacht werden darf. Letzteres würde eintreten, wenn die Gnade ſchlechtweg in dem Sinne als ſündenvergebende Liebe Gottes gefaßt würde, daß Gott einfach von der Sünde und Schuld des Sünders ohne Genugthuung abſähe. Es fragt ſich alſo: Unter welchen Bedingungen kann ein Gnadenurteil Gottes, das den Sünder von Sünde und Schuld losſpricht, erfolgen, ohne daß Gott ſeiner Gerechtigkeit etwas vergiebt? Der Apoſtel Paulus hat im Römerbrief die Löſung dieſes Problems unternommen, und die evangeliſche Kirche hat hauptſächlich unter Bezugnahme auf ſeine Ausführungen im Römer⸗ und Galaterbrief im Gegenſatz zur katholiſchen Anſchauung ihre Rechtfertigungslehre begründet. An der orthodox⸗proteſtantiſchen Geſtaltung dieſer Lehre, wie ſie die Dogmatik des 17. Jahrhunderts in klaſſiſcher, in ihrem formalen Aufbau auch von einem Leſſing bewunderter Weiſe geliefert hat, rügt nun Ritſchl mit Recht, daß ſie den ethiſchen Charakter des Chriſtentums nicht zur Geltung bringe. Ebenſo wenig wird ſie der durchaus ethiſch gearteten Lehre des neuen Teſtamentes von der Rechtfertigung gerecht, auch befriedigt ſie die rationalen Erforderniſſe nicht. Indem Paulus im Römerbriefe darauf ausgeht, den nach Eintritt der Sünde ſcheinbar unüberwindlichen Gegenſatz zwiſchen Gnade und Gerechtigkeit Gottes auszugleichen, läßt er im Eingang des Briefs die Bedeutung des Chriſtentums als der wahrhaft ethiſchen Religion dadurch hervortreten, daß er vom Evangelium ſagt, es verdanke die in ihm beſchloſſene Gotteskraft, uns zum Heile, zur dia zu führen, dem Umſtande, daß es die Gerechtigkeit d. h. Sittlichkeit darbiete, die unſeres Heils Grundlage und Bedingung iſt. Er macht ſich durch Aufſtellung ſeines Themas I, 17 anheiſchig, nach⸗ zuweiſen, wie das Evangelium dem ſündigen Menſchen die 3“Arogv“ vermittle, an die, wie wir ſahen, das Gnadenurteil Gottes als an ſeine Vorbedingung geknüpft iſt. Bei dem Satze drα‿ανα·O—uHtJ³ d200 Sv ποααλλεεs tat lors« eie roriy, xAdνς ꝓαmσμά—O 8 Sükxtog& r- grsce Shosrat kommt es vor allem auf die richtige Faſſung der Srratoe eo an. G. A. Fricke bezeichnet in ſeinem Buche über die Sruαια m˙εοο(Lyz. 1888) dieſen Begriff als den Centralbegriff pauliniſcher und proteſtantiſcher Lehre. In der That kann man ſagen, daß mit den Worten diXααο νπ dεκ das religiös⸗ſittliche Princip des Chriſtentums ſcharf und beſtimmt ausgeſprochen, daß darin in nuce die ganze Heilslehre beſchloſſen iſt. Den Nerv der chriſtlichen als der, am ſittlichen Maßſtabe gemeſſen, vollendetſten Religion legt Paulus damit bloß unter Beiſeitelaſſung alles deſſen, was erſt in conſequenter Durchführung jenes Princips zu ſeiner Geltung zu kommen hat. Nicht einmal Chriſtus wird genannt; das, was dem Evangelium in erſter Linie ſeinen einzigartigen Wert giebt, iſt der Umſtand, daß durch dasſelbe die Sruatoovn dsod enthüllt wird. Drängt ſich nun aber in ſolch knapper Form, in thematiſcher Kürze der ganze reiche Inhalt und die unendliche Bedeutung des Evangeliums zuſammen, ſo wird freilich von vornherein die Deutung dieſes pauliniſchen Cardinalbegriffs als eine ſehr ſchwierige erſcheinen, und es wird nun jede konfeſſionelle Auffaſſung des Chriſtentums, ſpeciell der Rechtfertigungslehre hier ihren Rückhalt ſuchen. Fricke unterzieht die mannigfachen Auslegungen der 5e-. 9*00 einer eingehenden Kritik und entſcheidet ſich ſeinerſeits für die Faſſung des Genetivs 900


