Aufsatz 
Aus dem Leben Karls des Großen
Entstehung
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hören, und ſtellte ſich vor den Altar am Grabe des S. Petrus ¹³⁰) Zum Segen kniete er nieder und als er ſich nach demſelben wieder erheben wollte, da ſchritt plötzlich der Pabſt wie gottbegeiſtert auf ihn zu und ſetzte dem überraſchten Könige eine goldene, mit dem Kreuze ge⸗ ſchmückte Kaiſerkrone ³¹) aufs Haupt. Und das geſammte Volk der Römer rief dreimal:Dem von Gott gekrönten Auguſtus, dem großen und friedfertigen Kaiſer der Römer Leben und Sieg. Als der Jubelruf des Volkes verſtummt war, verehrte*⁵²) der Pabſt den neuen Kaiſer, wie es bei den alten Fürſten Roms in Gebrauch geweſen und rief ihn zum Kaiſer und Auguſtus von Altrom aus. Sodann fand die Einſegnung ſtatt, welcher ſich Karl in aller Demuth fügte, und der Pabſt ſalbte ihn ¹⁵²) nach jüdiſcher Weiſe, ſchmückte ihn mit der kaiſerlichen Kopfbinde und umhüllte ihn mit dem Kaiſermantel ¹⁵⁴). Hierauf ſalbte Leo auch Karls älteſten Sohn, den jungen Karl ²³⁵), zum Thronfolger, um die Erblichkeit der Kaiſerwürde in Karls Familie ſicher zu ſtellen. Wie nun die Krönungsceremonien zu Ende waren, hielt der Pabſt das feierliche Hochamt als Feſtweihe des ewig denkwürdigen Auftrittes vor der glänzendſten Verſammlung Europas und ſchloß mit dem Segen der Kirche die kühnſte politiſche That des Jahrhunderts ab. Nach der Meſſe ſchenkte der Kaiſer eine Reihe der köſtlichſten Kunſtwerke ¹⁵6) dem Pabſte für ſeine Mitwirkung und ließ dann Denkmünzen zu Ehren des Tages ſchlagen mit der In⸗ ſchrift:Erneuerung des römiſchen Reichs. Seitdem wurden auf Befehl Karls alle Urkunden ¹⁵*) in der am byzantiniſchen Hofe gebräuchlichen Form ausgeſtellt und die Zahl der Indictionen (15jähriger Steuerperioden vom 1. September 312 an gerechnet) beigefügt, ohne daß jedoch dieſe Steuerperiode im Reiche zur Einführung gelangte.

Die Attribute der Kaiſergewalt, die von Stund an auf den abendländiſchen Kaiſer über⸗ gingen, waren nun 1) nicht nur die Pflicht und das Recht der Schirmvogtei über die römiſche Kirche; nicht bloß die Verpflichtung, den chriſtlichen Glauben gegen Andersgläubige im Innern und nach Außen zu vertheidigen, was ſchon Alles im früher von Karl beſeſſenen und i. J. 774 erweiterten Patriciate enthalten war, ſondern Karl wurde jetzt auch der legitime Inhaber der Souveränität im Kirchenſtaate, der Landesherr, während der Pabſt in der Stellung eines Landherrn, eines Patrimonialherrn, verblieb. 2) Die oberſte weltliche Gewalt über die Chriſtenheit(dominium mundi). War Karl ſchon durch ſeine Macht und ſeinen Ruhm über alle Fürſten Europa's erhaben, ſo war er's jetzt auch durch Titel und Rangſtufe. Gewann er auch keinen Fußbreit Landes durch die Kaiſerwerdung, ſo vererbten doch auf ihn alle Ländertitel

an. Bouquet 467. 150) Coram corpus S. Petri. Bouquet 66. confessionem Petri. Moissiac. 151) Ueber die Krone Kantenſes bei Pertz 2, 223. Die kaiſerliche Reichskrone, welche von Karl herrühren ſollte und in Nürn⸗ berg verwahrt wurde, beſtand aus 8 oben zugerundeten Goldblechen, welche mit geiſtlichen Figuren und Edelſteinen geziert waren. Auf dem vorderen Goldbleche ſtand ein Kreuz, von dem ein halber Bogen auf das gegenüber⸗ ſtehende Goldblech ging. Hiervon verſchieden iſt die von Kaiſer Rudolph II. eingeführte kaiſerliche Krone oder Hauskrone. Schatzen Atlas homann. illustrat. 1, 55. Zu den Inſignien des griechiſchen Kaiſerthums gehörten noch Reichsapfel, Scepter, Adler und Purpurmantel. 152) post. laudes. Einhard an. a plebe decantatas ſagen Moiſſiac. Adoratus est a pontiſice nach Anaſtaſius, d. h. Leo berührte mit der einen Hand ſeine Lippen, mit der andern die Hand des Gekrönten und neigte ſich gegen ihn. Leibnitz 211. Gibbon 889. 153) Griechiſche Quellen erzählen, daß der Pabſt den Kaiſer von Kopf bis zu den Füßen geſalbt hätte. Bouquet 188 397. Der ſpätere Gebrauch(ſiehe Quad von Kinkelbachs Krönung Karls V. bei Piſchon Denkmäler 2, 506) war, den Kaiſern Bruſt, Haupt, zwiſchen den Schultern und in den flachen Händen zu ſalben. Pertz 2, 611 erwähnt die Inful. 154) Romae, semel, Adriano pontifice petente et iterum Leone supplicante longa tunica et chlamyde amictus calceis quoque Romano more formatis induebatur. Einhard v. c. 23. 155) Idler 1, 212. Andere nennen fälſchlich Pippin. Bouquet 466. Leibnitz 211. 156) Idler 1, 237. 239. Einhard v. c. 27. 157) Leibnitz