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war, mußte dem Frankenkönige unter ſolchen Umſtänden die Verbindung des Pabſtes mit den Griechen ſein, welche nicht ohne große politiſche**) Folgen bleiben konnte und dieſe vermeint⸗ liche Intrigue des Pabſtes mochte hauptſächlich der Grund zu Karls ſonſt doch unerklärlichem Zorne ſein, der in Offas Vorſchlage, den Adrian abzuſetzen und ſtatt ſeiner einen Deutſchen zu wählen, ſeinen kräftigſten Ausdruck fand. Karl arbeitete ja ſchon ſeit Jahren darauf hin, ſelbſt die Stelle des griechiſchen Kaiſers einzunehmen, und ſolche Pläne waren nur im Gegen⸗ ſatze zu Byzanz zu erreichen. Im Gefühle ſeiner gekränkten politiſchen Höherberechtigung— wenn auch nicht im Sinne einer idealen chriſtlichen Staatskunſt— ging nun Karl nebſt Alcuin darauf aus, die kaum durchgeſetzte Wiedervereinigung der griechiſchen und lateiniſchen Kirche wieder zu ſprengen**), und weil eine Umſtimmung des Pabſtes nicht zu hoffen ſtand, auf wiſſenſchaftlichem und parlamentariſchem Wege dieß Ziel zu erreichen. Daß dabei die Autorität des Pabſtes vielleicht noch empfindlicher als bei einer Abſetzung gekränkt wurde, wenn man ihn als Begünſtiger von Irrlehren hinſtellte, wie einſt den Honorius, iſt erſichtlich.
Bereits 790 erſchienen die von Karl herausgegebenen Libri Carolini ⁷³) gegen den Bilder⸗ dienſt, deren Ton und Inhalt den Papſt verletzen mußte. Um ſeinerſeits nicht zu verletzen, wünſchte dieſer die Behandlung der Frage durch das Frankfurter Concil*³⁴). Dieſes entſchied nun gegen ſeine Erwartung*³) nach Verleſung der Akten der griechiſchen Anſicht einſtimmig den Bilderdienſt zu verwerfen und zu verdammen ⁵⁶⁹); zugleich urtheilten die Frankfurter Väter, daß die Nicäaniſche Synode als überflüſſig zu erklären ſei, da man ſie weder die ſiebente, noch eine allgemeine Kirchenverſammlung nennen könne. Zuletzt ward Alcuin als ein in geiſt⸗ licher Wiſſenſchaft überaus gelehrter Herr auf Karls Vorſtellungen in das Gebet der Kirchen⸗ verſammlung eingeſchloſſen(canon 56). Als Angilbert dem Papſte die den Bilderdienſt betref⸗ fenden Concilakten überbrachte, widerlegte*⁷) Adrian mit Umſtändlichkeit alle Punkte des Capi⸗ tulare und der caroliniſchen Bücher, und da Karl ja auch die Bilderſtürmerei verbot, ſo blieb nur— was eben Karl gewünſcht hatte— eine ſo zu ſagen theoretiſche Differenz*8). Sonſt könnte man wohl ſich verwundern, wie bei ſolcher Meinung*) Karl von Adrian ſo ausge⸗ zeichnet rückſichtsvoll behandelt wurde.
Ginhard v. c. 19. Leibnitz 142.— 71) Das Richtige bei Leibnitz 174. 23, ne Roma acrius a Francis pulsata ad Graecos rediret imaginum causa, a quibus imaginum causa desciverat.— 72) Die Handhabe bildeten die von Adrian an Karl geſandten Akten des Concils zu Nicaea, die offenbar verfälſcht an Karls Hofe geleſen wurden(Alzog 389 p.), das zeigt beſonders die Faſſung des zweiten Canon:„synodo(Nicaeana), in qua seriptum habebatur, ut qui imaginibus sanctorum, ita ut deificae Trinitati, servitium(d. h. latreia) aut adorationem (die proskynesis) non impenderent, anathema judicarentur; qui supra sanctissimi patres nostri(die Frankfurter) omnimodis adorationem et servitutem renuentes contemserunt atque consentientes condemnaverunt. Leibnitz 168. Ein Blick auf die oben mitgetheilte Nicäaniſche Faſſung deckt die Unrichtigkeit auf; es war gerade das Gegentheil geſagt.— 73) Contra synodum, quae in partibus Graeciae pro adorandis imaginibus stolide sive arroganter gesta est. Ihr Inhalt ſtizzirt bei Leibnitz 170, über den Verfaſſer 174. 235.— 74) Leibuitz 164 und 176.— 75) Aus Mittel⸗ und Süditalien wohnte kein Geiſtlicher dem Concil bei. Leibnitz 164.— 76) Seltſam iſt, daß die libri Carolini eigentlich mit dem Pabſte übereinſtimmen: permittimus imagines Sanctorum quicunque eas formare voluerint, tam in ecelesia quam extra ecclesiam propter amorem Dei et sanctorum ejus; adorare vero eas nequaquam cogimus qui noluerint(das that auch das Nicäanum nicht); frangere vero vel destruere eas, etiamsi quis voluerit, non permittimus. Von praktiſchen Folgen iſt alſo keine Rede. Leibnitz 174— 77) Leibnitz 168. 171. Bouauet 597. 408. 608.— 78) Das meint auch Leibnitz: itaque Graecorum synodum francofordiensi canone peti magis quam feriri. 174. Nach dem Jahre 825, wo Hludwig der Fromme den erloſchenen Streit noch einmal anregte, verſchwand der Gegenſtand aus den Tractanden Leibnitz 177, 178. Alzog p. 391.— 79) Leibnitz 173, 175. Magisque rem communi moderatione et mox Hadriani 2


