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Sitz des h. Apoſtelfürſten Petrus durch Stellvertretung zu beherrſchen pflegt. Die zweite iſt die kaiſerliche Würde und weltliche Macht des zweiten Roms Wie ſchändlich der Inhaber jenes Reiches abgeſetzt ſei, nicht von Fremden, ſondern von ſeinen eigenen Unterthanen und Mit⸗ bürgern, iſt Jedermann bekannt. Die dritte iſt die Königswürde, mit der Gott dich zum Lenker des Chriſtenvolkes geſetzt hat. Dieſe Würde iſt durch Macht herrlicher, durch Weisheit ſtrahlender, durch das Anſehen des Reiches erhabener, als die übrigen Würden. Siehe, auf dir allein ruht die Wohlfahrt der Kirche Chriſti. Sind nicht in dem römiſchen Sitze, wo die frömmſte Reli⸗ gioſität einſt ſtrahlte, gerade die Thaten der ¹²*) äußerſten Gottloſigkeit aufgetaucht? Doch muß man keineswegs die Heilung des Hauptes unterlaſſen. Eher mögen die Füße leiden als das Haupt. Mache wo möglich mit dem ſchändlichen Volke Frieden; laß an Drohungen nach, damit ſie nicht verſtockt entfliehen; ſondern halte ſie in Hoffnung zurück, bis ſie durch heilſamen Rath zum Frieden zurückgerufen werden. Man muß behalten, was man hat, damit man nicht über der Gewinnung eines kleinern Vortheils ¹²⁸) eine größere Sache einbüße. Man muß ſeinen eigenen Schafſtall hüten, auf daß der räuberiſche Wolf ihn nicht verwüſte. Mit fremden Sachen ſoll man ſich nur inſoweit abmühen, als man darüber am eigenen Gute keinen Schaden leidet.“
Alcuins verſöhnliche Politik errang das Uebergewicht im Rathe des Königs und Karl be⸗ ſchloß, vor Allem den Pabſt in den vorigen Stand ²²²) wieder einzuſetzen, dann die Streit⸗ fragen in Rom zu ſchlichten und ſich dort die Kaiſerkrone zu holen. Er ſchickte daher im November den Pabſt, vom Könige Pippin und 7 königlichen Commiſſären begleitet, über die Alpen zurück und am 29. November 799*³⁰) zog Leo wieder in Rom ein. Am 30. ward er von den Com⸗ miſſären wieder in den Lateran eingeführt. Darauf ließen die Commiſſäre ³²⁴) die Gegner des Pabſtes verhaften und nach Frankreich bringen. Da die Verhafteten aber politiſche Verbrecher ²³²) waren, die von einer Reichsverſammlung abgeurtheilt zu werden pflegten und andrerſeits die Jahreszeit eine Römerfahrt, zu welcher überdieß große Vorbereitungen erforderlich waren, nicht begünſtigte, ſo verſchob Karl Alles aufs nächſte Jahr.
Während dieſer Zeit hatten auch Karls Bemühungen, das Protectorat über die heiligen Stätten in Jeruſalem zu erhalten, einen günſtigen Erfolg gehabt. Schon 2 Jahre zuvor hatte er zu dieſem Zwecke Geſandte an den abaſſidiſchen Khalifen Harun al Raſchid ¹) geſchickt und Harun räumte ſeinem großen Freunde, deſſen Feindſchaft gegen die Griechen er theilte, gern die Schirmvogtei über die heilige Stadt ein. Der Patriarch Georg von Jeruſalem über⸗ machte daher dem weltlichen Haupte der lateiniſchen Chriſtenheit die Schluͤſſel des hl. Grabes und eine Fahne, wofür ſich Karl der Chriſten in Paläſtina aufs eifrigſte annahm.
Auf Oſtern des J. 800 begab ſich dann Karl nach St. Niquier, wo er mit Angilbert ſich
127) Quos(Romanos) nos(Germani) tanto dedignamur, ut inimicos nostros commoti nil aliud contumeliarum nisi Romane dicamus, hoc solo, id est Romanorum nomine, quiequid ignobilitatis, timiditatis, avaritiae, luxuriae, mendacii, immo quicquid vitiorum est comprehendentes. Biſchof Liusprand in Legat. script. Ital. 2, 1 p. 481.— 128) Es iſt unbegreiflich, wie Leibnitz 188 dieß auf Sachſen beziehen will.— 129) Leo's Feinde barten nämlich die Beſitzungen St. Peters verbrannt und Boten mit Aunklageartiteln gegen den Pabſt an den könig⸗ lichen Hof geſandt. Pertz 1, 304.— 130) Pertz 1, 87.— 131) Leibnitz 207— 132) So wurden die Mit⸗ verſchwornen des thüringiſchen Herzogs Hardrad(Theganus 22), welcher Karl den Großen ermorden wollte, 786 vor dem Reichstage zu Worms(Bouquet 27) verhört und gerichtet. Leibnitz 120, 4.— 133) Einhard an. 801. Bouquet 474. Idler 1, 237. Leibnitz 210. Einhard vit. c. 27 und 16„et ei domini sui voluntatem indicassent, non solum quae petebantur fleri permisit, sed etiam sacrum illum et salutarem locum ut illius potestati adscriberetur concessit. Auf ebenſo gutem Fuße wie mit Harun ſtand Karl mit den Edriſiden in Fetz, ſchon um dem Khalifen von Cordova zu ſchaden. Pertz 2. 743. 752. Idler 2, 82 NB. 2. Einhard ann. ad an. 801. 797.


