Aufsatz 
Aus dem Leben Karls des Großen
Entstehung
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und Vorrechte der alten Cäſaren, ihre Machtfülle und ihre geſetzgeberiſche Befugniß, was für die Zukunft von unberechenbarer Wirkung wurde. Der Vorrang*³s) des Kaiſers vor allen weltlichen Fürſten war ſtets unbeſtritten. Dagegen erkannte das nebenbuhleriſche Frankreich nach dem Auseinanderfallen des karolingiſchen Reiches die Unterwürfigkeit unter das römiſche Reich nicht an, ſondern gewährte dem Kaiſer nur das Anſehen eines Erſten unter Seinesgleichen. Auch konnte die oberſtrichterliche Gewalt des Kaiſers, welche zur Beruhigung der mittelalterigen Menſchheit höchſt förderlich geweſen wäre, nicht zur anerkannten Geltung gebracht werden. 3) Eine Erhöhung der perſönlichen Majeſtät ¹³*) des Obherrn, welche noch dadurch gefördert wurde, daß die Kaiſerwürde eine eine und untheilbare 6⁰) war, während das Königthum Theilungen, z. B. bei Merovingeru und Karolingern begünſtigte.

Und ſo faßte auch Karl ſeinen neuen Standpunkt als der Höchſte auf Erden ¹⁹⁷) auf. Vor allem befliß er ſich im Laufe des Winters(denn er verließ Rom erſt am 25. April 801) ſein Verhältniß zum Kirchenſtaate zu regeln. Zuerſt ließ er vor dem Reichsrathe die römiſche Oppoſition nach römiſchem Rechte richten, wandelte jedoch auf Leo's Verwendung das Todes⸗ urtheil in Landesverweiſung um. Sonach wurden Paſchalis, Campulus und viele römiſche Edelleute nach Frankreich abgeführt*6*). Nun befahl Karl den Römern in Stadt und Land, den Huldigungseid als Kaiſerliche*³) zu leiſten, unbeſchadet der dem Pabſte geleiſteten Treue; auch ſollte kein Pabſt geweiht werden, ehe er dieſen Eid in Gegenwart des königlichen Send⸗ boten und des Volkes geleiſtet. Rom ward fortan eine Reichsſtadt und auf den römiſchen Munzen prangte des Kaiſers Bildniß. Alle Richter im Kirchenſtaate ließ ſich der Kaiſer vor⸗ ſtellen und ermahnte ſie ſtreng an ihre Verrichtungen 16*). Ja bei Rechtsſtreitigkeiten zwiſchen dem Pabſte und ſeinen Unterthanen war der Sendbote Oberrichter, von dem jedoch an den Kaiſer appellirt werden konnte ²³).

In derſelben Weiſe, wie zu Rom, verfuhr der Kaiſer, als er im Jahre 801 und 802 in Aachen einen beinahe permanenten Reichstag abhielt. Er befahl den Sendboten, deu Hul⸗ digungseid ¹⁶⁶) für den Kaiſer von allen Unterthanen bis zum 12. Jahre zu fordern, auch die hoͤhere Wichtigkeit des neuen Eides Allen zu verdeutlichen, daß derſelbe namentlich nicht,

218. So iſt z. B. anno 801, indict. IX= der 33ſten Indiction im 9. Jahre. 158) Die ſpaniſchen und engliſchen Fürſten nannten ſich Karls Untergebene. Einhard v. c. 16 Moissiac. Warnkönig franzöſiſche Staats⸗ und Rechtsgeſchichte 1, 510 p. 159) Aßmann a. a. O. 120. 121. 160) Patet summum jus in Romam et Romanae ecclesiae ditiones hic intactum ei(bei der Reichstheilung 806) reservatum fuisse qui im- perator appellaretur. Leibnitz 241. 161) So Hludwig der Fromme im Diplom für das Hamburger Bistbum. Idler 2, 151 si specialibus cujusque fdelium nostrorum necessitatibus perspectis subveniendum esse imperialis auctoritas monstrat, quanto magis ad debitam generalitatis providentiam aequum dignumque pertinet ut ecclesiae catholicae ac apostolicac quam Christus nobis regendam trendamque commisit piam in cunctis oportet gerere curam. 162) Bouquet 467. Einhard ann. Pertz 5, 720 NB. 2. 163) Annal. Loisel. a. 801. nam Carolus revera Dominus urbis romanae non tantum publicas, sed etiam ecclesiasticas et privatas res Romae ordinavit. Die Eidesformel Pertz 3, 240. 4, c. spuria 159. Idler I. 140 142. Karls Teſtament zählt Rom zu den Reichsmetropolen. Einhard vit. c. 33. Rom war noch zur Zeit Karls des Dicken unter dem Kaiſer. Leibnitz 739. Regino 1, 568 über die Rechtsverhältniſſe Pertz 5, 72. Dagegen beſtätigten die Kaiſer die Privilegien und den Grundbeſitz der römiſchen Kirche. Leibnitz 310. nostra territoria bei Idler 1, 148 NB. vestro et nostro servitio Terracinam subjugavimus. Leibnitz 95. 131. 164) Lotharii I (Lonstitutio§. 4. Idler 2, 337. 165) Leibnitz 395. So blieben Roms Verhältniſſe ungefähr bis auf Kaiſer Hludwig II. 166) Eidesformel Leibnitz 216. Einhard v. c. 29. Idler 1, 206. 2, 189. Pertz 1, 45. Bouquet 30. Im Jahre 806 übergab er zu Nimwegen den Sendboten den Befehl, daß Jeder im Reiche der von ihm im Februar zu Thionville gemachten Reichstheilung eidlich zuſtimmen ſollte. Nochmaliger Huldigungseid 812, kurz