Aufsatz 
Aus dem Leben Karls des Großen
Entstehung
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Albinus hielten ſich in der Peterskirche, bis auf die Nachricht von der Revolution in Rom Karls Botſchafter Wirundus Abt von Stabulae und Herzog Winichiſus ¹¹⁶) von Spoleto mit Heeresmacht zur Stadt hineilten, den Aufſtand vorläufig niederſchlugen und den Pabſt nach Spoleto in Sicherheit brachten. Von hier ſandte der gerettete Leo ſchleunigſt Boten 1) an den Frankenkönig mit der Nachricht der ihm zugefügten Mißhandlungen und mit der Bitte um Beiſtand. Sobald Karl die Botſchaft empfangen hatte, gab er den Befehl, den Pabſt mit den hoͤchſten Ehrenbezeugungen zu ihm nach Gallia zu führen, um mit demſelben perſönlich über die Sachlage verkehren zu können. Mit einem Gefolge von 203 Biſchöfen, Geiſtlichen und weltlichen Großen ſtieg nun Leo ²¹s) über die Alpen und traf den König zu Paderborn ¹¹⁹) im Lager, wo derſelbe ihn mit der größten Auszeichnung empfing ¹²0).

Allein ungeachtet dieſer Ehrenbezeugungen ging Karl, dem ſich jetzt ſo ungeſucht die Ce⸗ legenheit darbot, für Leo's raſche Wahl Genugthuung zu nehmen, darauf aus, um die fort⸗ währenden Unruhen in Rom gründlich zu beſeitigen, den Kirchenſtaat einzuziehen. Zugleich bielt er die Gelegenheit für günſtig, ſeine bisherigen Großkönigswürde in ein wahres Kaiſer⸗ thum umzuwandeln. Zu letzterem Unternehmen ermunterte ihn hauptſächlich das Verfahren der bpzantiniſchen Kaiſerin⸗Mutter Irene gegen ihren Sohn und Kaiſer Conſtantinus VI. Porphyrogeneta. Den unklugen Jüngling, welcher es nicht nur mit ſeiner Mutter, ſondern auch mit dem Patriarchen von Conſtantinopel und den Generalen verdorben hatte, ergriffen von der Mutter angeſtiftete Verſchwörer, blendeten ihn und ſetzten ihn ab*¹). Das geſchah im J. 797. Im folgenden Jahre ließ Irene auch ihres Gemahls Brüder in der Verbannung tödten und damit war das Haus Leo des Iſauriers erloſchen. Es beſtand alſo keine legitime Kaiſerdynaſtie mehr in dem oſtrömiſchen Reiche, ein Wahlkaiſer konnte aber eben ſo gut in Rom als in Conſtantinopel rechtmäßig gemacht werden ¹²²). Dazu kam noch ein Grund, welcher für das mittelaltrige Europa entſcheidend war: Eine Frau konnte nicht Kaiſer ſein). Weil nun Karl damals der mächtigſte Fürſt in Europa war, ſo ſiel ihm die erſte Krone der chriſt⸗ lichen Welt und die weltliche Leitung der chriſtlichen Menſchheit ¹²*) gleichſam von ſelbſt zu, denn ohne Kaiſer konnte Europa nicht ſein**). Um jedoch bei einer ſo wichtigen Sache keinen Fehltritt zu thun wandte ſich Karl an ſeinen alten Freund und Lehrer Alcuiu, welchem er durch einen königlichen Boten den Stand der Dinge vortragen ließ. Die Antwort Alcuins, welcher der Annahme der Kaiſerwürde von Seiten Karls nicht entgegen war, lautete gleichwohl über die Einziehung des Kirchenſtaates eher ablehnend.Es hat, ſchrieb Alcuin*²⁸⁶), bis auf den heutigen Tag 3 höchſte Stellen gegeben. Die erſte iſt die der apoſtoliſchen Hoheit, die den

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116) Bouaquet 65. 320, italiäniſirt Guinichisus. Pertz 5, 243. 117) Der Bpzantiner Manaſſe erzählt, Lev habe ſich zuerſt an den Hof zu Conſtantinopel gewandt und erſt dann an Karl, als dieß umſonſt geweſen. Bouquet 397. Pertz 2, 743. 118) Pertz 1, 45. 119) Pertz 5, 40 ſagtzu Heerſtelle, was hier nichts anders ſein kann, als altdeutſch herstal⸗Staudlager, Generalquartier, cf. Ziemanun mittelhochdentſches Wörterbuch s. v. Uebrigens hatte Karl im Jahre 797, wo die Diemel in die Weſer fließt, alſo nnweit Karlshafen ein Heristalli erbant. Moiſſiac. und Einhard ann. 120) Bouquet 397, 465. NB. Moiſſiac. Leibnitz 202 ff. 121) Leibnitz 196. 122) Von einer Uſurpation Karls kann alſo keine Rede ſein. Leibnitz 213, 214. So ſagt Kaiſer Hludwig II. den Griechen(Leibnitz 701) nec apparet cur ex gente Francorum aeque ac Hispanorum, Isaurorum, Caza- rorum imperatores Romani sumi non possent. 123) Chronik Jakobs von Königshoven(1386) bei Piſchon Denkmäler der deutſchen Sprache 2 p. 197 und das das rich in eines weibes henden stunt die do hies Hyrene. das doch wider bescheidenheit ist. Bouquet 451. 378. 124) Aßmann Geſchichte des Mittel⸗ alters 1 p. 119. 125) Daher nennt es Karl ſelbſt auf ſeinen Münzen eine renovatio imperii. Alzog p. 364. Bouquet 215. In einigen Urkunden heißt die neue Würde auch consulatus. 126) Bouauet 612. Leibnitz 187.