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Alsbald nach ſeiner Conſecrirung übermachte Pabſt Leo dem Könige die Schlüſſel**) des Grabes des h. Petrus und die Fahne der Stadt Rom, wie es einſt Adrian I. gethan hatte*), zugleich erſuchte er Karl, derſelbe möchte einen ſeiner Großen nach Rom abordnen, um das roͤmiſche Volk zur Treue gegen den König eidlich zu verpflichten. Karl ſandte ſofort nach Italien den Nath Angilbert, in deſſen Inſtruktion**²) er ziemlich barſch dem Pabſte die Beobachrung der Canones, eine fromme Leitung der Kirche Gottes und die Ausrottung der Simonie anempfiehlt. In ſeinem gleichfalls Angilbert mitgegebenen Schreiben an Leo bemühte ſich dagegen der König in höflicherer Form die Grenzen ihrer beiderſeitigen Machtſtellung**) genau anzugeben und ſeine im Jahre 774 mit Adrian I. zu Rom geſchloſſene Uebereinkunft*¹) nachdrücklichſt zu be⸗ tonen.„Ein großer Troſt“, heißt es in dieſem Schreiben**),„für das Ableben meines Freundes iſt mir die Erwählung Ew. Heiligkeit, eine große Freude die Einſtimmigkeit der Wahl, der Gehorſam gegen meine Wenigkeit und das Gelöbniß der Treue gegen uns. Unſere Wünſche gehen nun zuvörderſt dahin, daß Ew. Heiligkeit mein und meiner Getreuen Wohlfahrt und Seelenheil befördere, für den Frieden und die Dauerhaftigkeit*³) des uns von Gott gegebenen Reiches, ſowie der ganzen Kirche Fürbitte einlege und uns aus väterlicher Liebe als Sohn adoptire. Ferner wünſchen wir das mit Euern Vorfahren begonnene Werk fortzuführen und haben wir deßhalb unſern Geſandten Angilbert beauftragt, mit Euch über Alles Rückſprache zu nehmen, was zur Erhöhung der hl. Kirche, zur Befeſtigung Eueres Amtes und zur Kräftigung unſeres Patriciates für nothwendig erachtet wird. Denn gleich wie ich mit Euerem ſeligen Vorgänger einen heiligen Bund der Verbrüderung errichtet, ſo wünſche ich auch mit Ew. Heiligkeit ein unverletzliches Bündniß ebenmäßiger Liebe und Treue zu ſchließen, ſo zwar, daß mir der apo⸗ ſtoliſche Segen zu Theil werde und dagegen der heiligſte Sitz der römiſchen Kirche mit Gottes Hilfe durch unſere fromme Ergebenheit geſchirmt werde. Meines Amts iſt es, die heilige Kirche Chriſti vor dem Andrange der Heiden, wie vor den Verwüſtungen der Ungläubigen durch das Schwert gegen Außen zu ſchützen und im Innern durch die Anerkennung des katholiſchen Glaubens zu wahren. Euere Pflicht iſts dagegen, heiligſter Vater, wie Moſes mit zu Gott erhobenen Händen unſere Kriegszüge zu unterſtützen, ſo daß durch Euere Fürſprache unter Gottes Führung und Gewährung das Chriſtenvolk**⁴) über die Feinde ſeines hl. Namens überall und immer ſiegreich ſei und der Name unſers Herrn Jeſu Chriſti auf der ganzen Welt verherrlicht werde.“ So wie Angilbert in Rom angekommen war, ließ er vom Pabſte und dem geſammten*²³) römi⸗ ſchen Volke dem Könige den Huldigungseid leiſten und damit ward ein leidliches Zuſammen⸗ leben der weltlichen und geiſtlichen Macht hergeſtellt. An eine Erweiterung des Kirchenſtaates
Pippin von Italien hatte mit ihm Streitigkeiten. Leibnitz ann. 806. 808. 298 p.— 87) Leibnitz ann. 795. Einhard ann. ad 795.— 88) Beuquet 537 p.— 89) Bouquet 625 Leibnitz 168 Dieſe Inſtruction bildet einen merkwürdigen Gegenſatz zu dem berüchtigten Briefe Stephans II.(III.) an den jugendlichen Karl. Idler 2, 85. Leibnitz 26. 27.— 90) Freilich im Sinne Cathwulphs. Idler 2, 3.— 91) Leibnitz 187.— 92) Idler 2, 130.— 93) So überſandte Karl 806 die Charta dixvisionis regni francorum inter fllios Karoli(Idler 2, 105. Pertz 1, 120), nachdem ſie von den Großen des Reichs beſchworen war, dem Pabſte zur Unterſchrift. Idler 1, 7. Als ferner Karl 812 mit dem griechiſchen Kaiſer Michael ein Friedensinſtrument entwarf und es den Geſandten Michaels eingehändigt, gingen dieſetben Geſandten nach Rom, um vom Pabſte im Dome St. Peters ein gleichlautendes Friedensinſtrument in Empfang zu nehmen. Leibnitz 284. 242.— 94) Das erläutert Leo in einem Briefe an Karl vom Jahre 807: Piiüssimum domini imperium gratia superna custodiat eique omnium gentium colla sub- sternat, Idler 2, 12, und Theodulfs Verſe: Sub tua jura deus dedit Europeia regna, Totum orbem inclinet sub tua jura Deus. Bouquet 423.— 95) Theganus ad an. 816. Pertz 4, 159. NB. capitul. spuria. Leibnitz 304. — 90) Idler 2, 12. Selbſt Hludwig der Fromme vergrößerte den Kirchenſtaat nicht Pertz 4, cp. spuria p. 9 NB. 22.


