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Indeſſen ging der vom Concilium ihm indirekt gemachte Vorwurf der Begünſtigung einer Irrlehre an dem Manne, der 24 Jahre in verhängnißvoller Zeit mit Ehren auf dem päbſtlichen Stuhle geſeſſen hatte, nicht ſpurlos vorüber. Ein Jahr nach Beendigung der Frankfurter Kirchen⸗ verſammlung ſchied Adrian, welchem Karl nebſt Gott und ſeinem Schwerte zumeiſt ſeine Stellung in der Weltgeſchichte zu verdanken hatte, aus dieſer Zeitlichkeit ³⁰), ſelbſt von Karl als ſein liebſter Frennd und als ein milder, edler Menſch mit einer gewiſſen Oſtentation gefeiert.
Dem ſiegreichen Byzantinismus Karls traten jetzt die Römer entgegen und zwar bei Ge⸗ legenheit der neuen Pabſtwahl. Es waren kaum 50 Jahre vergangen, daß Rom das griechiſche Joch abgeſchüttelt hatte, um nicht unter eine ſtarke Nationalität gebeugt und dadurch zu einem Mittel des Deſpotismus herabgedrückt zu werden, es hatten aus demſelben Grunde die Päbſte das Königreich Italien bekämpft, wie wäre es denkbar geweſen, daß die Römer, welche ſich zumal für die Bewahrer aller großen hiſtoriſchen Erinnerungen, für die Hüter der alten Kunſt und Wiſſenſchaft, für die Civiliſierer Europas hielten, ihre erhabene Stellung zur Kirche ohne Weiteres nach dem Wunſche Karls an die Deutſchen abgetreten hätten, bloß um in kirchlichen wie in weltlichen Dingen fränkiſche Vaſallen ³¹) zu werden? Mußte man nicht bei dem ſtei⸗ genden Einfluſſe der Königsmacht**) in Rom beſorgen, wenn ein Deutſcher auf den päbſtlichen Stuhl gehoben würde, könne nicht nur die Freiheit, ſondern auch die Univerſalität der Welt⸗ kirche Schaden nehmen? Um nun die Zukunft ſicher zu ſtellen hielten die maßgebenden Kreiſe in Rom um ſo mehr an der Norm feſt, wo möglich nur einen Italiäner*³) zum Pabſt zu wählen. Vor dieſer höheren Rückſicht ſchwieg ſelbſt der Ehrgeiz der römiſchen Geſchlechter, die nach der Pabſteskrone ſich ſehnten, und da Gefahr im Verzug lag, beſchloß man unverzüg⸗ lich einen Italiäner zu wählen, welcher Partei, welchem Stande er auch angehören möchte. So geſchah es. Am 25. December 795 ſtarb Adrian, und ſchon am 26. December war Leo III. gewählt, am 27. December ordinirt*⁴). Rom hatte ſeinerſeits über den Frankenkönig geſiegt und wollte derſelbe keinen Gegenpabſt*), kein Schisma, ſo mußte er die vollendete Thatſache anerkennen. Dafür trat Karl nie in ein innigeres Verhältniß zu dem neuen Pabſte*); indeſſen brachte das gegenſeitige Bedürfniß dennoch hervor, was Neigung nicht vermochte, nämlich die nöthige Eintracht zwiſchen Staat und Kirche.
morte quam Caroli relaxatione sopitam. 177. Die Verwerfungsſentenz Concil. Tridentin p. 277 von Egli. Ebenſo nahe der Heterodoxie als Karl war ſein Vorbild Juſtinian durch ſeine Hinneigung zu den Jutianiſten gekommen.— 80) Leibnit 185, 191. Einhard vit. c. 19. Idler 1, 219. 2, 173. Pertz 1, 36. Adrian regierte länger als alle Nachfolger Petri mit Ausnahme von Pius VI.(1774— 1799) und trug dieſer Umſtand nicht wenig zur Conſolidirung von Karls Entwürfen bei.— 81) Pertz 5, 200 ſagt ſchon ſeit dem Jahre 790 coeperunt Pranci dominare Romanos.— 82) Auch nach Adrians und Alcuius Tode und der Wiederherſtellung des abendländiſchen Reiches— es war während des griechiſchen Krieges— ſuchte Karl einer religiöſen Wiedervereinigung mit den Griechen zu entgehen. Er betonte daher bei der im Jahre 809 aufgetauchten Streitfrage über den Ausgang des b. Geiſtes auf dem Aachener Concilium die Formel filioque trotz der Abmahnung Leo'’s III. ſo ſtark, daß den Griechen unter Photius eine Handhabe zu dogmatiſchen Zerwürfniſſen nicht fehlte. Leibnitz 172, 266, 267.— 83) Von den beiläufig 269 Päbſten ſind 207 Italiäner(darunter 100 Römer) und nur 6 Deutſche(unter ihnen
2 Sachſen und 2 Bayern) geweſen und zwar dieſe faſt alle zur Zeit des Kaiſers Heinrich III.— 84) Pertz 5, 39. 171. Idler 1, 220 240. Leibnitz ann. 795. Wäre Adrians oben angeführte Bulle vom Jahre 774 ächt, wie Idler 2, 284 meint, ſo wäre Leo's Wahl ungiltig geweſen, was Niemand behauptet. Leibnitz 52 p.— 85) Karl hatte
bei ſeinem Regierungsantritte auch einen Gegenpabſt erlebt und an dieſer Erfahrung, wie es ſcheint, geuug gehabt. Leibnitz 21.— 86) Selbſt nach Karls Kaiſerkrönung blieb die Abneigung und Leo beſchwerte ſich einſt(im Jahre 807) bei Karl darüber, daß derſelbe in einem Capitulare öffentlich erklärt hatte, er könne keine dem Pabſte angenehme Geſandte finden und Niemand wolle mehr freiwillig eine Miſſion an den Pabſt übernehmen. Idler 2, 10. Auch


